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folgendes Cirkular des Kriegsmiinsters:
Auf Grund des Artikels 13 des Paß-Usia>ves, Fortsetzung vom
Jahre 1893, wird den Hebräern die Ansiedelung und der ständige Auf¬
enthalt in dem Don-, Kuban- und Ter-Gebiet verboten. In Folge
dessen können Hebräer diese Gebiete nur vorübergehend für bestimmte
Fristen besuchen und zwar nur in Fällen, die in den Artikeln 187, 159
und 161 des Paß-Ustawes genannt stnd. In diesen Artikeln findet sich
keine Bestimmung, daß Hebräer das Recht haben, aus den Wohnorten
ihres Ansiedelungsrayons in die übrigen Gegenden des Reiches zur Kur
zu reisen. Nach den geltenden Gesetzesbestimmungen über Hebräer
können dieselben zur Kur in Kliniken und durch Mineralwasser nur nach
Kiew reisen. Indessen fahren die Hebräer nach dem Bericht der kauka¬
sischen Obrigkeit fort, zur Kur nach den kaukasischen Mineralwassern zu
kommen. Angesichts dessen und in Erwägung ziehend, daß außer der
Gruppe der kaukasischen Mineralwasser (Pjätiporsk, Shelesnowodsk,
Essentuki, Kisslowodsk) sich auch im Ter-Gebiet in vielen Gegenden
Mineralquellen befinden und ebenso auch im Don- und im Kuban-Gebiet,
halte ich für nöthig, zur Vermeidung von Mißverständnissen über das
Recht der Hebräer, nach den erwähnten Gegenden zur Kur zu reisen,
der Obrigkeit der kaukasischen Kosakentruppen und des Donschen Heeres
zur Richtschnur kund zu thun, daß nach dem Gesetz den Hebräern die
Reise nach dem Don-, Kuban- und Ter-Gebiet sowohl zur Benutzung
der Mineralwasser als auch überhaupt zur Heilung von Krankheiten
verboten ist.
Krank werden also dürfen die Hebräer auch in Rußland, heilen
aber dürfen sie sich nicht außer in Kiew, das überhaupt über keine
heilkräftigen Mineralquellen verfiigt. In Livland ist der dortige
Gouverneur schon vor längerer Zeit in dieser Richtung vorgegangen,
indem er die Benutzung der heilkräftigen Kammeruschen Schwefel¬
und Moorbäder den Juden verboten hat.
Ber Antisemitismus vor Gericht.
Vo» Rechtsanwalt Dr. Eugen Fuchs.
ei der Besprechung des jüngst von dem Reichsgericht ent¬
schiedenen Talmudprozesses haben Sie die Frage auf¬
geworfen, ob nunmehr überhaupt noch der Versuch gemacht
werden soll, die Hilfe der Gerichte gegen unsere Angreifer zu suchen.
Aus einer fünfzehnjährigen Erfahrung heraus hat einer unserer
berufensten Gewährsmänner, Herr Kollege Emil Lehmann zu Dresden,
die Frage mit einem „Rein" beantworten zu müssen geglaubt.
Nicht unwillkommen ist mir deshalb gerade jetzt die Bitte
gekommen, mich gleichfalls zu diese:» Punkte zu äußern. Kann
ich auch nicht auf eine gleich lange oder auch nur annähernd gleiche
Thütigkeit in diesen Fragen zurnckblicken, reicht meine Erfahrung auch
nicht weiter, als das Wirken des Centralvereins deutscher Staats-
biirger jüdischen Glaubens reicht, so möchte ich doch »m der Sache
selber wegen meine abweichende Auffassung nicht zurückdrängen und
jenes Votum nicht unwidersprochen in die Welt gehen lassen.
So gewichtig die Stimme ist, welche Erfolg und Erfahrung in
politicis für sich in Anspruch nehmen darf — ob man resigniren
oder weiter kämpfen soll, ob man aus dem Mißerfolg nur das
Signal zum Rückzug oder die Fanfare zum erneuten Angriff heraus¬
hört, ist so sehr Sache des Temperaments und der gesammten
Lebensauffassung, daß mein hochgeschätzter Herr Kollege es mir gewiß
am allerwenigsten verargen wird, wenn ich feinem resignirten „Halt"
ein hoffendes „Vorwärts" entgegenrufe.
