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Stande, wie außer dem Gründer- des Altg. -d. isr. Lehrerver-
eins kein Zweiter, aktenmäßig die Motive des letzteren Vereins
an seiner Quelle zu beleuchten. Er ist so sicher darin und
seine Belege sind so evident, daß er sie dem geehrten Redakteur
dieser Zeitung'nach Wunsch zum Rechtsspruche vorzulegen bereit
ist ^selbst den Herren Rabbiner J)r. Rothschild u. Dr. L. Stein
als Vertrauensmännern, die in dem Referate aus Rheinhessen
gegenüber den Beleuchtungen des Herrn ür. Kronenberg von
hämischen Angriffen reden, mögen sie auf Verlangen^ überliefert
werden. So groß ist unser Vertrauen auf die Wahrheit, und
deutsche Ehrlichkeit. Und die Angelegenheit ist .der Wahrheit
werth.
Zur Sacbe: Der, Rh. Wests. Lehrer.? Verein hat als sol¬
cher alle offenen und verdeckten Angriffe, des Herrn Kl. in sei¬
nem Blatte passiv hingenommen, seine maßlosen Drohbriefe
nicht beantwortet. In Bielefeld nannte uns H. Kl. die Bahn¬
brecher, kurz nachher uns und die Kurhessen, als dort ein Verein
gegründet wurde, „Kleinstaater. — Kaum hatte Herr Kl. sein
Werk offenbart, so wurden in der allgemeinen deutschen Lehrer¬
zeitung die iör. Lehrer Deutschlands der Engherzigkeit, Selbst-
suchtelei, Lauheit — Prädikate sind billig — geziehen. —
Herr Kl. hat sich brieflich verpflichtet den Ertrag der in
Rheinl. u. Wests, abgesetzten Achawa I, auch wenn die Lehrer
nicht Mitglieder seines Vereins würden, an unsere Casse ab¬
zuliefern. Obgleich nachher Herrn Kl. die Erfüllung seines
Versprechens ihm anheim gegeben wurde, mußte obendrein sich
der Rhein. W. Verein den Vorwurf des Mangels an Logik und
Consequenz gefallen lassen. - Wie es überhaupt, der Gründer
des Zsr. Lehr. Vereins einerseits mit Versprechen, heiligen
Schwüren, verbrieften Ucbereinkommen, anderseits mit Drohun¬
gen'hält,'darüber könnte höchst interessantes Material zur psy¬
chologischen Charakterschilderung <aktenmäßig> geliefert werden.
. Doch züm Wichtigen. Der Rechenschaftsbericht.weift 3924
Gulden Einnahme auf, allerdings eine anständige Summe, aber
nach, den Anstrengungen, dem weiten Gebiete seiner Thätigkeit
wohl zu erwarten. Wo aber bleibt die statutenmäßige Verwen¬
dung eines Drittels? Nur 235 Florin lind an Wittwen, un-
terstützungsbcrechtigte Lehrer und Waisen verabfolgt. Wie er¬
scheint hierbei das Pochen auf Wohlthätigkeit? Nach der, wir
wollen nicht sagen unerhörten, erstaunlichen Höhe von 1300
Florin an Verwaltungs-Aufrufe «im ,.Israelitischen Lehrer?"),
Druckkosten, Honorar " (für die Irrwege?) hätten über 700 Fl.
zur Verthcilung kommen müssen. Wenn das Inventar, dessen
Werth fraglich, abgerechnet wird, bleiben kaum 800 Thlr, und
wäre statutenmäßig unterstützt worden, blieben kaum öOO Thlr.
Wenn aber nach Ausdehnung, Organisation, .Aufnahme-
weise rc. des Vereins schon im ersten Rechnungsjahre an den¬
selben eine so bedeutende Unterstützungspflicht herantritt—• und
Hoffnungen, wie„wir kümmern uns um die Schreiber nicht,
in dem Bewußtsein, daß durch unser Werk kein darbender Leh¬
rer, keine Lehrerwittwe" k. wachrufen, das sollte man meinen,
ist ein Wagespiel, das leicht an Frevel streifen kann.
