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glichen mit jener der anderen Jahre relativ hoch war,
hatte die württembergische Judenheit einen Verlust
von 11 Personen zu verzeichnen. Im Vergleich zu
1911 muß die Bewegung im Jahre 1912 als außer¬
ordentlich gut bezeichnet werden. Die Zahl der Ge¬
burten nahm um 33 zu, der Sterbefälle um 14 ab,
sodaß ein Überschuß von 36 Personen zu verzeichnen
ist. Es ist durch diesen Überschuß das Defizit der
Jahre 1904, 1908, 1909 und 1911 gedeckt. Leider
ist die Zahl der Austritte aus dem Judentum nicht
unbeträchtlich. Es belief sich die Stärke des Geburten¬
überschusses von 1903 bis 1912 auf 175 Personen,
der Verlust durch Austritte (abzüglich der Übertritte
zum Judentum) auf 70 Personen, sodaß ein Gewinn
von nur 105 Personen verbleibt. Die Eheziffer ist
großen Schwankungen unterworfen. Im Jahre 1906
schnellte sie auf die ungewöhnliche Höhe von 10,46% 0
empor, um im darauffolgenden Jahre den niedrigsten
Stand mit 5,98%o zu erreichen, im übernächsten Jahre
stieg sie abermals auf 9°/ 0:r Abgesehen von diesen
3 Jahren beträgt die Eheziffer durchschnittlich im
gemeinen Eheziffer, die ebenfalls stets um 7°/ u0
schwankt. Die Mischehenquote ist im letzten
Jahre abnorm hoch — 24 Mischehen auf 100 unge¬
mischte Ehen. (Statistisches Handbuch
für das Königreich Württemberg, 22- Aus¬
gabe. Jahrgang 1912 und 1913.)
Wien
Umgangssprache der jüdischen
Bevölkerung im Jahre 1910*
Das soeben erschienene Statistische Jahr¬
buch der Stadt Wien für das Jahr 1912 bringt
in einem Anhang die Hauptergebnisse der Volks¬
zählung vom 31. Dezember 1910. Über die demo¬
graphischen Verhältnisse der Konfessionen findet sich
sehr wenig Material. Man hat sich damit begnügt,
eine Tabelle über die Religionsbekenntnisse der in
den einzelnen Gemeindebezirken Wiens anwesenden
Personen beider Geschlechter zu veröffentlichen und
eine Zusammenstellung der Religionsbekenntnisse und
Umgangssprachen zu geben. Dieser entnehmen wir
die folgenden auf die Juden bezüglichen Zahlen.
Jüdische
Bevölkerung
hievon waren
Österreich.
Staatsbürger
darunter mit der Umgangssprache
Staatsfremde
deutsch
böhm. mähr,
slowak.
sonstige
Umgangsspr.
männlich......
weiblich......
89 191
86 103
63 154
60 631
62 642
60 288
161
109
351
234
26037
25 472
Zusammen
175 294
123 785
122 930
270
585
51509
Die männliche jüdische Bevölkerung zeigt einen
wenn auch kleinen Überschuß über die weibliche.
Von 100 Juden sind 50,88 männlich und 49,12 weib¬
lich. In Berlin ist das männliche Geschlecht viel
stärker vertreten. Es waren dort im Jahre 1910 von
100 Juden 51,36 männlich und 48,64 weiblich. Bei
der Gesamtbevölkerung überwiegen sowohl in Wien
wie in Berlin die Frauen. Ein nicht unerheblicher
Bruchteil der Wiener Juden besitzt eine fremde Staats¬
angehörigkeit. Es sind staatsfremd von 100 männ¬
lichen Juden: 29,2, von 100 weiblichen Juden: 29,6.
Welchen Staaten diese Personen angehören, ist leider
aus der Tabelle nicht ersichtlich. Fast alle jüdischen
Staatsbürger sprechen deutsch als Umgangssprache.
Die Zahl der böhmisch, mährisch-slowakisch oder eine
sonstige Sprache redenden Juden ist außerordentlich
gering.
Zahl der Juden in Rußland
im Jahre 1905,
Rußland
Nach den vorläufigen Ergebnissen der russischen
Bevölkerungsaufnahme von 1905, die im A n n u a i r e
Statistique de la Russie 1908 veröffentlicht
wurden, betrug die Zahl der Juden im russischen
Reich 6 060 415, gegenüber 5 215 805 im Jahre 1897.
Es hatte also eine Zunahme von 844 610 =■ 16,2% in
8 Jahren stattgefunden. Im einzelnen verteilte sich
die jüdische Bevölkerung folgendermaßen: (Die ein¬
geklammerten Zahlen beziehen sich auf das Jahr 1897.)
Europäisches Rußland 4 406 063 (3 789 448)
Polen.......... 1 533 716 (1 321 100)
Kaukasus....... 65 888 ( 56 783)
Sibirien........ 40 443 ( 34 920)
Centrai-Asien . . . . . 14 305 ( 13 682)
Zusammen 6 060 425 (5215 805)
Südafrikanische Union
Zahl der Ju-
___ den i. J. 1911.
Zur südafrikanischen Union gehören die Provinzen:
Kap der guten Hoffnung, Natal, Transvaal, Oranje
Freistaat. Im Jahre 1911 hat eine Volkszählung statt¬
gefunden, welche für die jüdische Bevölkerung folgen¬
des Ergebnis hatte.