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Mitteilung.
Ein jüdisches Kunsiarchiv.
Die Quellen zur wissenschaftlichen Bearbeitung
jüdischer Kunstdenkmäler und die Biographien
jüdischer Künstler fließen nur spärlich. Das zahl¬
reich vorhandene Material ist weit zerstreut, oft
noch an unbekannten Orten bewahrt, und kommt
nur durch Zufall an das Tageslicht. Viele Gemein¬
den besitzen wertvolle Kunstgegenstände, auch
viele Familien bewahren unter den Erbstücken
Gegenstände, deren kunst- und kulturgeschicht¬
licher Wert ihnen nicht zur Genüge bekannt ist.
An verschiedenen Orten bestehen bereits öffentliche
Sammlungen von Kultusgeräten, Münzen, Handschrif¬
ten und interessanten Drucken. Was aber das
Erfordernis einer wissenschaftlichen Bearbeitung
aller dieser Dinge ist, die archivalische Kenntnis,
d. h. die sachgemäße Notierung und Vergleichung,
fehlt noch vollkommen.
Was von den jüdischen Kunstaltertümern zu
sagen und zu beklagen ist, gilt auch von derKenntnis
der jüdischen Künstler unserer Zeit Der häufig
gemachte Einspruch, daß die Juden als Künstler
nur mäßig begabt und nichts Ursprüngliches
zu leisten im Stande seien, ist durch das tatsäch-
iiche Material bereits als irrtümlich nachgewiesen-
Herr Karl Schwarz, Mitarbeiter der illustrierten
Monatsschrift „Ost und West u , hat es sich zur
besonderen Aufgabe gemacht, die jüdischen Kunst¬
denkmäler und die Werke der jüdischen Künstler
zu studieren und hat auf Grund des von ihm
bereits seit Jahren gesammelten Materials ein
jüdisches Kunstarchiv gegründet, dessen Zweck es
ist, alle einschlägigen Dokumente und Nachrichten
(auch photographisches Material) an einer Zentral¬
stelle zu sammeln und zu erschließen.
Das Jüdische Kunstarchiv steht in Verbindung mit
dem Gesamtarchiv der deutschen Juden zu Berlin
N. 24, Oranienburgerstraße 28. Durch diese Ver¬
bindung mit einem öffentlich anerkannten Institut
ist die ordnungsgemäße Verwaltung und die
Sicherstellung des Materials für alle Zeiten gewähr¬
leistet- Das Archiv enthält auch eine Lichtbilder¬
zentrale, die für Vorträge über jüdische Kunst und
jüdische Künstler geeignetes Material beschaffen will.
Das jüdische Kuns archiv wendet sich in einem
Aufruf an alle Kreise, in erster Linie an unsere
jüdischen Künstler, mit der Bitte um Überlassung
recht zahlreichen Materials.
Da das gemeinnützige Unternehmen, das eine
Lücke in den bestehenden jüdischen Institutionen
ausfüllt, nur durch das Entgegenkommen der Künst¬
ler und Kunstfreunde seine idealen Ziele erreichen
kann, so seien auch die Leser dieses Blattes darauf
hingewiesen. Nähere Auskunft über das jüdische
Kunstarchiv, sowie die Statuten, siad durch das
Gesamtarchiv der deutschen Juden zu erhatlen.
exs
Für die Redaktion verantwortlich: Rechtsanwalt Dr. Bruno Blau, Berlin-Charlottenburg. — Verlag von Max Schildberge r-
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Druck von E. Grüner, Bernau bei Berlin.