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Rußland.
* St. Petersburg, 24. August. Ueber den Stand der Juden -
frage wird der „Politischen Correspondenz" von einem nicht ständigen
Korrespondenten geschrieben: Die Nachrichten über eine bevorstehende
Verschärfung der Gesetze betreffend die Rechte der Juden in Rußland
haben nicht verfehlt, durch den bedeutenden Eindruck, den sie an !
manchen Orten gemacht, durch die Manifestationen, die sie im !
englischen Parlamente und im Senate zu Washington hervorgerufen i
haben, auch hier großes Aufsehen zu erregen. Für die mit dem Stande -
der Gesetzgebung betreffs der Juden vertrauten Kreise in St. Petersburg !
mar es vom Anfang an klar, daß die Nachrichten der „Times" zum s
größten Theile zum Mindesten auf starken Uebertreibungen beruhen. !
Man wußte speziell, daß die härteste der von der „Times" angeführten ;
Bestimmungen, nämlich jene, welcher zufolge Juden in ganz Rußland, j
das Königreich Polen inbegriffen, nur noch in Städten wohnen und !
weder Landgüter besitzen, noch pachten dürfen, thatsächlich nicht existirt !
and auch nicht in Vorschlag gebracht ist. Allerdings war in der letzten !
Seit vielfach die Rede von gewissen provisorischen Administrativ-Ver- !
ügungen zum Judengesetze von 1882. welche nicht anders denn als eine !
Verschärfung der bestehenden Judenvorschriften anzusehen wären. Durch -
diese provisorischen Verfügungen sollte der jüdische Besitz an Grund und j
Boden, namentlich in Russisch-Polen, bedeutend restringirt werden. Nur !
u denjenigen Städten und Distrikten, tu welchen Juden seit langer I
Seit Grundbesitz haben, sollte ihnen dies Recht gewahrt bleiben. Solche !
provisorischen Verfügungen sind aber, wie auf Grund ganz authentischer I
Informationen versichert werden kann, thatsächlich nicht erlassen worden, j
Sn Regierungskreisen beginnt man allmälig der ökonomisch schädlichen !
folgen der im Jahre 1882 von Jgnatiew erlassenen Judengesetze sich
dewuvt zu werden. Damals waren viele Tausende von wohlhabenden
russischen Juden nach Amerika ausgewandert. Nach wenigen Jahren
v ub dieselben, nur von allen Mitteln entblößt, wieder in Rußland auf-
etaucht. Das Uebel, das man 311 unterdrücken glaubte, ist also nur
vergrößert worden. Der Finanzniinister, der auf die Stimmung der :
Börsen von London, Berlin und Paris Rücksicht zu nehmen hat, ist !
hon aus Interesse für sein Ressort gegen jede Verschärfung der Juden- !
Betze. Dem Ministerkomitee sind, wie schon erwähnt, keinerlei neue ?
Vorschläge auf diesem Gebiete gemacht worden. Allerdings wurden in
Vagster Zeit von einzelnen Gouverneuren Verordnungen erlassen, in
welchen die stritte Handhabung der bestehenden Judengesetze den Unter-
Behörden eingeschärst wird, und der Schluß liegt nahe genug, daß der
Minister des Innern durch Instruktionen, die er im eigenen Wirkungs¬
kreise erlassen, den Impuls zu derartigen Verordnungen gegeben habe,
'lach dem „Grashdanin" soll in St. Petersburg selbst eine genaue Re¬
vision der Legitimationspapiere aller hier wohnenden Juden angeordnet
worden sein, um die Residenz von jüdischen Elementen, die nicht die
Berechtigung zu bleibendem Aufenthalte daselbst besitzen, frei zu halten.
Sie Praxis zeigt sonach, daß die alten, den Wohnsitz der Juden auf :
Ve westlichen Gouvernements beschränkenden Gesetze, die bisher ziemlich
nachsichtig gehandhabt wurden, nunmehr in strenger Weise zur An¬
wendung gelangen. Neuer und verschärfender Judengesetze bedarf es j
H'ntcr diesen Verhältnissen gar nicht. Die Verwaltung besitzt in den be- !
"Vienden Ukasen ein ganzes Arsenal von Waffen zur Drangsalirung der ;
Buden, von dem sie jederzeit Gebrauch machen kann. — Im „Journal des i
Döbats" veröffentlicht Leroy-V eaulieu, der bekannte Kenner russischer
Verhältnisse, einen längeren Artikel über die Judenfrage in Rußland,
l' r geht von dem Standpunkte aus, daß die Regierung zwar keine neuen |
Beschränkungen beabsichtige, sondern nur die alten, die Alexander II.
Vlmälig außer Gebrauch hatte treten lassen, wieder in Kraft setzen
Volle. Aber auch dies wäre bezüglich der Folgen, führt er aus, ein
Vuiz neues Regime. Es Hütte nämlich die Wirkung, eine Million -
Buden, die Dank der Toleranz Alexanders II. im Innern des Reiches
in den Hafenstädten wohnen und friedlich ihren Geschäften nach- !
vehen durften, nach dem Westen in eine Art großen Ghettos zusammen- !
Uldrängen, in die Städte Lithauens und Kleinrußlands, wo sie eine !
gleich große Anzahl ihrer Glaubensgenossen treffen würden, die vom j
Bande in die Städte getrieben werden. Die Schlußsätze des ohne Leiden- !
chaft und für Rußland wohlwollenden Artikels lautet: „Vier bis fünf !
