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October 1857.
St. Die Rabbiner-Wittwelt- und Waisen-Kasse
sttr Deutschland.
Dieses heilsame Institut, welches dem Zwecke gewidmet ist,
dknWittwen und Walsen von Rabbinern und israel. Predigern
in Deutschland Unterstützung zu gewähren, hat weder bei den
AMuern selbst, noch viel weniger bei den iörael. Gemeinden
hie Theilnahme gefunden, deren es doch in so hohem Grade
iMig erscheint. Wir müssen aus diese traurige Erscheinung, als
lin betrübendes Armuths;euginß für den unter uns mangelnden
Gtrncinstnn wiederholt hinweisen. Die jüdischen Gemeinden haben
in der Regel nur Sinn für das, was ihnen nahe liegt, nämlich
ihre eigenen Angelegenheiten, oder für dns, was ihnen nahe ge¬
legt wird, durch das Mitleid, durch das erbarmungswürdige
Wnd, mit Einem Worte: durch das „liaenmonuLs!" — WaS
über diese beiden Beziehungen hinausgeht, was die Theltnahme
strAtferntliegendes iu Anspruch nehmen will, wird iu der Regel
abgewiesen. In dieser Beziehung können wir von unseren christ¬
lichen Mitbrüdern, wo für Stiftungen in großartigerem Sinne,
die das Ganze betreffen und zusammenhalten sollen, eine ganz andere
Wlnahme herrscht, noch Manches lernen. In der Regel heißt
is bei i,»s, und so hieß es auch bei Gelegenheit der Aufforde¬
rung zur Fundirung der Nabbiner-Witrwen- und Waisenkasse:
„jede Gemeinde sorge für sich, jede möge für die Hinterlassenen
ihres Rabbiners selbst die nöthige Fürsorge treffen!" Man ver¬
gißt aber, daß in vielen Gemeinden diese Fürsorge nicht getroffen
md, oder nicht getroffen werden kann, und so in Deutschland
in der neueren Zeit mehrere Fälle vorkamen, wo man für die
Meten von Rabbinern, von wackeren und tüchtigen Männern,
W Bettelsack umhängen mußte, um denselben ans nur kurze
Weine Fristung ihres bedauerlichen Nothstandes zu ermöglichen!
Man sagt freilich, die Rabbiner selbst sollten Zeine solche
Walt, wie die in Rede stehende, kräftiger unterstützen und durch
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