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Zeitung des Zudenthums.
Ein
unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse.
(Mit Kotügl. Sächsischer allergnädigster Conceffion.)
Leipzig, den 28. April 1838.
Zeitungsnachrichten.
Dresden, 7. April. Durch das Streben der Gemein¬
deverwaltung wird der Bau eines gemeinschaftlichen israeli¬
tischen Bethauses nun zu Stande kommen. Der Bau die¬
ses Tempels, der in die Nahe der brühl'schen Terrasse zu
stehen kommt, wird gegen Johanni begonnen werden. Der
großen Summe nach, welche die israelitische Gemeinde dazu
bestimmte, darf man erwarten, daß die neue Synagoge eine
Zierde dieses Stadttheiles werden wird.
Hamburg, 15. April (Eingesandt.). In No. 20. d.
Bt. S. 160 oben hat sich ein sinnentstellender Fehler
erngeschlichen, den ich um so mehr zu berichtigen bitte, als
es meine Ansicht über einen hochwichtigen Gegenstand durch¬
aus entstellt. Es heißt nemlich daselbst:
so wollen auch wir uns offen erklären, ob wir das Ju¬
denthum hier verewigen, oder ein neues —gründen wollen.
statt:
so wollen auch wir uns offen erklären, ob wir das
alte Judenthum hier verewigen, oder ein neues, dem
Stande der heutigen Bildung angemessenes, wie es in
der Ausübung schon besteht, gründen wollen.
M. Jsler, Dr.
Stuttgart, 8. April (Privatmitth.). Meinem Ver¬
sprechen gemäß mache ich Ihnen folgende Mittheilung über
die am 20. v. M. und den folgenden Tagen in Stuttgart
vocgenommene zweite Rabbinen-Dienstprüfung. Nach der
von dem k. Ministerium des Innern und des Kirchen- und
Schulwesens, unterm 31. Jan. 1834, zur Einrichtung der
in dem Gesetze vom 25. April 1828, Art. 52. vorgeschrie¬
benen Prüfung der Rabbinats-Candidaten, in Gemäßheit
höchster Entschließung erlassenen Verfügung, wird nemlich
zur Anstellung als Rabbine, wie jedes andern Staatsdieners,
die vorgängige Erstehung zweier Dienstprüsungen erfordert.
Die erste Dienstprüfung wird von einer in Tübingen be¬
stehenden, dem Ministerium d. I. unmittelbar untergeordne¬
ten Commission vorgenommen, welche aus einem Professor
der evangelisch-theologischen Facultat, einem Professor der
katholisch-theologischen Fakultät, vier Professoren der philo¬
sophischen Facultat, und dem theologischen Mitglieds der ist.
Oberkirchenbehörde besteht. Die Leitung der Geschäfte steht
dem, nach dem Dienstalter, ältesten der in der Commission
befindlichen ordentlichen Universitäts-Professoren als Commis¬
sions-Vorstand zu. Für die Zulassung zu dieser Prüfung ist
erforderlich, daß der Candidat sich über den Besitz des Bür¬
ger- oder Beisitzrechts einer inländischen Gemeinde ausweise;
die mosaische Theologie sowol die allgemeine, als die besondern
theol. Vorbereitungs-Wissenschaften, und zwar die beiden letztem
auf einer Universität in einem wenigstens dreijährigen Curse
nach erstandener Vorprüfung, studirt habe, und vorzüglich daß
er nicht nur über seine sittliche Aufführung wahrend des akade¬
mischen Studienlaufs ein Zeugniß der zuständigen Universt-
tätsbehörde, sondern auch über sein'sonstiges Prädikat ein
Zeugniß des seinem Wohnorte Vorgesetzten Bezirksamts vor¬
lege. Die Gesuche um Zulassung zur Prüfung sind, mit
den vorgeschriebenen Beweisen und Zeugnissen belegt, bei der
israelitischen Oberkicchenbehörde einzureichen, welche über die
Zulassung der inländischen Candidaten erkennt, in Ansehung
ausländischer Candidaten die Entscheidung des Ministeriums
einholt, und mit der k. Prüfungs-Commission zum Behufs
der Anberaumung des Prüfungstermins periodisch die erfor¬
derliche Rücksprache nimmt. Rach Festsetzung des Prüfungs-
termins werden dir zugelassenen Candidaten von der israel.
O.-K.-B. zur Erstehung der Prüfung vor die k. Prü¬
fungs-Commission vorgeladen. Die nicht zugelassenen Can¬
didaten werden von der O.-K.-B. unter Anführung des
Grunds der Ausschließung beschieden. Die Prüfung um¬
faßt die einzelnen Zweige der mosaischen Theologie und die
Vorbereitungswissenschaften für dieselbe, sowie die hauptsäch¬
licheren Zweige einer allgemeineren wissenschaftlichen Bildung.
Gegenstände der Prüfung sind daher: I) alttestamentliche
Exegese und Einleitung ins alte Testament; H) mosaische
Glaubenslehre und jüdische Dogmengeschichte; lü) Kenntniß
des Talmud und der israelitischen Ritualgesetze; IV) Päda¬
gogik und Didaktik; V) Religionsphitosophie, Moral, Psy¬
chologie, Logik; Vl) lateinische und griechische Philologie;
Vll) Geschichte in Verbindung mit Geographie und Stati¬
stik; VIII) Mathematik (Arithmetik und Geometrie) und
Physik. Auch sind Probe-Vorträge mit der Prüfung ver¬
bunden. Dieselbe wird theils schriftlich, theils mündlich vor¬
genommen. Die einzelnen Fragen werden bei den unter
Ziffer II und III. genannten Gegenständen von dem israeli¬
tisch-theologischen Mitglieds, bei den unter Ziffer 1 und IV
genannten Gegenständen von den beiden theologischen Pro¬
fessoren, und bei den übrigen Gegenständen (ZifferV—VIII)
von den Professoren der philosophischen Facultat gestellt. Die
Texte zu den Probe-Vorträgen werden abwechslungsweise
von einem der drei theologischen Commissions - Mitglieder