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nun: ihren nähern Inhalt in zwei großen Principien, von denen
das eine das Verhältniß des Menschen zu Gott> /das andere das
Verhältniß des Menschen zum Menschen befaßt. Das. Erstere
ist ausgedrückt in dem Objectivsatz 5 /Moft6, 5 .-
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„Liebe den. Ewigen, deinen/ Gott, ,mit deinem, ganzen
.i - Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem
ganzen. Vermögen." -/
Wir' haben bereits oben./bemerkt, daß dieser Satz sich unmittelbar-
aber .ohne, äußeren /Zusammenhang. an den Bekenntnißspruch
schließt, und daß nach ihm V. 6 mit D^-mn i-ni
ttb«?r die Ermahnung alle- diese- Lehren und. Gebote zu Herzen
zm nehmen, beginnt, der objective Bekenntnißspruch in ihm also
vollständig dargethan. ist. Auch kehrt in der Folge die - Ein-
schärfung, Gott zu. lieben, häufig genug wieder. ^ Die. Liebe, zu
Gott ist die/höchste- Stufe , des innersten Zusammenhanges mit
Gott, die vollständige.Hingebung an die Gottesidee, in welche :
die Verehrung, die Dankbarkeit und das Vertrauen ausgehend
.Dies drückt der . Satz durch die dreifache Aufzählung-des Herzens, :
der"/Seele und des Vermögens aus, welche, mögen sie dem-Won-!
lauteinach verschiedentlich, erklärt werden, nichts anderes bedeuten,
als alle . Kräfte der; menschlichen Seele, das Denk-, Gefühls- und
Willensvermögen. ^)
. < - .Das Verhältniß . des - Menschen zum Menschen •. aber wird
principiell bestimmt durch die Worte 5 Mos. 19, 18:
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„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst: ich bin der Ewige."
Die'Objectivität dieses Satzes zeigt sich dadurch, daß er als
Schlußpunkt, einer- Reihenfolge -von Vorschriften aufgestellt ist,/
welche den Inhalt-der Heiligung (V. 1) bestimmen, sowie daß
der- Weg zu- ihm durch eine- Reihe negativer -Vorschriften- geführt
wird, welche- den positiven Ausspruch der Nächstenliebe vorbereiten.
Sv.schon von V. 9 an, und schließlich das Verbot der Ver¬
leumdung, der Unthätigkeit- bei der Todesgefahr eines Andern
(V...16), und V. 17 und 18 : „Hasie deinen Bruder nichts in
deinem -Herzen, verweisen-magst du deinen Nebenmenschen: daß
du. nicht seinetwillen Sünde, trägst. Du sollst dich nicht rächen
und nicht-Zorn-nachtragen den Söhnen deines Volkes, sondern
liebe deinen -Nächsten; wie dich selbst : Ich bin - der Ewige." Mit
tiefem - Blicke nimmt das h. Wort zur Basis der Nächstenliebe
die dem Menschen natürliche Selbstliebe. Es geht von dem allen
Wesen eingepflanzten Selbsterhaltungstriebe aus, der die unent¬
*) Das erste Glied unseres Satzes 'n n«
wird 5 Mos. 11, 1 wiederholt, itnb die Liebe zu Gott immer von
Neuem als Grundzug im Verhältniß des Menschen zu Gott betont,
z. B 5 Mos. I I, 13. 22. 19, 9. 30, 6. l 6, . 20, und so auch in andern
Theilen der h. Schrift. Auch im Talmud heißt es z. B. Sota 31, 1:
„Höher steht der, -welcher aus Liebe, als wer aus Furcht - vor Gott
handelt", vergl: Mäim.. Hilch. W2Wr> -X.-Albo Jkkar. 111, 35. Man
erkennt'hieraus, 'welches Börurtheil es ist, weÄn der isräelittschm Re-
.ligiou/die knechtische Furcht, als ' Grundzug insinuirt wirw - . /'
