Page
288
Die Nabbiner-Wittweu- und Waisen-Kasse
ihre bewahrte Teilnahme für dieselbe deren Aufrechterhält^
sichern. Dieser Vorwurf ist nicht uugegründet. Zur Errichtung
der Casse haben sich 36 Rabbiner und Prediger angemeldet;
drei davon wollten später von ihrer Beitrittserklärung nichts
wissen, und vier sind, von der Errichtung am 1. Juli 185!
bis heute, abgefallen z 29 sind derselben bis zu diesem Tage treu
geblieben. Diese Zahl ist freilich sehr gering und bezeugt keinen
großen Eifer von Seiten der zunächst Betheiligten selbst. Allein
der Talmud schon sagt: IN^INV IM „Die Grube
wird nicht voll von ihrem eigenen Saude;" der angreifbare
Fonds allem, in welchen die Mitglieder einzahlen und woraus
ihre Relikten wieder die Gehalte beziehen sollen, kann das In¬
teresse für die Dauer nicht fesseln, abgesehen davon, daß manchem
Rabbiner auch die verhättnißmäßig kleinen Einzahlungen drücken
und der angreifbare Fonds leicht erschöpft werden könnte, wem,
er zu gleicher Zeit mehrfach in Anspruch genommen werden sollte.
Unsere Aussicht bei Gründuug der R.-W.- u. W.-Casse war
daher ganz vorzüglich auf den unangreifbaren Fonds
als eine Stiftung, als eine Anstalt der Wohlthätigkeit
gerichtet. Würden derselben bedeutendere Beiträge zugewendet
worden sein, hätte er znnächft nur über ein Capital von fl. 10,00 V
zu verfügen, was so leicht hätte geschehen können, wenn in ande¬
ren Gemeinden nur ein Fünkchen von dem Eifer sich gezeigt, der
in hiesiger Gemeinde sich wirksam erwiesen, so würde gewiß auch
die Anzahl der beitretenden Rabbiner eine weit größere sein und
werden, indem der Eintretende dann für seine Retteten eine Wohl»
that zu erwarten hätte, wofür er verhättnißmäßig wenig beige-
tragen. Dieser Gedanke liegt sehr nahe, und ist bei dem schmalen
Einkommen und der gewöhnlich nicht sehr glänzenden Lage w
Rabbiner sehr entschuldbar.
Leider haben wir uns in jener Voraussetzung bitter getäusch.
Die meisten Gemeinden haben die Aufforderung von Seiten der
Direction dahier gar keiner Antwort gewürdigt, andere haben er-
wiedert, sie hätten für ihre eigenen Rabbiner und Prediger zu
sorgen — als wenn die Angelegenheiten der Wittwen und Waisen,
und noch dazu solcher von Männern, die ihr ganzes Leben, oft
unter großen Entbehrungen und Widerwärtigkeiten aller Art. der
Verkündigung und Aufrechterhaltung unserer heiligen Religio»
gewidmet habe», kein Gefühl, keine Theitnahme, keine aufopfernde
Gesinnung zu erwecken fähig wären, die über die Pfähle der
eigenen Gemeinde und die trennende Ringmauer der eigenen
Stadt hinausreichte! — Man kann aus der Zusammenstellung