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Correspondenzen, Auszüge, Repliken.
Mittheilungen über Dänemark.
(Aus dem zu Odensee 1837 erschienenen Werke des Kate-
cheten A. D. Cohen: De niosaiske Troesbekjenderes
Stilling i Damnaik).
Die Frage, wann und nach welchen Städten in Dänemark
die ersten Juden gekommen sind, ist nicht so leicht zu beantwor¬
ten. Während die Geschichte der Juden in Spanien- Frankreich,
Deutschland und andern Ländern bis zum 7. Jahrhundert hinauf¬
reicht und von vielen Historikern vollständig mitgetheilt wird,
schweigen die, unsrigen über die Juden fast gänzlich. Die erste
Verordnung über die Juden in den dänischen Staaten ist die vom
6. Februar 1651 für das eigentliche Dänemark, und die vom 1.
August 1641 für Holstein. Doch kann ich nicht mit Gewißheit
behaupten, daß, vor Erscheinen dieser Verordnungen keine Juden
dort gelebt haben. Vielmehr scheinen nach Jost B. 7. S. 102
schon im 11. Jahrhundert einige dort gewohnt zu haben, die viel¬
leicht unter Knud dem Großen, dem Beherrscher Englands, dahin
gekommen waren.
Indessen muß jedenfalls der Aufenthalt derselben von keiner
langen Dauer gewesen sein, 'da aus der erwähnten Verordnung
vom Jahre 1651, nach welcher kein Jude sich ohne Geleitsbrief
bei 1000 Thlr. Strafe in Dänemark finden lassen durfte, hervor-
geht, daß zu- jener Zeit keine Juden daselbst ansässig waren. Erst
im Jahre 1657 wurde es den portugiesischen Juden durch den
Einfluß des bei dem Könige Friedrich III. in großem Ansehen
stehenden Texeira de Matos aus Hamburg, gestattet sich über¬
all in des Königs Reichen niederzulassen und Handel und Gewerbe
zu treiben. In Holstein geschah dies noch früher. Zu Glücksstadt
besetzten sich bereits 1630 einige aus Spanien nach Holland ge¬
flüchtete jüdische Familien; 1611 erhielten die in Hamburg woh¬
nenden Portugiesen die Erlaubniß, in Altona ihren Gottesacker
anzulegen und mehre berfelOcn^ zogen einige Jahre darauf selbst
nach Altona, wo sie mit den übrigen Einwohnern gleiche Rechte
genossen. — In Dänemark war vermutblich Copenhagen die
erste Stadt, wo sie das Privilegium von 1651 benutzten, indem
schon 1684 ein Hofjuwelier Israel David dort genannt wird.
Nicht viel jünger scheint die Gemeinde zu Nakiko auf Laaland zu
sein, die einige ohne Grund für die älteste in Dänemark halten
wollen. Zunächst folgt Ripen, wo 1680 einige Familien gewohnt
haben, dann Friederrcia, deren Privilegium der freien Religions¬
übung für Bekenner jedes Glaubens 1700 von den ersten Juden
benutzt wurde. Zu derselben Zeit zogen einige Familien von Al¬
tona nach Rendsberg. Ueber die ersten Niederlassungen in den
Ranzauschen Städten Friederikstqdt und Elmshorn sind keine
Nachrichten (verbanden. Nach und snach bildeten sich in den
genannten 8 Städten Gemeinden..von mehren Familien, und es
lag bei ihren damaligen Verhältnissen gegen die Christen in der
Natur der Dinge, daß die spätern Ankömmlinge sich jenen an¬
schloffen, und eine dieser Städte zum Aufenthalt wählten, um
nach den Vorschriften und Ceremonien ihrer Religion leben zu
können. So finden wir erst gegen 1780 — nachdem viele Vor-
urtheile zerstört und liberalere Grundsätze verbreitet waren — ei¬
nige Familien in Nyborg, Mariboe und Hoelflngoer, und wenige
Jahre später auch in andern Städten des Reichs.
