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Herzens und in seinen sreud- und leidvollen Stimmungen ein Führer
feiii siollen,
Zn letzterem Punkte fei zunächst bemerkt, daß sich ein dichterischer
Ausdruck starker Empfindungen, die reine Lyrik, nicht zu einer
scharfen, prägnanten Ueberschrift zusammen fassen läßt. Sodann,
daß die Ueberschristen zu allgemein sind, so- daß ein Beter bei dem
verlangen nach einem Psalm, der dem augenblicklichen Empfinden
entspricht, unter Leitung der Ueberschristen mehrere aufschlagen
leiutk; auch sind sie vielfach recht geschmacklos. Einige dieser Ueber-
schriften mögen das belegen: 17. Ideales Streben. 26. Aus un¬
schuldiger Seele. 71. Jung und Alt mit Gott. 84. Hin zu Gott,
ss. Zu Tode kraut. 94. Gottes Stunde kommt. 96. Eine Welt,
c i n. Gott. 114. Gottbegeistert. 120. Ter böse Nachbar. 126. Weinen
und lachen. 129. Unüberwindlich. 58. Es lebt ein Gott, zu strafen
und zu rächen. 93. Stimme Gottes über den Wassern (das soll der In¬
halt dieses wundervollen Psalms fein). 95. Ter Mensch versuche Gott
nicht. 110. Ter König ries, und alle, alle kamen. 141. Wohl dem, der
frei von Schuld -und Fehle bewahrt die kindlich-reine Seele. 144. Vor¬
wärts mit Gott. 10. Tie Müden und die Herrenmenschen.
Und mm zur Uebersetzung: Tie Wahl der Uebersetzer der ein¬
zelnen Psalmen ist Sache des Geschmacks. Aeltere, namhafte Ueber-
setzer wurden bevorzugt: man wird mit den ungeänderten Ueber-
setzungen von Mendelssohn, Herder, Sachs, Stein, Satomon wohl
einverstanden sein. Auch Jüngere haben schöne Beiträge geliefert,
nur denken in erster Linie an 19 und 104 von Seligmann. Aber
daneben finden sich auch Psalmen, für die man leicht eine bessere
Uebersetzung hätte finden können; man lese Psalm IO mit der
Ueberschrift: Tie Müden und die Herrenmenschen. „Warum,
o Gott, stehst du so fern, verhüllst du deinen Blick in Zeiten der
Not? Gar weh tut's dem klei-neu Mann, wenn er der Frevler über¬
mütig Tun mit ansieht: wenn der nur zu- Fall käme durch die eigene
Hinterlist! Dock) diese Geivaltsmenschen prahlen nach Lust; diese
Räüber wagen es, dich, Gott, zu lästern und zu höhnen. In ihrem
Hochmut fragen sie nichts nach dir. „Es gibt gar keinen Gott!" das
sind ihre Gedanken. Immer haben solche Menschen Glück" . . .
Ist das der Psalmstil, der „psalmenhaste Schwung"? Tie
Sprache ist prosaisch und zum Teil dem modernen Wortschätze ent¬
nommen: kleiner Mann — Gewaltmensch.
Noch eine Probe aus Nr. 119: „Rechtschaffen sei mein Herz in
deinen Rechten, auf daß ich nicht, beschämt, zähl' zu den Schlechten!
Ach, ein Wort von deinem Mund mein Blick ersehnt —
Wann wird mir der Trost, den ich gewähnt?
Ach, ich dorre, wie die Häute -in der Esse —
£, bedenke, daß ich deine Satzung nie vergesse!
Vollkommen nichts — nein, allerorten Schranke!
Unendlich weit ist nur deines Gebotes Gedanke."
Toch genug davon. Nt an ist geneigt nach solchen Leistungen mit
dem Propheten zu fragen: „Was soll das Stroh beim Korn?"
Zum Schluß noch eine Gegenüberstellung von ursprünglichen
Übersetzungen und abgeünderten:
115. Ter Himmel ist des Ewigen Himmel. — Vertraut sind Gott
allein die überirdischen Räume.
116. Wert gehalten vor dein Ewigen ist seiner Frommen Tod. ---
Teuer in den Augen des Ewigen ist ja den Frommen selbst der Tod.
118. Ich werde Lust an Feinden schauen. — Ruhig seh' ich s
Treiben meiner Gegner an.
Gott, der Ewige, läßt sein Antlitz leuchten. -- Stark ist Gott, es
leuchtet hell sein Licht.
18. Wie Gassen tot schütt' ich sie aus. — Wie den Schmiltz der
Straße zertrete ich sie.
Er laugt aus der Höhe, zieht mich aus mächtigem Gewässer. —-
Mir aber reicht er aus der Höhe die Hand, faßt mich, zieht mich
aus den mächtigsten Gewässern.
74. Im Herzen wähnen sie: wir unterdrücken alles, alle Stif¬
tungshäuser Gottes sind nun verbrannt im Laude. — Sie samt ihrer
Brut, sie dachten: Alle Bersaluni-lnngsorte Gottes sind nun. verbrannt
im Lande.
110. Bon dem Bach am Wege trinkt er. — Mehr als ein Bach
am Wege, aus dem man trinkt.
Tiefe Beispiele sollen zeigen, daß nicht alle Aenderungen auch
Be r be sser 11 n ge n st u d.