■■ ■ Dieses führt uns zum Rh. W. Vereine zurück. Die Grün¬
der desselben beabsichtigten, wie aus den noch, vorhandenen ersten,
Statuten ersichtlich (Aufruf in der Allg. Ztg. des Jdth. 1856.)
einen Verein, für ganz Deutschland zu gründen, jedoch mit der
Einschränkung, daß nur vorschriftsmäßig geprüfte Lehrer auf¬
zunehmen seien. Die Berechtigung zu dieser Einschränkung,
die durch dieselbe b^MMiate Hebung des Lehrerstandes, wird
wohl Niemand'anzweifeln: Reifliche Erwägung über die'Aus¬
dehnung des Vereins, ernste Prüfung bestimmten eine zahlreich¬
besuchte Conferenz zur Beschränkung vorerst auf die westlichen
Provinzen Prkußens, ohne die Aussicht, daß später, wenn die
Möglichkeit dazu sich zeige, die übrigen preuß. Provinzen Lei-
tretcn könnten, gänzlich fallen zu lassen.
Die Unübersehbarkeit, die Schwierigkeit der Verwaltung,
die Unmöglichkeit einer gewissenhaften Prüfung der Berechtigung
zum Beitritte u. dgl. (was alle hier aufzuführen der Raum -
nicht gestattet)' mußte die Beschränkung als nothwendig erschei¬
nen lassen. Daß unser Verein bis zu einer gewissen Altersstufe
den Beitritt zuläßt und ein Gesundheitsattest fordert, das kann
nur gebilligt werden. Was Gewissenhaftigkeit gebietet, ^kann
nicht zum Vorwurf der Härte gemacht werden. „Wer zu viel
verspricht, ist ein Schelm oder Thor" sagt 'das Sprichwort., Wie
werden sich in dem großen Deutschland die Unterstützungsberech-^
timten schon in den ersten Jahren einfinden! O, gewiß-, auch'
wrr mochten jedem helfen, und wäre er in einem Dörfchen in;
Hinterpommern ITn, der nebenbei die Kinder , das Oren lehrt,,
ihm helfen, wenn seine kleine Gemeinde ihn aufgibt,'gern jedem
um die Seinen Bekümmerten, wenn er seinem Ende nahe-, um;
Versorgung flehte, diese nicht verweigern, gleichviel, ob Lehrer'
oder ttrnz), und wenn die Gemeinde beides für das letztere^
nähme und in ihrem Aufnahmegesuch den Lehrer verschrrebe.
Helfen wollen, kann schön sein, helfen können ist gut, aber am.
besten ist „wirklich helfen.
Ganz Deutschland! ist denn Deutschland ganz? Und nun
gar die verschiedenen Verhältnisse der israelitischen Lehrer in
den Vaterländern. Wie ist da Gleichmäßigkeit in Pflicht und.
Recht herzustellen? > _ < \
Vieles hat sich in der Lage der Lehrer gebessert, wenn wir.
auch nur am Anfänge stehen, «sowohl die Regierungen wie
die Gemeinden sehen mehr oder weniger, die Nothwen'vigkeit,
etwas zu thun, ein.' Die Verschiedenheit in der Stellung wird
noch größer und die Möglichkeit eines Deutschen Vereins wird
sich erschweren. Aber da, wo ein'Anfang gemacht ist in den
bestimmten Grenzen,- da wird man das Bestehende fördern, den
Grundstein, den die Lehrer gelegt, nach den gegebenen Verbält-
nissen, den örtlichen, (den landesgemäßcn) Bedürfnissen, zum
Weiterbau, benutzen. In Hannover sind die Lehrer gehalten von
ihrem Einkommen einen Prozentsatz an die Lehrer-Wlttwenkasse
^abzugeben; in Oldenburg tritt der Staat ein, in Würtemberg
und Baven.ist man auf gutem Wege, in Rheinland und West¬
falen fördert die Negierung das Institut der Lehrerunterstützungs-.
kasse. Das Große_wird also eher zersplittern als einigen, es
wird die gelegten Keime, im Wachstyume hemmen.
Die äußerliche Stellung, tvir meinen die materielle Sicher-.
stellung für die Zukunft, ist sehr wichtig, aber für die Lehrer,
doch nicht Alles. nnnb nnbrr b'y Nb E das gilt am, mei¬
sten dem Lehrer. Beides, materielle und- geistige Förderung,,
müssen Hand in Hand'gehen. Dieses kann aber nur da gesche¬
hen, wo die zu einem Verbände gehörenden Lehrer zu gemein-'
samer Berathung ihrer Angelegenheiten zusammen kommen.
Wenn aber der groß-deutsche Verein bestimmt, es könne auf
der alle drei Jahre stattfindenden General-Versammlung Pä¬
dagogisches besprochen werden, so ist darin doch nichts weiter
als ein frommer Wunsch zu'erkennen.
A. Treu.
Druck von L. B. Hir.ichseld in Leipzig.