Die GemeindeCopenhagens bestand 1836 aus 395 Familien, welche
1111 männliche und 1354 weibliche Seelen umfaßten. Unter die¬
sen befinden sich: 1 Bereiter, 1 Buchbinder (nebst 2 Gesellen), 1
Hochzeitsbitter, 4 Buchhändler und 2 Lehrlinge, 14 Buchhalter,
10 Buchdrucker (nebst 7 Gehilfen und 7 Lehrlingen), 5 Baum¬
wollenweber (nebst 6 Gesellen und 1 Lehrling), 1 Brodhändler,
5 Collecteurs und 3 Collektricen, 21 Commissionaire, 1 Conditor,
13 Comtoristen, 1 vr. med., 6 Fabrikanten, 1 Färber (und 1
L.), 2 Arbeitsleute, 1 Bürstenbinder, 1 Fischer, 2 Futteralmacher, |
5 Gerber (nebst 2 G. u. 1 8.1, 7 Glashandler, 2 Golddrathzie-
her, 2 Graveurs, 46 Großhändler, 12 Goldschmiede (nebst 12 G.
u. 4 L.), 1 Gärtner, 1 Gürtlergeftlle, 2 Glasergesellen, 29 Hand-
lungsdiener, 1 Frisör, 1 Handschuhmacherlehrling, 1 Inspektor,
5 Jnstitutenverwalter, 3 Instrumentenmacher, 2 Kattundrucker (u.
IG.), 1 Kuchenbäckerin,! 1 Kammmachergeselle, 1 Kleinschmiedtlehrl.,
2 Tuchscheerer, 2 Luchmacher, 1 Kupferschmiedegeselle, 2 Künstler,
1 Kunst-Drechslergesell (u. 1 L.), 5 Aerzte, 3 Maler (nebst 3 L.).
2 Mehlhändler, 1 Möbclhändler, 6 Mäkler, 1 Materialist, 1 Mu¬
sikus, 2 Maurer, 1 Nagelschmidt (nebst 1 G. u. 1 L.), 2 Papier¬
händler, 59 Particuliers und Rentiers, 3 Regenschirmmacher,
2 Procuratoren, 1 Federnhändler,. 1 Regiments-Chirurg, 4
Schächter, 51 Seiden- und Tuchhändler (nebst 32 Diener u. 29
L.), 19 Schuhmacher mit 18 Gesellen, 20 Schneider (14 G. u. 9
L.), 7 Fleischer (u. 2 L.), 5 Speisewirthe, 23 Strumpfhändler,
7 Seifensieder, 3 Strumpfweber (u. 2 G.), 4 Sattlergesellen (u.
2 L.), 1 Lapetenweber, 1 Laschspieler, 10 Lheehandler, 14 La-
backsspinner (u. 3 G.), 5 Drathhändler, 18 Trödler, 64 Dienst¬
boten, 4 Gewürzhändler, 1 Uhrmacher (2 G. u. 1 L.), 1 Wat¬
tenfabrikant, 5 Wechselmäkler, 1 Weinhändler, 3 Weber (1 G.
u. 3 2,), 1 Schenkwirth, 4 Wechsler, 1 Fubrmannsknecht, 1
Kapellmusikus, 2 Katecheten, 3 Kantoren, 2 Theologen, 1 Kir¬
chendiener, 1 Prediger, 2 Sprachlehrer, 15 Lehrer, 32 Studen¬
ten, 1 Unterbibliothekar. Von Unterstützung leben 127, und
ohne nähere Angaben ernähren sich 81 mit Handarbeit und 66
vom Handel.
