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nicht vorhanden, und die oben angegebenen Zahlen j
für die Juden sind so klein, daß sie zu sicheren
Schlüssen nicht ausreichen. Immerhin kann der
Umstand, daß die Zahl der wegen Verbrechen ver¬
urteilten erwachsenen Juden etwas größer ist als
die Zahl der Juden, Im Vergleich mit dem um¬
gekehrten Verhältnis in Deutschland als Bestärkung
der Ansicht dienen, daß Unterschiede zwischen der
Kriminalität der Christen und Juden eines Landes
hauptsächlich durch Unterschiede in der ökonomischen
Lage veranlaßt sind. In Frankreich dürften die
Juden, die zum großen Teil erst in neuerer Zeit
aus Rußland eingewandert sind, nämlich im Gegen¬
satz zu Deutschend inbezug auf den durchschnitt¬
lichen Wohlstand erheblich hinter den Christen
zurückbleiben.
i Mischehen in Budapest im Jahre
Budapest. !| 190I wurden geschlossen:
zwischen jüd. Mann und kathol
oder griech.-orient. Frau............. 03
zwischen jüd. Manu und lutherischer, reform, oder
unitar. Frau ......... . . ... 23
überhaupt zwischen jüd. Mann und christl. Frau 116
zwischen jüd. Frau und kathol. oder griech.-
oriental Mann.................... 77
zwischen jüd. Frau und luth., reforin. oder
unitar. Mann.................... 24
zwischen jud. Frau und konfessionslos en Mann 7
Summa der Mischehen......224
Den 224 Mischehen stehen 1359 rein jüdische Ehen
gegenüber, die Mischehen machten also 16,4 o/ 0 der
rein jüdischen Ehen aus. Von je 100 heiratenden
jüdischen Männern haben 7,86, von je 100 heiratenden
jüdischen Frauen haben 7,3t> einen nichtjüdischen
Gatten geehelicht.
Eine Uebereinkunft bezüglich der Konfession
des zu erwartenden Kindes aus den Mischehen
wurde in 22 Fällen getroffen, wo der Mann, und in
20 Fällen, wo die Frau jüdisch war. Bei den ersten
22 Mischehen sollen die Kinder nur in o Fällen, bei
den letztgenannten 20 Mischehen nur in 3 Fällen
jüdisch bleiben. (Monatshefte des Budapester
kommunalstatist. Bureaus. Mai 1905. Buda¬
pest 1905.)
jj Verteilung der dänischen Juden auf
;j Dänemark. jj Stadt und Land. Nach der Volks-
:j • —- Zählung von 1901 gab es in Dänemark
3476 Juden = 0,14% der GesanitbevÖlkerung von
2 449 540 Seelen. Von den 3476 Juden waren 1633
männlich und 1S43 weiblich; 2826 lebten in Kopen¬
hagen, 239 in dessen Nachbarort Frederiksberg und
nur 411 in anderen Orten (darunter 245 in Städten,
166 in Landgemeinden). Die außerordentlich ungleiche
Verteilung der Juden auf Stadt und Land geht daraus
hervor, daß der Anteil der Juden unter der Gesanit¬
bevÖlkerung betrug:
in Kopenhagen......0,71 °/ 0 von 400 575 Seelen
„ Frederiksberg . . . . 0,31 °/o r 76 231
„ den übrigen Städten 0,05 °/o * 482 099
„ „ Landgemeinden 0,01% » 1 490 635
(Statistisk Aarbog. 9. Jahrg. 1904.
Kopenhagen 1904.)
;! . jj Schulbesuch in Tunis. Nach dem
jl Tunis. ;| amtlichen französischen Annuaire
— — statistique 1903 (Paris 1904) waren
im Jahre 1902 die einzelnen Nationalitäten bezw.
Konfessionen in den tunesischen Schulen wie folgt
vetreten:
öffentl
. Schul.
privat.
Schul.
zu¬
sammen
Knaben
j Müde Ii.
Knaben
Maden.
Franzosen ....
1912
1434
427
528
4 301
Mohamedaner. .
3029
i 19
1
12
3 061
eingeb. Israeliten
932
I 1042
1480
914
4 368
Italiener.....
2541
! 1905
171
480
5 097
Malteser.....
832
: 681
48
175
1 736
127
73
35
38
273
Sa.
9373
j 5:54
2162
2147
LS £36
Die Zahl der Juden beträgt nach den letzten
Schätzungen (vgl. Nr. 5 der Zeitschrift S. 8) 62 540;
es entfällt also auf 14,3 Juden ein Schulkind, während
bei den Franzosen, deren Zahl 24 201 beträgt, bereits
auf 5,6 Personen ein Schulkind kommt. Den
Mohamedanern sind die Juden inbezug auf den
Schulbesuch daseien weit überlesen.
Literat up.
F. Stähelin: Der Antisemitismus des Altertums in j andererseits in ihrer Absonderung inbezug auf Kultus
seiner Entstehung und Entwicklung. 54 Seiten. \ und Umgang, die ihnen von den Griechen undEgyptern
Basel 1905. C. F. Lendorff. j ajs Dünkel und Fremdenhaß angerechnet wurde.
Der Verfasser sieht als Wiege des Antise- j Über die Entwicklung des Antisemitismus in Alex¬
mitismus die Stadt Alexandria und als ersten j andria bis ins 1. nachchristliche Jahrhundert bringt
antisemitischen Schriftsteller den egyptischen Priester | das Buch ausführliche Angaben nach griechischen
Manethos an, der in seiner in der ersten Hälfte des \ und römischen Quellen. Zu bedauern ist, daß der
dritten vorchristlichen Jahrhunderts geschriebenen j Verfasser, der dem Stoffe mit Verständnis und
Geschichte Egyptens eine ausgesprochen Judenfeind- ! Objektivität gegenübersteht, die Verhältnisse in den
liehe Tendenz "zeigt. Den Grund für das Entstehen j anderen Ländern und die so wechservolle Gestaltung
einer antisemitischen Strömung in Alexandria findet in der Zeit, als das Christentum zur Herrschaft ge¬
Verfasser einerseits in der großen Zahl, dem Einfluß langte, gar nicht oder nur ganz beiläufig berührt
und Wohlstand der in Alexandria lebenden Juden, hat. A. R.
Für die "Redaktion verantwortlich: Dr. Arthur Kuppln, Charlottenlmrg. — Verlas dos Bureaus für Statistik der Juden,
Halensee. — Druck von ß/ßoll, Berlin.