Auf die hebräische Gebetszugabe näher einzugehen, enthalten wir
uns im Hinblick auf die Zeitverhältnisse. Unsere jüngere Gene¬
ration kennt den Begriff DltfFPlMP — Aenderung des Namens bei
einem Kranken nicht mehr und soll ihn auch nicht kennen.
Nach alledem bleibt nur noch die Frage: Wozu? Philologe.
Mchereinlsuk.
Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in
keinem Falle statt.
Indisches Kriegsgedenkblatt. Heft 2. 1914/15. Preis 2 Kr. Im
Selbstverläge des Herausgebers Nt. Frühling, Redakteur, Wien II,
Taborstraße 8.
Kriegsbilder 1914/15. Nach Original-Kohle-, Feder-, Kreide- und
Blei-Künstlerzeichnungen und Photographien in Kupserhochdruck und
-tiefdruck. Kriegs-Jnvaliden-Hilfe. Berlags-Akt.-Ges., Berlin W 9.
1. Jahrgang. Preis 1 Mark.
Menschenliebe, Gerechtigkeit und Duldsamkeit als Grundpfeiler der
menschlichen Gesellschaft. Vier Preisarbeiten von Robert Richter,
August Messer, Pauk Eberhardt und Eugen Wolfsdorf. Preisgekrönt
von der Ntoritz-Ntannheimer-Stistung. der Großloge für Deutschland.
Verlag Friedrich Andreas Perthes A.-G., Gotha, 1915.
Die heilige Zeit. Des Weltkrieges erste Tage. Von Ernst August
Thüring. Leipzig 1915. Verlag von Hesse u. Becker.
Theater und Krieg. Von Heinrich Stümcke. Oldenburg und
Leipzig 1915. Verlag Schulzesche Hosbuchdruckerei und Verlags¬
buchhandlung (Rudolf Schwartz).
Friedrich und die große Koalition. Von Thomas Mann. Berlin
1915. Verlag S. Fischer.
Aus den Kämpfen um Lüttich. Bon einem Sanitätssoldaten.
Berlin 1915. Verlag S. Fischer.
Brauchen wir neue Anschauungen in Religion und Wissenschaft?
Bon Julius Wilms. Elbing 1915. Verlag von Peter Ackt.
Wiesbadener Volksbücher Nr. 177. Kriegslieder aus 1914/15, aus¬
gewählt von Leo Sternberg. Verlag des Volksbildungsvereins zu
Wiesbaden. Preis 25 Pf.
Völkerhaß und Menschenliebe. Vortrag, gehalten im Ausschuß für
Volksvorlesungen zu Frankfurt et. M. am 16. Mai 1915 von Dr. Eäsar
Seligmann. Preis 10 Pf. Im Kommissionsverlag der Buchhandlung
F. B. Auffahrt, Frankfurt a. M.
Jüdische Volksbücherei. Band 16 (Kriegsschriftenserie Nr. 1.) Im
Schatten des Weltkrieges. Jüdische Skizzen von S. Schachnowitz.
Herausgegeben durch die Jugendorganisation der „Agudas Jisroel".
Jüdischer Bolksfchristenverlag G. nt. b. H., Frankfurt a. Nt.
Jüdische Volksbücherei, Band 17. (Kriegsschriftenserie Nr. 2.) Im
Kriegslager. Bon S. Schachnowitz. Herausgegeben durch die Jugend¬
organisation der „Agudas Jisroel". Jüdischer Volksschriftenverlag
G. m. b. H., Frankfurt a. M.
Meyers Volksbücher Nr. 1689—1692. Ausgewählte Dichtungen von
Ehristian Friedrich Scherenberg. Herausgegeben von Heinrich Spiro.
Leipzig und Wien. Preis 40 Pf.
Die siebente Großmacht. Roman von Alfred Schirokauer. 5. Auf¬
lage. 1914. Oesterheld u. Co. Verlag, Berlin W 15.
Der deutsche Soldat vom Germanen bis zum Feldgrauen im
Spiegel der Zeitgenossen. 98 vor Christus bis 1914. Herausgegeben
von Max Krell. Mit 8 Illustrationen. Berlin, Erich Reiß, Verlag.
1915.
Haß. Der Roman eines Deutsch-Engländers mts dem Jahre 1950.
Bon Artur Landsberger. München und Berlin. Bei Georg Müller.
1915.
Der Kirchenhhmnus „Dies irae" und feine Beziehungen zu
hebräischen Bußgebeten. Bon Rabbiner Dr. Armand Kantinka.
Separatäbdrnck aus „Freie Jüdische Lehrerstimme", 4. Jahrgang,
Nr. 5 und 6. Wien 1915. Im Selbstverläge des Bersassers.
Aspects of the Bible. By H. G. Enelow. Louisville 1911.
The Jewish Life. A Series of Sermons. By Rabbi H. G. Enelow,
D. D. Tlie Bloch Publishing Company, New York 1915.
Rudolf Presber. Der Tag der Deutschen. Kriegsgedichte. Neunte
Auflage. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart und Berlin. 1915.
The President’s Address to the Central Conference of American
Rabbis. At the Twenty-Sixth Convention, Charlevoix, Mich.,
June 29, 1915. By Rabbi Moses J. Gries of Cleveland, Ohio. 1915.
Dreizehnter Geschäftsbericht (1914) des Hilfsvereins der deutschen
Juden, erstattet der Generalversammlung am 30. Mar 1915. Ber¬
lin 1915.