behrliche Bedingung ihres. Daseins ist und im Menschen .durch
das Selbstoewußtsein erhöht wird und. nun in der sittlichen Ent¬
faltung zur. Nächstenliebe erhoben werden soll. Gerade hierdurch
wird- auch ausgeschlossen, daß die Nächstenliebe nur ein Ergebniß
der Reflection, des erwägenden Verstandes sei; sie soll vielmehr
so tief wie die Selbstliebe in unsere Gefühlswelt sich einsenken,
daß wir auch unbewußt und ohne Nachdenken aus ihr heraus
handeln. Dies; widerspricht auch der Natur,des Menschen durch¬
aus nicht, und wir gewahren Heldenthaten der Nächstenliebe, die
im raschesten Momente der Gefahr geschehen, als wenn, wir uns
selbst darin befänden. Unser Lehrsatz stellt hiernach ein Ideal
für den Menschen auf, das auch für ihn erreichbar ist und oft
erreicht wird, in großen und in kleinen Dingen.*)
Wenn die Liebe die 'höchste Sphäre des sittlichen Lebens
einnimmt und erfüllt und'daher das Recht in höheren Sinne
einschließt, ja sich mit demselben so iventisicirt, daß die Liebe zu
einem'Rechte, zu einem Rechtsanspruch wird, wie dies auch das
/mosaische Gesetz und nach ihm das talmudische durch specielle
Vorschriften -er Wohlthatigkeft bethätigt: so verlangt doch das
s ocial-politische Verhältniß des Mens chen, daß die Religion hierfür
einen höchsten Grundsatz ausprägt. Dies geschieht 5 Mos. 16,20:
' ’': rr nn p^b rjri-in .pis pHx
„Gerechtigkeit, Gerechtigkeit folge nach,'damit du lebest."
und . 4 Mos. 15, 16:
nabi 22 b rr»m in«' roswui nn« rrnin...v,7.
„Ein Gesetz und ein Recht soll euch sein und. dem Fremdling,
der sich aufhält bei euch." /
Beide Sätze geben sich auch äußerlich als Endpunkte,einer Reihe
von Vorschriften, nach welchen Gesetze anderen Inhalts beginnen,
also als principielle Schlußsätze, zu erkennen. Wir brauchen hier
nicht zu wiederholen, was wir schon so oft nachgewiesen, daß die
israelitische Neligionslehre nicht bei dem Individuum stehen bleibt,
sondern auch für den Menschen in der Gesellschaft die höchsten
Grundsätze aufstellt. Die heil. Schrift specialisirt dieses social¬
politische. Recht nicht blos, sondern formulirt auch wie Principien,
und diese gipfeln in den Leiden angeführten Sätzen, wie in Be-
kenntnißsprüchen des Rechts. . Sie sprechen kategorisch die For¬
derung des absoluten, bedingungslosen Rechts und der, Einheit
des Gesetzes für Alle ohne Unterschied der Race, der Nationalität
und des Standes aus. Die Gerechtigkeit, die volle Uebüug des
Rechts wird als der Lebensmittelpunkt des Menschen bezeichnet,
ohne welchen, weder ein Volk, noch ein Individuum .bestehen und
den ? wahren Ansprüchen des Lebens genügen könne. Die Ein-
./ ^ 2) /Wir-brauchen wohl kaum noch zu erweisen, daß TP’? jeden
Menschen ohne Unterschied, /nicht- etwa nur den Israeliten bedeutet,-.da
V. 34 ausdrücklich. auch wen? „Fremdlings wie sich selbst zu /lieben be¬
fiehlt!.So wird bei falscher Zeugenaussage, böser Begierde// Ehebruch,
Todtschlag ff. immer p"i und 177^^ gebraucht, und "^>;Merhaupt
für Mensch ohne alles Abzeichen (itts'-i b« w'«) verwendet. Selbst
wenn hier -syA. ,,-snw-.', , -s-'nrr mit bisweilen abwetz-
seln, ist nur an eine Mannichfaltigkeit des Ausdrucks zu denken.^.
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