In einem Punkt weiß ich mich völlig mit ihm eins: Wen» er
heut wie vor 15 Jahren zur Vorsicht mit Strafanträgen mahnt,
so unterschreibe ich diesen Warnungsruf uneiiigeschrünkt. Nicht immer
und überall, wo die Empfindlichkeit des einzelnen Juden oder einer
größeren Mehrheit verletzt wird, nicht bei jedem Hundegekläff und
Mückenstich soll nach Strafrichter und Polizei gerufen werden; der
großen Mehrzahl antisemitischer Angriffe geschieht eine »»verdiente
Würdigung, wenn man sie der Vergeffenheit entreißt.
Aber schon in dem Rechtsschutzbericht des Centralvereins
deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens vom August 1894 haben
wir eine Scheidung der Fälle vorzunehmen versucht, und insbesondere
auf jene Spezies von Füllen der Religionsbeschimpfung und der
Aufreizung zum Klassenhaß verwiesen, wo ohne Rücksicht auf den
Erfolg der Kampf fort und fort geführt werden niuß, weil Ehre
und Selbsterhaltung den Kampf aufzwiugen und große ideale
Güter nicht blos des Judenthums sondern des Gesamintvaterlandes
in Frage stehen. Lassen Sie mich in Kürze wiederholen, was ich
dort gesagt habe: „Wenn nicht blos Herr Cohn oder Herr Levy
beleidigt wird, wenn die Juden, wenn alle Jude» „ohne Aus¬
nahme" als Raubthiere und Betrüger gebraudmarkt, wenn das
Koluidregebet als Sanktionirung des Meineides bezeichnet, der
Talmud als Quelle aller Verbrechen und als Statut einer Räuber-
gesellschaft verhöhnt, wenn die staatlich anerkannte Religions¬
gesellschaft der Juden zu „einer international verschworenen Betrüger¬
gesellschaft" gestempelt, wenn der Jude als Jener gezeichnet
wird, der mit dem Schächtmesser in der Hand durch das ganze
Land ziehe, begleitet von Kindern, die dem jüdischen Blutglauben,
von Mädchen, die der jüdischen Sinneulust zum Opfer sielen —
sollen wir auch dann noch Vorsicht üben, schweigen und schweigen,
dulden und dulden, damit wir nur ja nicht einen Mißerfolg bei
Staatsanwälten oder Gerichten erleben." —
Die Bewegung ist heut anders, als sie vor zehn, fünfzehn Jahren
war. Im Anfang war das Wort! Das Wort der Verhöhnung und
Abweisung für den sich auf- und vordringendeu Juden, den
Parvenü, der sich überall in der Justiz, dem Erwerbsleben so »»an¬
genehm fühlbar mache. Da konnte man dem Juden rathen, durch ruhige
Zurückhaltung den Gegner zu entwaffnen. Aber aus dem Wort ist die
Thal, ans der Bewegung eine große soziale Frage, aus dem vereinzelten
Nadelstich der offene Angriff einer großen Partei geworden, die nicht
blos die idealen Güter der Gesannntheit bedroht, sondern durch
Art und Weise der Kampfesmittel, durch demagogische und an¬
archistische Machinationen die Ehre, die Freiheit und das Leben jedes
Einzelnen gefährdet. Soll man auch da immer »och Vorsicht und
Geduld predigen, soll man die Jude» auf die Zeit vertröste», da die
soziale Frage gelöst sein wird, und soll man in der Zwischenzeit die
Hände in den Schooß legen, weil im günstigsten Fall eine winzige
Geldstrafe, in der Mehrzahl der Fälle eine Freisprechung der Uebel-
thäter erfolgt? Soll man die Flugblätter ruhig gewähren lassen,
welche den Fanatismus der Massen erwecken und schüren, und die
immer und immer wieder dem Volke einzuceden suchen, daß die
Inden von religionswegen Meineide leisten, Nahrnngsmiitel fälschen
und Christenkiuder schlachten? Ist es zu wundern, daß, wenn diese
Beschuldigungen immer und immer wieder erhoben werden und
keine Hand und Stimme sich dagegen rührt, dann das Volk diese
Märchen schließlich glaubt? Wehe dem Juden, der unter der An¬
klage dieses Verbrechens steht und Geschworene zu seinen Richtern
hat, denen systematisch das antisenütifche Gift jener Flugblätter ein-
geträufelt ist. Wer wird, wenn er an den Nenstettiner Synagogen-
brand, an die Verurtheilung des Schlächters Borck in Burgwaldnicl
und andere Fülle, die ich nicht näher bezeichnen mag, denkt, noch
rathen, man lasse die Flugblätter auf sich beruhen, weit das Reichs¬
gericht einmal erkannt hat, daß der Vorwurf, das Koluidregebet