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wohnen, aus Sanitäts- und Polizeirücksichten i
so /iel als möglich zu erweitern, von Seite j
der Kreisämter eingerathen, daß ihnen keine ;
besondere Schwierigkeiten zu machen, und j
nach komissionellem Lokalbefund der Noth- I
wendigkeit auch jedesmal von Fall zu Fall
die besondere Konzession zu geben wäre,
vorhandene anstoßende Christenhäuser, oder
zu Baustellen, ganz geeignete frei disponible
Dominikai- oder Rustikalgrundstücke zu Er¬
bauung von Häuser in Absicht auf eine an¬
gemessene Ausbreitung der Judengemeinde
ankaufen zu dürfen/ 4
Statistisches Archiv.
Preußen
Die Entwicklung der jüdischen
Volksschulen in Preußen von
1886 bis 1911.
Seit 1886 haben in Preußen alle fünf Jahre sta¬
tistische Erhebungen über das niedere Schulwesen
stattgefunden; nach der letzten Ermittlung von 1911
kann also die Entwicklung 25 Jahre zurück verfolgt
werden. Im allgemeinen werden die Volksschüler in
Schulen ihrer Konfession unterrichtet. Es sind gezählt:
Jüdische Schulen Paritätische Schulen
Schulen Schüler Schulen Schüler dav. Juden
1886
318
13 270
503
216 758
5 726
1891
244
9539
595
220 314
5 704
1896
246
8123
680
250 412
5 804
1901
244
6 939
803
284 575
5 162
1906
240
6 069
900
333 079
5 006
1911
219
5 550
1568
368 565
2 090
Es wurden irn Jahre 1886 3 062856 evangelische
1 730 402 katholische, 35 420 jüdische Schulkinder
gezählt, 1911 3871 902, 2 650 722 und 19 965. Die
Zahl der evangelischen Schüler, die evangelische
Schulen besuchten, ist von 953 im Jahre 1886 auf
955°/ (H > im Jahre 1911 gestiegen; für die katholischen
Schüler in katholischen Schulen ging die Verhältnis¬
zahl von 915 auf 891%«, für die jüdischen von 374
auf 276, hauptsächlich in Folge des Rückgangs eigener
jüdischen Schulen zurück. Die Zahl der evangelischen
Schüler ist in den 25 Jahren um 264%)» gewachsen,
die der katholischen um 532 %o, der jüdischen um
ca. 440 % 0 gesunken. Die ständig fallende Geburten¬
ziffer auf der einen Seite und die größere Inanspruch¬
nahme der mittleren und höheren Schulen auf der
anderen Seite ist ausschlaggebend für die fallende
Zahl jüdischer Volksschüler. (Statistische Kor¬
respondenz. Jhrg. XXXiX. Nr. 19.)
Preußen
Selbstmorde im Jahre 1911.
Von den 8422 Selbstmorden im Kgr. Preußen im
Jahre 1911 entfielen auf die Juden 131 = 15,5% )0 ,
Da die Juden gegenwärtig nur 10,35% u der Gesamt¬
bevölkerung ausmachen, sind sie viel stärker am Selbst¬
mord beteiligt als ihrer Verhältniszahl entspricht. Von
den 131 jüdischen Selbstmördern waren 94 Männer
und 37 Frauen, d. h. von 1Ö0 waren ca. 72 Männer;
bei der Gesamtbevölkerung waren von 100 Selbst¬
mördern 75 männlich. Auf die einzelnen Provinzen
verteilten sich die jüdischen Selbstmörder folgender¬
maßen: Ostpreußen 3, Westpreußen 4, Landespolizei-
bezirk Berlin 40, davon im Stadtkreis Berlin 25,
Brandenburg 13, Pommern 5, Posen 3, Schlesien 10,
Sachsen 2, Schleswig-Holstein 3, Hannover 7, West¬
falen 3, Hessen-Nassau 16, Rheinprovinz 22. Es ent¬
fielen Selbstmorde auf je 100 000 Evangelische 26,1,
Katholiken 10,8, Juden 31,5. (Medizinalstatist
Nachrichten, herausg. vom Kgl. Preuß. Stat. Landes¬
amte. 4. Jhrg. 1912/13.)