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zuließ*), deutet auf diese Vereinfachung hin. Von grö¬
ßerer Wirksamkeit aber war es in dieser Beziehung, daß
in dem ganzen, 470 lDMeilen großen Lande und für
eine Nation von ungefähr 3—7 Millionen (in den ver¬
schiedenen Zeiträumen) nur ein Heiligthum und sonst
kein anderer Tempel, kein Altar, keine heilige Stätte
existiren sollte. Denke man, wie alle anderen Länder
von zahllosen Tempeln und Altären bedeckt waren, in
großen und kleinen Städten, in Flecken und Dörfern ge¬
opfert wurde, ja, gewifle Geschlechter und Familien ihre
eigenen Altäre und Opferritus hatten, so sieht man ein,
daß der mosaische Opfercultns auf das geringste Maß
reducirt war und nur durch die Ausführung der Vor¬
schrift, daß alle Männer drei Mal im Jahre nach dem
Heiligthume wallfahrten sollten, einer Vorschrift, welche
der Natur der Verhältnisse nach stets nur theilweise er¬
füllt werden konnte, im Bewußtsein des Volkes sich er¬
hielt. Um so interessanter ist es, einmal zusammenzu¬
zählen, wie groß die Zahl der vorgeschriebenen Opfer
das Jahr hindurch war, wobei eben nicht übersehen
werden darf, daß sie für die ganze Nation dargebracht
wurden.
Zuerst an den hohen Festen. An den 7 Tagen des
Peßach täglich 2 Stiere, l Widder, 7 Lämmer und 1
Ziegenbock, also zusammen >4 Stiere, 7 Widder, 49 Läm¬
mer und 7 Ziegenböcke. — Am Schabuoth (1 Tag)
2 Stiere, 1 Widder, 7 Lämmer, 1 Ziegenbock. — Am
Drommetenfest (1 Tag) 1 Stier, 1 Widder, 7 Läm¬
mer, l Ziegenbock. — Am Versöhnungstage I Stier,
I Widder, 7 Lämmer, l Ziegenbock. Dazu für Prie¬
ster und Heiligthum l Stier und 1 Widder und für
das Volk > Widder und 2 Ziegenböcke. — Am Suc-
coth am ersten Tage 13 Stiere, am 2. 12, am 3. I I,
am 1. io, am 5. 9, am 6. 8, am 7. 7 Stiere, dazu
jeden Tag 2 Widder, 14 Lämmer, 1 Ziegenbock, zu¬
sammen also 70 Stiere, 14 Widder, 98 Lämmer und 7
Ziegenböcke. — Am Schmini-Azereth 1 Stier, 1 Wid¬
der, 7 Lämmer und I Ziegenbock. Ehe wir weiter ge¬
hen, sei hier darauf aufmerksam gemacht, wie in allen
diesen Zahlen der Festopfer die Zahl 7 vorherrscht, wie
die Zahl der Festtage selbst 7 war. Am deutlichsten
tritt dies gerade am Succoth hervor, wo um am 7.
Tage 7 Stiere zu haben, am 1. Tage 13 geopfert wer¬
mischen Kaisern verboten. Die Zahl der Opferthiere war sehr
groß, wie schon der griechische Name Hetakombe andeutet, die
aus 100 Opferthieren aus einmal bestand; in Rom fanden bis¬
weilen Opfer von 300 Stieren Statt.
*) Zu den unblutigen Opfern wurde nach dem mosaischen
Gesetz nur Getreide (Mais als Mehl und zwar feinstes gerei¬
nigtes Weizenmehl), Oel, Salz, Weihrauch und Wein gebraucht;
ausgeschlossen waren besonders Honig und Sauerteig, wiederum
ein Gegensatz zum Heidenthume, wo Honig eine sehr große Rolle
bei den Opfern spielte.
den sollten, so daß die Gesammtzahl der an diesem Feste
geopferten Stiere 70 wurde. — An sämmtlichen hohen
Festtagen wurden demnach 90. Stiere, 27 Widder, 175
Lämmer und 20 Ziegenböcke (eigentlich nur 19, der 20.
„zum Asasel" szum völligen Hinwegschaffenj wurde in
die Wüste geschickt» geopfert.
Will man nun die Opfer an den Neumonden, Sab-
bathen und Tagen des Jahres zusammenrechnen, so kommt
die Frage nach der Zahl dieser Zeitmesser herein. Sicher
ist, daß die Monate nach dem Umlauf des Mondes ge¬
zählt wurden; aber ebenso fest ist es, daß am Tage nach
dem ersten Pessachtage das erste Getreide der Erndte
dargebracht werden mußte, und daß dieses Pessach am
15. des l. Monats gefeiert wurde; ebenso war das
Succoth Erndtedankfest. Offenbar mußte also das Mond¬
jahr mit dem Sonnenjahr in Uebereinstimmung gebracht
werden, weil sonst diese Feste öfter ganz außerhalb der
Erndtezeit rücken mußten. Im Pentateuch wird von
einem Schaltmonat nicht gesprochen, aber ebensowenig
ist eine Spur gegen einen solchen. Ohne uns daher
weiter in diese Streitfrage hier einzulassen, genügt es
zu unserem Zwecke, die Zahl der Tage und Sabbathe
nach dem Sonnenjahr als durchschnittlich anzunehmen,
da, wie gesagt, das Mondjahr immer wieder mit dein
Sonnenjahr ausgeglichen werden mußte. An jedem Neu-
mond wurden wie ain Peffach und Schabuoth 2 Stiere,
I Widder, 7 Lämmer und 1 Ziegenbock geopfert. Die
Einsetzung von resp. 2 Neumondstagen ist späteren Ur¬
sprungs. Wir haben also an 12 Neumonden 24 Stiere,
12 Widder, 84 Lämmer und >2 Ziegenböcke; in einein
Schaltjahre 26 Stiere, 13 Widder, 91 Lämmer und
13 Ziegenböcke. An jedem Sabbath wurden als Sab-
bathopfer 2 Lämmer dargebracht, was auf 52 Sabbathe
104 Lämmer machen würde. Ebenso wurden täglich 2
Lämmer dargebracht, was auf 365 Tage 730 Läm¬
mer ausmacht. Für das ganze Jahr erhalten wir
demnach 114 Stiere, 39 Widder, 1093 Lämmer und
32 Ziegenböcke; in einein Schaltjahre würden 116 Stiere,
40 Widder, 2000 Lämmer und 33 Ziegenböcke heraus¬
kommen. Wir machen noch darauf aufmerksam, daß die
Tages- und Jahresopfer nur in Lämmern bestanden,
während Stiere, Widder und Ziegenböcke für die Fest¬
tage und Neumonde aufbehalten waren. Für eine so
große Völkerschaft waren dies sicherlich sehr bescheidene
Zahlen.
Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld.
Verantwortlicher Redakteur Br. H. Lotze.