Seite
638
die schwierige Aufgabe, die Begn'ffsverunrelnLgnng^ die
B^LLffsMwLrrllngen -in de» O rlst l We n tHeÄog.i -
WhM MM> G hMOfoch h i sch e» Sch» len MichMweiM, .wo¬
durch eben die gestellte Frage niemals gelöst, sondektt fffi
recht in Wirre gebracht worden ist. Er hebt mit den
griechischen Kirchenvätern an, und geht bis Twe¬
sten. Judeß müssen wir hier auf das Merk selbst'ver¬
weisen, da diese Untersuchung so unserm Gegenstände
fern liegt. ' .
In der zweiten Abtheilung, „das Schiboleth," der
St. Ln frommer Weise eine Uebersetzung des 96sten Psalms
voransetzt, und die er abermals durch' fünf Prolustonen
einleitet, kommt unser Verfasser zum Inhalte des Of¬
fenbarungsbegriffes, und zur Vergleichung desselben mit
dem Inhalte der sogenannten natürlichen (d. i. Vernunft-)
Religion, worunter alles das zu verstehen, was die
menschliche Seele durch ihre eignen Mittel und Kräfte
über das'Wesen Gottes, der Geister- und Körperwclt
und ihrer Schöpfung zu ihrer Kunde gebracht. Deshalb
betrachtet er in der ersten Prolusion die Entwickelung
der Gottesidee im Menschen, wie der Mensch vom rohen
Atheismus dahin gelangte, daß sich mit dem allerersten
religiösen Bewußtsein jenes.doppelte Prinzip der Liebe
und des Hasses, das sich in der natürlichen Religion,
sowol in ihrem Gewände als Mythus und Symbol, als
auch in ihrer offenem Form als Philosophem, mithin im
Heidenthume in dessen zwiefacher Gestaltung bis auf den
heutigen Tag herunter deutlich verfolgen läßt, entspann.
Die natürliche Religion hatte zwei Hauptresultate: Z)das
doppelte göttliche Prinzip des Guten und Bösen,
und 2) des ewigen Weltstöffes, der Materie, wo sich
jedoch bei Vielen die Urmaterie mit dem Prinzip des Bö¬
sen idenlifizirte. Die Philosophie enthält aber, ,wie in
der zweiten Prolusion gezeigt wird, wesentlich nichts
Anderes, als die Poesie im Mythos hervorbrachte, es ist
nur die Methode, die Form, die sie unterscheidet. Der
Mythos lehrt: Chaos; Nothwendigkeit; vorzeitlicher Gott
in seiner Einbeit; nachzeitliche Gottheiten der zwei Prin¬
zipien; Determinismus; Willenlosigkeit der Gottheit, wie
des Menschen; Ewigkeit der Folgen aus den. Ursachen;
ein diesem entsorechendes ewiges Heil, oder ewiges Unheil
(ewige Höllcnstrafen). Aristoteles lehrt: Gott ist „ein
iwiges Wesen; Eine Energie, Eine Thätigkeit ohne Kraft
(d. h. eine nie ruhende Thätigkeit,) und ohne Materie,
ohne Größe, ohne Theile, unzertrennbar, ohne Leiden,
ohne Veränderung." Da ist denn Gott Sklave des ei¬
sernen, über ihn waltenden Gesetzes, und Sklave der
trägen, störrigen Materie. Da dieses nicht genügen
könnte, so Eänderte ^man chm Satz „es chli mothwendig,
dH-Etwas in den Satz: ,M # nicht möglich, daß
Nichts sei," und thalMbei den Mißgriff, Gott,-oHi,e
den kein Sein denkbar ist, aus dem Sein er¬
klären zu wollen. Diese Kritik Kants trifft seine
Nachfolger eben • so gut, und unter diesen Hegel, der
das Lügengewebe aufstcllt: die-Wahrheit des Seins
und des Nichts qst die Eincheit Beider, und diese
Einheit ist das Werden. Die Realität ist das Anders¬
sein des Nichts, der Widerspruch desselben, das Et¬
was, die Welt. Das Urnichts verwandelt sich in sein
Gegentheil, in das Etwas, und jenes ist'Gott, und
dieses'ist Welt, und der Akt des Verwandelns ist der
logkAe Prozeß — eine der sublimirtesten Inkarnationen
und Uebertreibung der Lehre: aus Nichts-ist die Welt
gemacht, indem er dem „Nichts" seinen Gott substitnirt,
das Absolute, das An-sich-sein, die leere Idee.
Diesen "Hauptbeweisen der Philosophie schließt sich noch der
ethische Beweis vom suimnuut bonuni und sumnmin mal um
an, der kategorische Imperativ, wobei nicht bedacht ist,
daß ein Pflichtgebot ohne Motiv eitel ist, mit einem Mo¬
tiv aber aufhört absoluter Imperativ zu sein.
(Fortsetzung folgt.)
Zeitungsnachrichten.
Deutschland.
Frankfurt am Main, 8. Oktober. (Privat-
mitth.)") Die sogenannten Reformer haben sich viele
Mühe gegeben, Rießer bei seiner Anwesenheit hier
für sich zu gewinnen, aber vergebens. Der ganze
Verein ist übrigens, wie jeder Nebel, mehr in der
Ferne sichtbar, hier ist er kaum bemerkt und bleibt
unbeachtet, weil man hier auch am besten weiß, wie
sehr unwissend in theologischen Dingen die. sind, die
sich an die Spitze stellten, und wie theilnahmlos diese
bis jetzt für Religion waren, und gewiß keinen an¬
dern Zweck haben, als — von sich reden zu macken.
Wirklich können sie auch mit der Zahl ihrer hiesi¬
gen Anhänger kaum Minjan machen.
*) SBon einem andern Korrespondenten. Redakt.