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heit''des Gesekes wird schori am Beginne nämlich der dem Aus¬
züge äüs Egypten (2 Mos. 12, 49) und dann an vielen Stellen
gefordert und dabei,' um jede Zweideutigkeit zu vernieiden,-jeder
für "das .Recht" gebräuchliche - Ausdruck ! (fmn ,npn ,wvw72)
verwendet.
' v ' Zum Schluffe dieser höchsten sittlichen Principien stellt sich
uns/ wie von selbst, der' Schlußsatz in der Schlußrede Moses
vor" seinem "Tode (Cap. 29. 30) dar; nämlich'5 Mos. 30, 19:
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„Das Leben und den Tod legte ich euch vor,' den Segen und
den Fluch, wähle das Leben."
'Am'Schluffe der ganzen Lehre und des ganzen Gesetzes erkennt
Moses feierlich die Willensfreiheit des Menschen an.
Mitten in den Verheißungen und Strafandrohungen, mitten in
den'Geschicken, welche das Volk Israel'bis dahin erfahren hatte
und die ihm in großen Umrissen für seine Zukunft verkündet
worden, steht" ihm die Wahl des Weges, den es einschlagen und
einhalten will, seines Thuns und Laffens frei. Dies ist sehr
bezeichnend, und stellt den Menschen so recht als willensfrei, trotz
her Bedingungen des Naturgesetzes und der Fügung der gött¬
lichen Vorsehung, die ihm seine Lebensverhältniffe züm großen
Theile schafft, hin, so in der Tiefe die Lösung aller der Fragen
enthaltend, welche bei diesem' Gegenstände zur Berücksichtigung
kommen. Es liegt hierin der Gegensatz zu der Lehre von der
Prädestination und' der'Gnadenwahl, welche in den beiden Töchter¬
religionen heimisch wurden.
An diese Reihe von objektiven Aussprüchen schließen sich
nun als ebenso objektiv gehalten, aber in die speciellen Gebiete
des Menschenlebens sich versenkend, die zehn Gebote, die hier
weiter zu erörtern nicht der Platz ist. Das h. Wort schließt sie
selbst als ein abgerundetes Ganzes aus der Maffe des Gesetzes
- aus.*) Ebenso ist es selbstverständlich, daß sich in der heiligen
Schrift noch außerordentlich viele objektive Lehrsätze finden, die
sich als solche ausdrücklich zu erkennen geben. Wenn z. B. das
Buch Hiob' 28, '28 als das Ergebniß einer langen Diskussion
den Satz aufstellt und Gott in den Mund legt: „Siehe die
Furcht des Herren ist Weisheit'und das Böse meiden Einsicht;"
wenn Koheleth zu dem Schluffe kommt (12, 7): „Der Staub
kehre zur Erde zurück,'die er gewesen, der Geist aber kehre zu
Gott zurück, der ihn gegeben", und dann in der hinzugefügten
'' *) Nicht blos m der Form rmd in der Fassung der' Einzelsätze,
.sondern .auch in ihrem Inhalte geben, sich die zehn Gebote als, objectiv
und für die gesammte Menschheit bestimmt zu erkennen, selbst was das
vierte (der Sabbath) betrifft. Der Beweis hierfür ist auch geschichtlich
. geführt, da sie von der ganzen civilisirten Welt als ein -Grundgesetz
angenommen worden. -Gerade hierdurch istlauch erwiesen,, daß die Re¬
ligion' auch in die Gesellschaft, in das sociale. Wesen sich,einzusenken
habe ; denn die Heiligkeit des Eigenthums z. B. ist ein Fundament der
Gesellschaft Zu-bemerken ist endlich, daß der objectiven Fassung in
den.Geboten 1-^-5 (nach jüdischer Eintheilung, die allein dem Texte
' entspricht), ein subjectives Moment hinzugesügt ist, dem ersten und
vierten nämlich eine Erklärung, dem zweiten und dritten eine Straf¬
androhung/dem fünften eine-Segensverheißung. --■■■«■<■.
