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Juden verhältnismäßig erheblich geringer ist
als in Preußen.
4. Württemberg. Hier trafen unehe¬
liche Geburten
a) auf je 1000 der
b) auf je
Gesamtbevölkerung
1000 Juden
1898
3,45
0,50
1899
3,41
0,08
1900
3,34
0,08
1901
3,35
0,25
1902
3,20
0,50
1903
2,97
0,16
1904
2,86
0,16
1905
2,83
0,16
Ferner waren von je 100 Geburten unehelich
bei der Gesamtbevölkerung bei den Juden
1898 10,03 2,92
1900 9,72 0,53
1902 9,26 3,14
1904 8,49 1,19
1905 8,56 1,02
Wir sehen demnach, daß die allgemeine
uneheliche Geburten Ziffer in Württemberg
höher, die der Juden jedoch niedriger ist als
in Preußen. Im Vergleich zu der allgemeinen
Ziffer ist die jüdische ganz erheblich niedriger;
freilich können wir in den einzelnen Jahren
ein erhebliches Schwanken beobachten.
5. Hessen. Es trafen hier uneheliche |
Geburten auf je 1000 Köpfe j
bei der Gesamtbevölkerung bei den Juden j
1898 2,74 0,60
1900 2,73 0.89
1902 2,51 0,70
1904 2,42 0.78
1906 2,21 0^0
1907 2,18 0,32
Von je 100 Geburten waren unehelich
bei der Gesamtheit bei den Juden
1898 8,04 3 r 01
1900 7,94 4,48
1902 7,36 3,98
1904 7,28 1,57
1906 6,96 2,10
1907 T08 1,70
Die allgemeinen Ziffern entsprechen ziemlich \
denen Preußens, die für die jüdische Bevölke- :
rung scheinen durchschnittlich etwas niedriger j
zu sein, schwanken jedoch beträchtlich.
6. Bayern. Die Statistik weißt für das j
Jahr 1876 5,69 uneheliche Geburten auf je j
1000 Köpfe der Gesamtheit auf, dagegen nur [
0,35 uneheliche Geburten auf je 1000 Juden, j
Diese Zahlen entwickelten sich in folgender
Weise fort
bei der Gesamtbevölkerung bei den Juden
1S81 5,36 0,46
1886 5.29 0,33
1891 5,32 0,37
1896 5,42 0,44
1901 4,96 0,47
1906 4,39 0,32
1908 4,25 0,56,
Von je 100 Geburten waren in Bayern
unehelich
bei der Gesamtbevölkerung bei den Juden
1898 13,61 2,71
1900 13,17 2,21
1902 12,76 2,39
1904 12,62 2,23
1906 12,37 1,82
1908 12,28 3,39
Die uneheliche Geburtenziffer der Allge¬
meinheit ist also in Bayern bei weitem die
höchste von allen in Betracht gezogenen
deutschen Staaten. Dagegen findet sich bei
der jüdischen Bevölkerung Bayerns eine erheb¬
lich niedrigere uneheliche Geburtenziffer als
in Preußen und Hessen, wenn sie auch nicht
ganz so niedrig ist wie die württembergische.
Friedrich Lindner, der sich in seiner
statistischen Untersuchung der unehelichen
Geburtenziffern in Bayern*) auch mit dem
verhältnismäßig so niedrigen Anteil der
jüdischen Bevölkerung an den unehelichen
Geburten beschäftigt, erklärt diese Tatsache
damit, daß die Jüdin relativ früher sich ver¬
heirate. Ferner will er bei der ländlichen
jüdischen Bevölkerung deren größere Abge¬
schlossenheit und den „zum Teil noch vorhan¬
denen patriarchalischen und infolgedessen
sittlichenden Charakter des Familienlebens",
bei der jüdischen Stadtbevölkerung dagegen
deren im allgemeinen günstigere soziale
Stellung zur Erklärung heranziehen.
Unsere Untersuchung hat uns gezeigt, daß
die von L i n d n e r für Bayern gefundene
geringere, und zwar außer Ungarn überall
sehr erheblich geringere uneheliche Geburten-
*) Die unehelichen Geburten als Sozialphänomen.
Ein Beitrag zur Statistik der Bevölkerungsbewegung im
Königreich Bayern. Von Dr. Friedrich Lindner.
(Leipzig 1900.)