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December 1857.
GG. Zur Beschneidungsfrage,
xeszii Wie ist mit einem Knaben Zu verfahren, an
welchem die Bcschneidung unterblieben ist?
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Eine ernste Stimmung überkommt uns, indem wir unser
Votum über einen Gegenstand abgeben wollen, welcher mit Recht
cilsnciner der heiligsten in unserem Religionswesen betrachtet wirv
und der, in Beziehung zu einem bekannten, in der Oesterreichi¬
schen Monarchie sich ereignet habenden, in den allgemeinen, wie
in den- besonders jüdischen Organen, vielbesprochenen Vorgange,
großes Aufsehen erregt hat. Jene Stimmung bewahrt uns von
vornherein vor Parteilichkeit. Wir werden daher in den folgen¬
den Auseinandersetzungen rein gegenständlich (oojectiv) verfahren.
Aein Name werde genannt. Wir halten, nach dem großen Sitten¬
gesetze unserer alten Lehrer: NN ^ LNttll ^ Ndi 'IN
,/beUrthctle Jedermann von der bestmöglichen Seite", die Man¬
ner, welche in diesem Drama auftreten, für solche, die der
Sache, der Religion, jeder in seiner Weise, dienen wollten. Wir
haben es mit Sachen, nicht mit Personen zu rhun.
5 Der Dachverhalt aber, dessen in diesen Blättern bereits wie¬
derholt Erwähnung geschah, ist, in Kurzem wiederholt, folgender:
- Iq, einer- Minen, Stadt...in/ BHHmen- wurde einem jüdischen
Arzte vor nun bald^ acht Jahren ein Knabe geboren, an welchem
er. die Beschneiduttg.nicht vollziehen ließ. Die Gemeinde schloß
ihn deßhalb von dem Rechte, zur Tora gerufen zu werden, ans.
Er aber trat vor die geöffnete Gesetzrolle und erklärte feierlich,
er werde seinen Sohn im Judenthume erziehen lassen. Die Ge¬
meinde begnügte sich mit dieser Erklärung. Da wurde in dem
betreffenden Orte ein neuer Lokalrabbiner eingesetzt, und dieser
trat, nach sechs Jahren, im Juni 1856 klagbar auf, indem er
die Beschneidung sacra m ental. " „ als zur jüdischen Neli-
gionsangehörigkeit u n erlaß lich,^ „die Unterlassung derselben
bei gesunden Kindern (?) als einen factischen Austritt aus
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