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Herausgegeben vom
Bureau für Statistik der Juden
Berlin-Halensee, Westfälische Strasse 46.
Redaktion: Dr. Arthur Ruppin.
Zu beziehen durch das
Bureau für Statistik der
Juden, Berlin-Halensee,
Westfälische Strasse 46.
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1. Jahrgang*.
Juni 1905.
Heft No. 6.
INHALT:
I. Abhandlungen. B. Goldberg, Wilna: Ueber die sprachlichen Verhältnisse der Juden Rußlands. — Dr. Arthur, Ruppin, Berlin: Das
Wachstum der jüdischen Bevölkerung in PreuÖen.
II. Statistisches Archiv. Sterbefälle in Berlin im Jahre 1903. — Juden mit nichtdeutscher Muttersprache in Berlin. — Jahresbericht
des Deutsch-Israelit. Gemeindebundes. — Ein deutsches Dorf mit überwiegend jüdischer Bevölkerung. — Etat und Besteuerung der
israelit. Religionsgemeinschaft in Baden. — Die höheren Lehranstalten in Eisati-Lothringen. — Die soziale Herkunft der jüdischen
Studierenden. — Frequenz der Universitäten und technischen Hochschulen in Oesterreich im Jahre 1901/02. — Die Bewegung der
Bevölkerung in Oesterreich im Jahre 1901. — Armenpflege in Amsterdam. — Statistische Daten über die Juden in New-York. —
Die jüdischen Kolonieen in Argentinien.
Iii. Literatur. Felix Pinkus: Studien zur Wirtschaftsstellung der Juden.
IV. Berichtigung.
(Machdruck der von den Verfassern gezeichneten Artikel ist nur mit besonderer Genehmigung, der übrigen Artikel
nur mit vollständiger Quellenangabe gestattet.)
lieber die sprachlichen flerhaltnisse der Juden Russlands.
Von B. Goldberg:, Wilna.
Die Veröffentlichung der Ergebnisse der
Volkszählung in Rußland vom Jahre 1897 ist
erst in den letzten zwei Jahren in richtigen Fluß
gekommen und wird hoffentlich innerhalb des
laufenden Jahres zum Abschluß gebracht werden.
Für die Erforschung der verschiedensten
Verhältnisse des jüdischen Volkes in Rußland
sind die reichhaltigen Materialien der Volks¬
zählung von der allergrößten Wichtigkeit;
allerdings müssen soweit als möglich die Aen-
derungen und Verschiebungen, die innerhalb
des bereits abgelaufenen Zeitraumes von sieben
Jahren stattgefunden haben, in Betracht gezogen
werden.
Im ersten Band der „Jüdischen Statistik"
(Berlin 1903) habe ich auf Grund der bis Ende 1902
veröffentlichten Daten über die Verbreitung der
jüdischen Bevölkerung in den verschiedenen
Teilen des russischen Territoriums, über die Dichte
der jüdischen Bevölkerung und die Verteilung der
Geschlechter berichtet. Im folgenden sollen die
sprachlichen Verhältnisse der jüdischen Be¬
völkerung in Rußland und zwar insbesondere
des im sogenannten Ansiedelungsrayon lebenden
Teiles besprochen werden.
Wie bekannt, dient eine jede Volkssprache
als charakteristisches Merkmal der Zugehörigkeit
zu einer gewissen Nationalität, und in den meisten
wissenschaftlichen statistischen Werken wird die
Nationalität auf Grund der Angaben über die
Umgangssprache, resp. Muttersprache festgestellt.
So finden wir in Otto Hübners „geographisch¬
statistischen Tabellen aller Länder der Erde,
herausgegeben von Prof. Dr. v. Juraschek (Aus¬
gabe für das Jahr 1904)" durchweg sämtliche
Angaben über Einteilung der Nationalitäten in
einem Lande lediglich auf die Umgangssprache
basiert. Die Bevölkerung Preußens gruppiert
sich z. B. nach folgenden Nationalitäten: Deutsche,
Polen, Dänen, Litauer, Masuren, Wenden,