Seite
n. z-hrgxms. Mkgememe N». S 4 .
Zeitung des Zudenthums.
Ein
unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse
^Mir König!. Sächsischer attergnädigsirr Conceflion ,
Leipzig, den 5. Mai 1838.
Darmstadt, 19. April (Eingesandt). Ich erlaube
mir, Ihnen anbei zwei Piecen zu schicken, die neulichst von
hier in dem Frankfurter Journal mitgetheilt wurden *), und
die in der Allg. Zeit. d. Jud. wiederzugeben, ich sie um be¬
stimmter Ursachen willen, dringend ersuchen möchte. Man
kann daraus wieder einmal so recht sehen, wie unsre offnen
und geheimen Gegner keine Veclaumdung scheuen,, um die
allgemeine Stimme zu verleiten, und die allgemeine Ach¬
tung, die unserm tüchtigen Streben nicht versagt werden
kann, zu untergraben. Es hieß zuerst in No. 76 aus dem
Schwäbischen Merkur:
„(Aus dem Großherzogthum Hessen, 11.März).
Es ist nicht unwahrscheinlich, daß auf dem nächst bevorste¬
henden Landtage wieder Verhandlungen in Betreff des bür¬
gerlichen' Zustandes der Juden gepflogen werden dürften.
Zwar besteht in der Residenz ein Verein für die Berbeffe-
rung -dieses Zustandes,, woran Personen jeden religiösen Glau¬
bens und mehre angesehene Staats-Beamte Theil nehmen.
Man will jedoch noch nicht viel Erfreuliches über die Re¬
sultate der Thätigkeit dieses Vereins wissen. So soll es
demselben bis jetzt noch nicht gelungen sein, jüdische Lehr¬
linge für die anstrengenden und schweren Gewerbe, als Bau¬
handwerke, Sa-miede u. s. w., zu finden. Sie. wenden .sich
vielmehr ausschließlich den leichteren Professionen, Schneider,
Schuster u. s. w. zu. Dagegen ist es Thatsache, daß in
der Provinz Rheinhessen ein den landwirthschaftlichen In¬
teressen sehr nachtheiligecKlein-und Einzelhandel mitGrund-
siücken von den dortigen Juden betrieben wird. Es erscheint
daher sehr wünschenswerth, baß auch auf jene Provinz die¬
jenigen gesetzlichen Bestimmungen angewendet werden möch¬
ten, die bereits seit tangerer Zeit in den übrigen Gebiets-
theiten des Großherzogthums in Kraft bestehen/' Darauf
erwiedert das Franks. Journal No. 99.
„(Darmstadt, 31. Marz. — Corresp.) Als Erwie¬
derung des in No.76 dieses Journals enthaltenen, aus dem
Schwäbischen Merkur entlehnten Artikels aus dem Großher¬
zogthum Hessen vom 11. d. M., die Verhältnisse der Israe¬
liten betr., 'mögen folgende Bemerkungen dienen. Auch wir
sind der Ansicht, daß die bürgerlichen Verhältnisse der Juden
auf dem nächsten Landtage zur Sprache kommen werden,
wir hoffen aber im Vertrauen auf die Weisheit und Gerech-
*) Sie waren unserer Aufmerksamkeit nicht entgangen, wir
fanden aber keine Veranlassung, sie aufzunehmen. Red.
tigkeit unserer Staatsregierung und der Stände des Groß-
Herzogtums, mit Zuversicht von den desfalsigen Debatten
ein günstiges, den Erwartungen jenes Correspondenten in kei¬
ner Art entsprechendes Resultat. Denn wir glauben, aus der
ganzen Fassung jenes Artikels mit Recht zu entnehmen, daß
er einer bekannten, höchst verwerflichen Taktik seine Entste¬
hung verdankt: dem Bemühen nemlich, jede den Juden gün¬
stige Meinung schon im Voraus zu erschüttern, wenn irgend
eine ständische Kammer sich mit den Verhältnissen dieser
Glaubensgenossen zu beschäftigen gedenkt. Aus welchem an¬
dern Grunde wol sollte der Verfasser jenes Artikels die Re¬
sultate der Thätigkeit des hiesigen Vereins zur Verbesserung
des Zustandes der Israeliten zu verdächtigen sich bemüht ha¬
ben, als weil ec hierdurch ein leitendes Motiv zur Beschrän¬
kung darzubieten gedachte? Dieser Verein ist ein Verein von
Privaten, und hat bis jetzt seit der kurzen Zeit seines Be¬
stehens und im Verhaltniß zu seinen Mitteln das Mögliche
geleistet. Schneller freilich würde sich der bürgerliche Zustand
der Israeliten entwickeln, wenn von Seiten des Staats die
hierzu erforderlichen Maßregeln ins Leben gerufen würden,
oder wenn man die Theinahme an dem Schicksale der Is¬
raeliten lieber durch Unterstützung jenes Vereines in seinem
mühevollen Wirken, durch Aufmunterung, durch Rath und
That, namentlich durch freiwillige Geldbeiträge, als mit
entmuthigendensZeitungsartikeln bethatigm wollte. — Wenn,
wie in jenem Artikel behauptet wird, die israelitischen Lehr¬
jünglinge, sich nur den leichteren Professionen, Schneider,
Schuhmacher u. s. w. mit Ausschluß der anstrengenden und
schweren Gewerbe, als Bauhandwerker, Schmiede u. s. w.
zuwenden, so können wir dem Correspondenten zu seiner Be¬
ruhigung versichern, daß dieses nicht ausschließlich, sondern
nur vorzugsweise geschieht und zwar hauptsächlich nur aus
dem Grunde, weit die israelitischen Lehrlinge bei diesen durch
Erziehung und Beschäftigung etwas derbem Handwerken
viel durch Rohheit und Intoleranz von Meistern, und vor¬
züglich von Gesellen zu dulden haben, und weil nach dem
Erttwicketungsgange der Menschen das Leichte in der Regel
dem Schweren vorangeht. Auch hat der israelitische Geselle
in der Fremde große Hindernisse zu überwinden, was wahr¬
haftig nicht zur Aufmunterung dienen kann. So dürfen
z. B. in manchen Ländern israelitische Handwerker gar
nicht als Gesellen arbesien, und israelitische Meister haben uns
eine traurige Schilderung von dem Kampfe gemacht, den sie
in der Fremde mit der Intoleranz zu bestehen hatten. —
Und liegt denn überhaupt in der Ergreifung schwererer Hand¬
werke ein größeres Beförderungsmittel zur Verbesserung des