Schlußrede zu dem Ergebniß (&: 13): .'/Das Ende aller.'Lehre
laßt- uns hören: Gott- fürchte und seine Gebote halte:!. Das .gilt
für' alle Menschen"; wenn das Hohelied zu- dem eigentlichen
Schluffe kommt (8, 6. 7 -: ,-Stark wie der-' Tod ist die Hiebe,
fest, wie die Unterwelt, ihr-Eifer; ihre Gluthen, Feuer-Gluthen,
Gottesflamme. Große Wasser vermögen - nicht zu -löschen die
Liebe- und Ströme- fluchen- sie- nicht -hinweg.- -Gab' auch ein
Mann allen Reichthum seines Hauses um die-Liebe , verspotten
würde -man ihn V'- : wenn Jeremias - (Klage!. 3> -22 >.> mitten
feinen verzweifelten Klagen fein Gemüth zur« Tröstung -und Auf¬
richtung zurückruft und trotz alles - erlittenen Elends ausruft:
„Seine Barmherzigkeit ist niemals zu Ende; -neu ist . sie alle
Morgen, und groß-ist Deine Treue"; und hieran - bis-zum-Ende
des Capitels eine -Reihe von Trostes- und Gebeiworten - fügt-;
wenn Michah 6, 8 ausrüft: „Verkündet hat er dir o-Mensch,
was gut und was' der -Ewige von dir fordert: - nur Rechte-zu
üben und Huld zu lieben und demüthig zu wandeln mit deinem
Gott", und dies-sich an den Ausspruch Moses (5 Mos. dv, 12h
anschließt, mit welchem - dieser einen Absatz beginnt: >,Und nun,
Israel, was fordert der -Ewige, dein Gott, von dir; als daß du
ehrfürchtest den Ewigen,- deinen Gott, in allen seinenWegen
-wandelst, und ihn liebest, und dem Ewigen,- deinem Gotte/ dienest
mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele"
-werden hier ■ zweifellos objektive Lehrsätze gegeben, wie an^unzäh-
ligen andern Stellen- die zum allgemeinen - und - speciellen Aus¬
bau der Religion unentbehrlich und von ^außerordentlichem Werthe,
aber nicht so fundamental find, wie -die von uns: oben- 'ange¬
führten und zusammengestellten. . - . . .
Das Bedürfniß, welches wir -am Anfang 'dieses Aufsatzes
als von unserer Zeit gebeben bezeichnet haben^ nicht etwa Glau¬
bensartikel zu formuliren, und sie als-bindend aufzustellen; wohl
aber autoritative Lehrsätze hervorzuheben, -welche, das-Wesens un¬
serer Religion für den Bekenner derselben und den- -Forscher
überhaupt, sowie für den Gegner sofort in's Licht stellen«--und
definiren, dieses Bedürfniß ist wohl durch die obige-Zusammen¬
stellung objectiver Bekenntyißsprüche, wie sie- die «heilige Schrift
selbst als solche darbietet, auf die einfachste-«Weise befriedigt.
Fragst Du, oder fragt Dich Jemand : welche sind ,die Grund¬
lehren des« Judenthums? so brauchst Du nur auf diese Be-
kenntnißsprüche zu blicken oder zu verweisen, um die volle « Ant¬
wort zu haben. - Sie geben zugleich klar zu erkennen, -in wie
weit das Judenthum Gegensatz zum Pantheismus und Poly¬
theismus und in wie weit es von anderen Religionen-und reli¬
giösen Erscheinungen unterschieden und geschieden ist.
Literarischer Wochenbericht.
Bonn, 20. October. Biblische Geschichte für die Dber-
«ilaffen der israelitischen Volksschulen. Bearbeitet von Dr. E/Häff,
Rabbiner ff. in .Preßnitz. II. Theil. Wien 1-875. :Hölder.