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dunkeln Scheitel des neben ihm stehenden errötheten
Mägdleins gehalten, wie feenhaft zauberisch glitzern
die mächtig großen Borstecknadeln und Ohrgehänge
auf den sauber gebürsteten, schwarzen sammtmanche-
sternen Kissen und die goldenen Ringe mit den Bril¬
lanten und Rubinen aus der schwarzen Rolle aufge¬
reiht, wie Bretzeln am Fenster eines Bäckerladens;
welche kaum geahnte Pracht eröffnet sich nicht in den
jetzt aufgeschlagenen Stücken Kattun, dessen wunder¬
liche Muster mit den blitzähnlichen Zickzacks und un¬
zähligen Monden und Sternen selbst der älteren Far-
mersftau ein lautes „Ach" der Bewunderung entlocken,
und dann erst gar die seidenen Halstücher und Bän¬
der, die Perlmutterknöpfe und Haarnadeln mit dm
kleinen farbigen Glaskugeln oben drauf, die Haar¬
schleifen und Armbänder, die Ketten und seuerstrah-
lcnden Ohrringe, das Alles muß in einem solchen
Blockhause, mitten im Walde gesehen werden, um
ganz den, wenigstens für den Verkäufer wünschens-
werthen und günstigen Eindruck hervorzubringen.
Der Pedlar läßt seine Waaren gewöhnlich nur
für baar Geld aus den Händen, kennt er aber seine
Leute, oder sieht er an der ganzen Umgebung, daß
er gerade nicht viel zu fürchten hat, so kreditirt er
wenigstens einen Theil derselben, was ihm zu gleicher
Zeit Entschuldigung für einen zweiten Besuch gewährt.
Ein Anderes ist es mit den „Jewelrypedlars" oder
denen, die nur goldene Schmuckwaaren, einige Ta¬
schenuhren und silberne Löffel führen. Diese geben
nie Kredit, weil sie aus sehr vernünftigen Gründen
nie einen und denselben Ort zweimal besuchen: sie
trauen dem Frieden nicht recht und sind selten geneigt,
dem Mann wieder unter die Augen zu treten, dem
sie früher von ihren Waaren verkauft haben.
Der größte Betrug wird in dieser Hinsicht mit
den Argentanlöffeln getrieben, die in den Städten un¬
ter dem Namen german silver oder deutsches Silber
bekannt sind, und wo, besonders in Ohio, den leicht¬
gläubigen Farmern unter dem Vorwände, daß deut¬
sches Silber nur eine andere Art, aber sonst ebenso
gut sei, das Dutzend Eßlöffel zu 18 und 20 Dollars
verkauft wurde. Hätten die Gesetze in diesen Fällen
wirklich einschreiten wollen, so würden sie Nichts ha¬
ben ausrichten können, denn die Waare war unter
dem rechten Namen „deutsches Silber", wenn auch
zu einem übermäßigen Preis«, verkauft, die Landleute
selbst aber, welche mit der Zeit, obgleich erst durch
Schaden, klug wurden, schwuren nachher freilich dem
Pedlar, sobald er sich wieder blicken lassen würde,
furchtbare Strafe zu. Dieser jedoch trieb dann schon
in einem andern Staat, entweder weiter westlich oder
südlich, wer konnte sagen wohin er gezogen, sein We¬
sen, und nur weniger Jahre bedurfte es, so hatte sich
der arme Packträger ein Pferd oder gar einen kleinen
Wagen angeschafft, auf dem er jetzt seine Waaren in
bedeutend größer und besserer Auswahl, durch das
Land fuhr. Louisiana besonders wimmelt von diesen
Leuten und es kommt dort vor, daß mehrere derselben
Zusammenlegen, und sich ein Pferd gemeinschaftlich
kaufen, um ihren Waarenballen fortzuschaffen; das
arme Thier ist aber dann wahrlich zu bedauern, denn
erstens muß es die sicherlich übermäßige Last, und ge¬
wöhnlich auch noch abwechselnd einen der hoffnungs¬
vollen Jünger Merkurs schleppen, und nicht selten ge¬
schieht es dann, daß solch ein gequältes Geschöpf zu¬
sammenbricht und nicht weiter kann.
In Louisiana besteht der Hauptnutzen der Pedlars
in dem Verkehr mit den Negern und besonders den
Negerinnen, welche, da sie die Plantagen nicht ver¬
lassen dürfen, für alles das, was sie gebrauchen, ein¬
zig und allein auf diese wandernden Krämer ange¬
wiesen sind. Den jungen Mulattinnen und Mestizen
fehlt es dabei nie an Geld, besonders wenn sie schön
sind, und sie wissen den „Minnesvld" natürlich auf
keine andere Art zu verwenden, als daß sie Putz und
Kleider dafür einkausen, die ihnen von den geschäfti¬
gen Deutschen in reicher Auswahl zugeführt werden.
Grellrothe Tücher, Glasperlen, auffallend bunte Kat¬
tune und alle Arten von Schmuck finden hier einen
ausgezeichneten Markt, und der Nutzen an diesen Ge¬
genständen, die spott billig auf den Auktionen in New-
Orleans eingekauft werden, ist bedeutend. Am Mei¬
sten verdienen diese Leute aber mit dem verbotenen
Handel, wie das fast stets der Fall ist.
Den Negern dürfen sie nämlich keinen Whiskey
verkaufen, wie überhaupt kein Kaufmann in den Skla-
venstaaten, und die Strafen, welche für Uebertretung
dieses Gesetzes bestimmt sind, werden sehr streng be¬
obachtet; der Krämer weiß aber der Gefahr entdeckt
zu werden sehr gut zu entgehen; Werrath ist von den
Negern selbst nicht zu befürchten und eine mittlere,
doppelte Wand im Wagen birgt den geheimen Schatz,
aus dem sie heimlich die Flaschen der durstigen Skla¬
ven füllen.