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‘pfcb 1*« vorgefallen ist. Die von den Stufen des Ta¬
bernakels Hinabgemaßregelten wendeten sich unge- j
säumt an die Staatsanwaltschaft, Beschwerde führend ob
der Insulte, die ihnen wiederfahren. Der Staatsanwalt
aber, welcher die Sache genauer untersuchte, fand in der¬
selben keinen Grund zur Anklage gegen den Diener der
Justiz, wol aber mehr als einen zur Anklage gegen
den Gemeindevorstand Herrn P., als denjenigen, durch
welchen allein die Störung des Gottesdienstes veranlaßt
worden war. Bei dieser Gelegenheit geschah es nun, daß
Herr Rabbiner Dr. G. aufgefordert wurde, sich gutacht¬
lich darüber zu äußern, ob das 710s zum wesent¬
lichen Gottesdienste gehöre oder nicht? Und als Herr
Rabbinervr. G. auf diese Frage bejahend geantwortet
hatte, that der Staatsanwalt was seine Pflicht war und
erhob die Anklage wegen „veranlaßter Störung
des öffentlichen Gottesdienstes". Am 9 . Ja¬
nuar d. I. kam dieser Gegenstand (wie bereits in No. 6
dieser Zeitung anderweitig berichtet worden) bei dem Kreis-
gerichte zu G. zur öffentlichen Verhandlung. Das in
der That Kitzliche, was in dieser Sache liegt, hatte nicht
verfehlt, eine große Zuschauermenge herbeizulocken, und
das Proszenium des Gerichtssaales war an dem genann¬
ten Tage gedrängt voll. Unter den Zeugen waren auch
der Rabbiner Dr. G., der Kantor W. und der Schäch¬
ter M. vorgeladen. Der Vorstand P. erscheint auf der
Anklagebank, die Anklage wird vorgetragen, die Zeugen¬
schaft vernommen, die Bertheidigung ebenfalls gehört —
der Gerichtshof zieht sich zurück — das Publikum harrt
in Spannung — die Richter erscheinen wieder, und der
Präsident verkündigt das Erkenntniß, welches den Ange¬
klagten wegen „veranlaßter Störung des öffent¬
lichen Gottesdienstes" zu mehrwöchentlicher Frei¬
heitsstrafen verurtheilt. Das Schauspiel ist zu Ende,
das Publikum geht heim und macht Reflexionen über
das, was es gehört und gesehen.-Wahrlich! eine
gute Lehre für alle diejenigen, welche dem Rade des
Zeitgeistes hemmend in den Weg treten wollen. Aber
wird in G. diese Lehre beachtet? Nichts weniger als
das. Nehmen die Parteistreitigkelten ein Ende? Denkt
man daran, sich auszusöhnen mit dem gekrankten Fort¬
schritte? Keinesweges. Im Gegentheil, der Kampf
der Parteien wird darob noch heftiger, die gegenseitige
Erbitterung immer größer, das Edlere und Beffere wird
verhöhnt, der Fortschritt mit Füßen getreten, seine Träger
müssen Schimpf und Schmach erleiden, und — wer
weiß wie lange dieser arge Zustand noch dauern wird,
wer weiß, wann der Vorhang einmal fallen wird vor
diesem traurigen Drama und wir werden sagen kön¬
nen: „Der Parteienstceit in der Gemeinde zu
G. hat das Zeitliche gesegnet — eö ist Frie¬
den!
Anzeigen
In demselben werden Annoncen aller Art gegen l 1 /* Ngr. (1 gGr.)
Gebühren für die gespaltene Zeile aus PetitschrifL oder deren Raum
so wie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen.
Oie Vertagshandlung.
Für die hiesige jüdische Gemeinde wird zur so¬
fortigen Anstellung ein unverheiratheter Vorbeter gesucht,
der auch im Stande ist selbstständig einen Chor einzu¬
üben und zu leiten. Befähigte Personen, welche auf diese
Stelle reflektiren, werden ersucht ihre desfallsigen Atteste
ber uns ungesäumt franko einzureichen, um die näheren
Bedingungen zu erfahren.
Landsberg a. d. Warthe, den 25 . Marz 1851 .
Der Vorstand.
Zum ersten Mai c. wünsche ich einen Lehrer zu
engagiren, der 10 Kinder in Religion, den Elementen,
Französisch und Englisch unterrichte. Bei freier Station
gebe ich 100 — 120 Thlr. Pr. Krt. Bewerber bitte ich
ihre Fähigkeitsatteste unverweilt an den Landesrabbinec
Herrn Dr. Einhorn in Schwerin (Mecklenburg) ein¬
zusenden.
Malchow, 4 . April 1851 .
E. S. Jacobson.
Für eine Manufaktur- und Wollenwaarenhandlung
en detail in Kuxhaven, im Hamburger Amte Ritze¬
büttel, wird ein Sohn rechtlicher Eltern als Lehrling ge¬
sucht. Reflekticende wollen sich gefälligst franko wenden
an H. Freudenburg daselbst.
Ein junges, gebildetes Mädchen jüdischen Glau¬
bens, im Haushalte wie in allen weiblichen Arbeiten sehr
erfahren und auch im Laden als Verkäuferin tüchtig,
sucht auf Johanni e. eine angemessene Stelle. Es wird
mehr auf gute Behandlung als hohen Gehalt gesehen
und ertheilt nähere Auskunft auf frankirte Briefe L.
Gutkind in Braunschweig.
Druck von I. B. Hirschfeld in Leipzig.