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»I°h-s--s. Allgemeine N». ss.
Zeitung -es Judcnthumg.
Ein
unparthensches Organ für alles jüdische Interesse
in Betreff von
Politik, Religion, Literatur, Geschichte, Dprachkrrnde und Belletristik.
(Mit Königl. Sächsischer allergnädigster Concession.)
Redacteur: Vertag von
Br. Ludwig Philippson, Baumgärtners Buchhandlung
israelitischer Prediger in Magdeburg. Leipzig.
Leipzig, den 1. Mai 1838.
Diese Zeitung erscheint wöchentlich 3 Mal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends, und wird jährlich 96 Dogen in Quart incl.
des Titels, - Registers u. s.w. umfassen. Zn Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äu¬
ßerst niedrig : mit 3 Thlr. für den Jahrgang — 1 Thlr. 12 Gr. für sechs Monate — 18 Gr. für das Vierteljahr angefetzt worden. Alle Buch¬
handlungen, Postämter und ZeitungSexpeditioNcn nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat^ sich die Königl. Sächs. wohllöbl.
Zeitung- - Expedition allhier unterzogen.
ZeitungsItachrichten.
Warschau, 26. Marz (Privatmitth. Verspätet).
Mit wahrem Vergnügen mache ich Ihnen die Anzeige, daß
die Zeitung des Judenthums auch hier von Tage zu Tage
mehr Eingang gewinnt, und bereits in den Händen Bieter
ist, -daß mit Begierde die verschiedenen Nachrichten, die
sie uns bringt, gelesen, die Fragen, die in derselben abgehan¬
delt, verfolgt werden. Daß dies auch hier glückliche Folgen
haben wird, ist uns bereits zur völligen Gewißheit.
Auch hier beginnt der Jude, der früher den bittersten
Haß seines Mitmenschen als natürliche Folge dcsGalutsder
Verbannung) ertrug, der mit abgehärtetem Gefühle die öffent¬
liche Schmähung seiner Religion und Eigenthümlichkeit ..ohne
Seufzer überstand, höhere und heiligere Pflichten zu erken¬
nen, heldenmüthig das, was ihm heilig, ist, zu verteidigen,
und sich den wärmenden Strahlen deutscher Bildung zu er¬
schließen. Und wol darf ich auf die Glaubhaftigkeit dieser
Bemerkung rechnen, wenn ich die Worte eines hiesigen Blat¬
tes (der poln.Morgenzeitung) anführe: „Auch der hie¬
sige Jude, der immer nur feinem Ich zu leben wußte, arbeitet
jetzt mit beispiellosem Elfer, Ehrbeförderer seiner Glaubens¬
brüder, und auf löblichste Weise dem Allgemeinen und dem
Staate ein nützliches Mitglied zu werden." — Besonders
zum Lobe muß. man es unserer heranreifenden Jugend nach¬
sagen: sie unternimmt regsam und strebsam Alles, zu dem
Geist und Herz berechtigt. Unerschrocken verharrt sie auf
der eingeschlagenen Bahn, wenn sie auch von Haß und Neid
rechts und links sich angefeindet sieht. — Am ehesten be¬
merkt man die Veränderung, die vor sich gegangen, an der
Wandlung der Landessprache -im Munde der israelitischen
Jugend. Der frühere Vorwurf, der Jude verrathe sich durch
seine Aussprache schon, ist langst beseitigt, und unsere Büh¬
ne besitzt bereits einen jüdischen Künstler, der die größte
Auszeichnung sich erwirbt. — Ich kann aber auch sagen,
daß die hiesigen Staatsmänner den Fortgang des Guten
unter den Israeliten wahrhaft fördern. Sie legen nicht nur
der religiösen und socialen Entwickelung des Judenthums
kein Hinderniß in den Weg, sondern befördern sie vielmehr
auf jegliche Weise. — Geht es nun auch im Allgemeinen
mit der Mesamrntheit langsamer, als der Freund der
Aufklärung es wünscht, so halte ich dies nicht für bekla-
genswerth, sondern für eine weise Fügung der Vorsehung,
die erst die Augen stärken will, ehe sie ihnen das volle 'Licht
öffnet. — S. G.s.
Warschau, 17. April. „Gestern hörte die hiesige is¬
raelitische Gemeinde zum ersten Mate eine Predigt in
deutscher Sprache, die von dem Candidaterr der Philo¬
sophie, Gotdschmidt, in der deutschen Synagoge gehalten
wurde. Man darf dies gewiß als einen Fortschritt ansehen,
von dem man sich einen günstigen Einfluß auf den sittli¬
chen Zustand der Juden in Polen versprechen bacf." —
Dies berichtet die Preußische Staatszeit. No. 111.,
und uns freut nicht allein der Umstand an sich, in Bezug
auf unsere Glaubensgenossen in Polen, sondern auch die
schöne Art, wie. die Pr. St. es berichtet.
Prag, 13. April (Privatmitth.). Die glückliche Cön-
stellation, unter der jetzt die Israeliten in Oesterreich le¬
ben, die allseitige Toleranz, die man ihnen gewahrt, kann
folgender Umstand beweisen, wenn er auch an sich von kei¬
ner Bedeutung ist. In einem unsrer Gymnasien, das einem
geistl» Orden, nemlich dem der Patres piarum scholarmn, an¬
gehört, lernen ungefähr 30 israelitischeJünglinge. Von diesen
wurden am Schlüsse dieses Semesters bei der öffentlichen
Prüfung sechs als zu den Vorzüglichsten aller Klaffen
gehörend verlesen. Dieses einfache Faktum möge ein Zeug-