Millionen Juden ist viel, selbst für ein Reich von 120 Millionen Seelen, j
Aber ist es eine kluge Politik, diese Millionen Semiten, die man weder !
verbrennen noch wie einst in Spanien verschiffen kann, sich zu Feinden
zu machen und ihre Abneigung in den Westprovinzen den Widerstand
des deutschen und des polnischen Elements verstärken zn lassen? Ist es
vorsichtig, sie in geschlossenen Massen in den am wenigsten russischen
Gegenden des Reichs, an der Grenze rivalisirender Reiche und in der
Nähe der Hauptmächte des Dreibunds anzuhäufen? Die Freunde Ru߬
lands dürfen sich diese Frage vorlegen." Vielleicht macht diese Frage
eines französischen „Freundes" einigen Eindruck in St. Petersburg. —
Das russische Jndenedikt taucht übrigens von Neuem am politischen
Horizonte auf. „Der Vertreter der Daily News in Odessa erfährt aus
„zuverlässigster Quelle", das Edikt gegen die Juden werde ungeachtet
des Protestes der westlichen Presse im Laufe des Monats Oktober
erlassen werden. In einem Anhänge zu dem Edikt werde jedoch
versucht werden, die Strenge der Unterdrückungsmaßregeln zu recht-
fertigen. Jndeß liegen auch heute Nachrichten vor, welche dieser
I n f 0 rm at i 0 n wider s p r e ch e n. Eine baldige authentische Auf¬
klärung erscheint dringend geboten!
Rumänien.
<E Bukarest, 20. August. Die eigenthümlichen Politischen Ver¬
hältnisse unserer Nachbarländer bieten unserer Polizei eine neue Ge¬
legenheit, ihr Müthchen an den Juden 31 t kühlen. Hier in Bukarest
sollen sich zahlreiche russische Spione aufhalten, welche, so erzählt
man, gegen Bulgarien k 0 n s p i ri r e u. Die Regierung hat ihre
Ausweisung angeordnet, und die Polizei benutzt diesen Anlaß, um in
die Wohnstätten von russischen Juden einzndringen, welche hier in
friedlicher Absicht seit Jahren wohnen und sich nie um Politik bekümmert
haben. Dieselben sind aus der Hauptstadt, zum Theil auch aus dem
Lande gewiesen worden. Eine Beschwerde, welche angesehene Juden
beim Polizeipräsekten vorbrachten, blieb fruchtlos, da Herr Algiu erklärte,
auf Befehl des Ministers zu handeln. Letzterer ist aber verreist, sodaß
weitere Schritte nutzlos sind. Auf diese Weise sind zahlreiche Israeliten,
nachdem sie unschuldig in den rumänischen Polizeigefängnissen moralisch
und physisch gemartert worden sind, aus dem Lande vertrieben und
laufen Gefahr, da ihnen auch das Vaterland den Aufenthalt und die
Erwerbsthätigkeit erschwert, mit Frauen und Kindern dem Hungertode
zu verfallen.
* Bukarest, 28. August. Es ist nun klar, daß die derzeit am Ruder
befindliche konservative Partei nicht hält, was sie versprochen,
als ihre Anhänger sich noch in der Opposition befanden. Sie ist gegen
die Juden nicht freundlicher gesinnt, als die frühere sogenannte liberale
Negierung, im Gegentheil, sie steht den Bekenneru des mosaischen
Glaubens feindlicher gegenüber. Diese traurige Thatsache können wir
durch eine Reihe unzweideutiger Beweise erhärten, doch wollen wir uns,
um nicht zu viel Raum in Anspruch zu nehmen, auf die Wiedergabe
dessen beschränken, was hierzulande allgemein bekannt ist. Vorerst
haben wir den Eid More Judaico, welch eit die gesetzgebende Körperschaft
über Anregung des Justizministers Theodor Rosetti den Juden auf¬
getragen hat. In Anbetracht dieser Maßregel, welche ebenso willkürlich
als barbarisch ist. wurde in Jassy ein großer Skandal hervorgerufen.
Das Faktum ist Folgendes: „In einer Civilsache vor der dritten Kammer
in Jassy verordnete der Richter, Herr Fetz habe in der Synagoge den
Eid More Judaico zu leisten mit all der rohen Ceremonie, welche im
Mittelalter mit diesem Verfahren verbunden war. Dazu schrieb der
Präsident des Gerichtshofes an den Rabbiner Herrn F. Taubes, er¬
hübe diesen kläglichen Vorgang zu leiten. Der Rabbiner weigerte sich,
diesem Aufträge nachzukommen mit der Motivirung, daß diese Eides¬
form durch das Gesetz Moses' nicht vorgeschrieben sei. Hierauf ver-
urtheilte die Kammer den Rabbiner zu einer Strafe von 300 Francs
und Herr Longhinescu, ein Beamter des Gerichts, drang gewaltsam
in die Synagoge, öffnete die heilige Lade und nahm eine Gesetzesrolle
heraus, worauf er selbst die Ceremonie vollzog nach dem Wortlaute
eines alten Textes, den er sich mit Hilfe eines katholischen Priesters
verschafft haben soll. Was sollen wir zu einem derart rohen Gewalt¬
akt sagen, verbunden mit der schamlosen Entweihung unseres Tempels,
unseres heiligen Gesetzes und alles dessen, was uns mit größter Ehr¬
furcht erfüllt? Herr Bratiano, den man als den modernen Haman
betrachtete, war sicherlich nicht so tyrannisch wie Herr Rosetti. Rabbiner
Taubes appellirte gegen den über ihn verhängten Beschluß, und er
führte seine Vertheidigung mit vielem Geschick und mit gewichtigen
Argumenten, aber seine Berufung wurde zurückgewiesen und das Urtheil
erster Instanz bestätigt. Höchstwahrscheinlich wird er jetzt die Ent¬
scheidung des Kassationshofes anrnfen, die auf alle Fälle bindend sein