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Jahresbericht des Frankfurter Vereins
für Statistik und Demographie der Juden.
Auf der Generalversammlung des Vereins für
Statistik in Berlin, im Mai 1912, an weicher er als
Delegierter des Vorstandes der Frankfurter israel. Ge¬
meinde teilnahm, machte Dr. Hanauer den Vor¬
schlag, auch in Frankfurt a. M einen solchen Verein
zu begründen. Er setzte sich zu diesem Zwecke mit
den Herrn Prof. Hülsen, Dr. Sichel und Dr. jur.
Schwarzschild in Verbindung. Diese erließen ein
Rundschreiben, in welchem zum Beitritt zu einem
Comite, das die Gründung des Vereins in die Hand
nehmen sollte, aufgefordert wurde.
Dieses Rundschreiben fand lebhafte Zustimmung.
Es fanden daraufhin zwei Comitesitzungen statt, am
20. Juni und am 18. September in der Frankfurt-Loge.
In der letzteren Sitzung, die von etwa 35 Personen
besucht war, in der Prof- Hülsen den Vorsitz führte
und Dr. Hanauer über Ziele und Aufgaben des Vereins
referierte, wurde der Verein gegründet, die vom pro¬
visorischem Comite ausgearbeiteten Statuten ange¬
nommen und in den Vorstand folgende Herren ge¬
wählt: Dr. Budge, Dr. Büding, Direktor H. Maier,
Prof. Hülsen, Dr. jur. S. Schwarzschild, Dr. Sichel,
Rabb. Dr. Nobel, Rabb. Dr. H. Salzberger, Joseph Wis-
loch, Stadtverordneter Fromm, Frau Henriette Fürth,
Prof. Bondi, Dr. W. Hanauer, Dr. med. Mainzer, Prof.
Michel, Daniel August Worms, Dr. med. Theodor
Plaut, Dr. med. A. Feuchtwanger, Dr. med. A Stern.
Zum ersten Vorsitzenden wurde gewählt: Dr. Budge,
zum zweiten Direktor H. Maier, zum ersten Schrift¬
führer Dr. Hanauer, zum zweiten Dr. Schwarzschild,
zum Kassierer Dr. Büding. Im Laufe des Jahres ist
Herr Dr. Mainzer wegen Überlastung mit anderen
Arbeiten aus dem Vorstand ausgetreten. Die Mit¬
gliederzahl des Vereins wuchs bald auf etwa 100
durch eine lebhafte von Herrn Jos. Wisloch eingeleitete
Agitation sind in den letzten Monaten etwa 70 neue
Mitglieder beigetreten, so daß der Verein jetzt 172
Mitglieder zählt.
Es wurden im letzten Jahre 5 Vorträge gehalten:
1. am 10. November 1912 sprach Rechtsanwalt D r.
Blau, Berlin, über: „Die Bedeutung der Statistik
der Juden und ihre Aufgaben für die Zukunft."
2. am 18. Dezember 1912 sprach Regierungsrat
Knöpfel, Darmstadt, über: „Die Bewegung
der jüdischen Bevölkerung in Hessen."
3. am 11. Januar 1913 sprach Rechtsanwalt Dr.
Wassermann, München, über: „Das Be¬
völkerungsproblem und die Juden."
4. am 11. Februar 1913 sprach Lehrer H o r w i t z,
Cassel, über: „Die Entwicklung der jüdischen
Bevölkerung in Kurhessen.*
5. am 5. März sprach Dr.med. Sichel über:
„Gibt es eine Entartung bei den Juden?"
Die Inangriffnahme der wissenschaftlichen Ar¬
beiten wurde einer Kommission überwiesen, die sich
mit dem statistischen Amt dahier in Verbindung setzte,
welches die Arbeiten nach Kräften zu fördern ver¬
sprach: die Arbeiten sollen jetzt in Angriff genommen
werden, und für das Wintersemester sind folgende
Voträge angekündigt:
Dr. Segal 1, Berlin: „Die beruflichen und sozialen
Verhältnisse der Juden.*
Rabb. Dr. Salzberger: „Psychologie der
Juden/
Oberlehrer Tachauer: „Die Mischehe."
Direktor Busch: (Thema vorbehalten )
Justizrat Dr. Di etz: (Thema vorbehalten.)
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