Von den außerhalb Copenhagen befindlichen Juden (zusam¬
men 1607 Seelen in 334 Familien) wohnen 19 in Kjöge, 6 in
Rothschild, 6 in Fridricköhcrd, 74 in Helsingör, 34 in Hilleröd,
37 in Kallundborg, 5 in Nyköping, 45 in Nestwed, 4 in Stege,
16 in Nordingborg, 10 in Ringstedt, 3 in Skjelskör, 90 in Ha¬
gelse, 82 in Odense, 69 in Asiens, 7 in Bogense, 15 in Kjerte-
minde, 50 in Mittelfort, 77 in Faborg, 20 in Nyborg, 21 in
Nudköping, 35 in Svendbyrg, 12 in Wariboe, 21 in Nyköping,
15 in Nysted, 11 in Rodbye/9 in Saxköping, 5 in Stubbeköping/
45 in Nakskoo, 43 in Aalborg, 7 in Söebge, 53 in Aarhuus, 8
in Hafte, 68 in Horsens, 5 in Ebeltost, 5 in Grdenaae, 8 in Ho-
bröe, 194 in Randers, 32 in Vieborg, 19 in Ripen, 7 in Hol-
ftebrae, 19 in Ringköping, 17 in Colding, 125 in Friedericia, 17
in Veile, die übrigen einzeln auf dem.Lande. Darunter befinden
sich 2 Apotheker, 2 Barbiere, 3 Buchdrucker (u. 1 L.), 3 Brand¬
weinbrenner, 1 Bäckerlehrling, 1 Klempner, 1 Buchbinder (u. 1
L.), 1 Böttcher (u. 1 L.j, 2 Catechetcn, 1 Drechsler (1 G. u. 1
L.), 1 Färber (u. 1 G.), 1 Gärtner, 5 Gerber (u. 5 L.), 2 Gla¬
ser (u. 1 L), 1 Gasiwirth, 1 Goldschmidt, 32 Handlungsdiener
und 18 Lehrlinge, 3 Hutmachcr, 2 Kirchendiener, 2 Kürschner, 1
Lakwer, 6 Aerzte, 1 Literat, 1 Maler (u. 4 L.), 3 Musici, 1
Müller, 3 Optiker, 3 Oekonomen, 12 Rentiers, 1 Procurator,
2 Pachter, 5 Sattler (3 G. u. 3 L.), 1 Seilerlehrl., 7 Schächter,
7 Schullehrer, 3 Schuhmacher !(2 G. u. 2 L.), 2 Schneider (2
G. u. 2 L.), 27 Fleischer (3 G. u. 1 L.), 1 Steingutfabrikant,
4 Seifensieder, 1 Scbmiedelehrl., 1 Lhierarzt, 3 Tuchmacher, 5
5 Uhrmacher, 3 Verwalter, 1 Wattenfabrikant, 2 Weber (2 G.
u. 1 L.). Von Handarbeit leben 16, vom Handel 251, von Un¬
terstützung 36, als Dienstboten 22.
Der gegenwärtige Rechtszustand der Juden in Dänemark be-
rubct hauptsächlich auf der König!. Verordnung vom 29. März
1814, deren §. 1 folgendermaßen lautet:
„Die Bekenner der mosaischen Religion, die in unserm Reiche
Dänemark geboren sind, oder die Erlaubniß erhalten haben, sich
darin nieder zu lassen, sollen das gleicheRecht wie unsere übrigen
Unterthanen genießen, sich auf jede gesetzliche Weise zu ernähren,
wogegen sie auch in so weit durch diese unsere Verordnung keine
Ausnahmen gestattet werden, in jeder Weise sich nach den bürger¬
lichen Landesgesetzen richten sollen, so daß sie in keiner bürgerli¬
chen Angelegenheit sich ^uf die mosaischen Gesetze oder die soge¬
nannten rabbinischen Vorschriften beziehen können rc."
Schon seit 1726 bestand die Verpflichtung der in Dänemark
ansässigen Juden, das Bürgerrecht zu gewinnen und in der er¬
wähnten Verordnung von 1814 ist vorgeschrieben, daß kein Jude