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Bürger werden, oder einen Nahrungszweig betreiben darf, ohne
vorher eine Religionsprüfung bestanden zu haben. Seit 1809
werden sie zu der Militairpfticht gezogen, von welcher sie bis da¬
hin ausdrücklich ausgeschlossen waren. Dagegen wurden sie schon
seit 1801 $u der Bürgermiliz zugelassen. 1788 wurde ihnen das
bisher untersagte Recht eingeräumt, nach abgehaltener Lehrzeit
in die Zünfte ausgenommen zu werden. In den Herzogtümern
Schleswig und Holstein find 1824 die, der Aufnahme von jüdi¬
schen Knaben als Lehrlinge, entgegen stehenden altern Gesetze auf¬
gehoben worden. Es ist ihnen gestattet, Güter zu kaufen, ohne
jedoch die daran hängenden Patronatörechre ausüben zu dürfen.
Durch spezielle Verordnungen' ist es ihnen freigegeben, Lotte-Col-
lectionen zu übernehmen, Vormundschaften zu verwalten, und jü¬
dischen Frauenzimmern ist gestattet, als Distrikts-Hebammen eingestellt'
zu werden. Von politischen Rechten besitzen sie nur das Wahlrechtzu
der Wahl von Deputaten in die Ständeversammlung, sind aber
nicht selbst wählbar (in Schleswig-Holstein noch nicht wahlfähig).
Vom Staatsdienst sind sie dem Gesetze nach nicht ausgeschlossen,
dennoch ist es keinem der so vielen wissenschaftlich gebildeten Is¬
raeliten gelungen, eine Anstellung, wenn auch nur eine unterge¬
ordnete zu erlangen. Dagegen findet man mehrein solchen össent-
lichen Verrichtungen, die obgleich keine eigentlichen Staatsämter,
doch von der Bewilligung der Regierung abhängen, als 1 Regi¬
ments-Chirurg (Prof. vr. Jacobsen), 1 Landes ObergerichtS-
Procurator, (Canzellei-Rath Mofeö Delbanco), 1 UntergerichtS-
Procurator, ein Gehilfe auf der Königli. Bibliothek, 3 Consuln
in AarkuS, Aalborg und Asiens, 15 Aerzte (in Schleswig-Holstein
4 Untergerichts-Advokaten, 1k Aerzte).
DerDannebrog-Orden wurde feit 1810 an 7 Personen jüdischen
Glaubens verliehen, worunter die noch lebenden: Staatsmakler
Sam. Sim. Heekscher, Ober-Intendant des botanischen Gar¬
tens zu Calcutta, vr. N. Wallich, Geh. Commcrzien-Rath Ba¬
ron Salomon v. Rothschild, Prof. Jacobsen, Bernhard
v. EskeleS, dänischer Consul in Wien,, und Geheime Commer-
zicnrath Wilhelm Beer in Berlin.
(Fortsetzung folgt.)
Anzeiger.
Zll demselben werden Annoncen aller Art liegen 4 Gr. Gebühren für
die gespaltene Zeile aus Petn-Schrift oder deren Ramn ausgenommen.
Die Verlagshandlung.
minhjTYVD, oder Leitfaden bei dem Unterrichte
der israelitischen Religion für Knaben und Mädchen, in
Schulen und beim Privatunterrichte, von vr. Moses Bü-
dinger; dritte durchaus vermehrte Auflage. Cassel 1837.
In I. Chr. Kriegers Verlagshandlung. Ladenpreis:
8 Gr. oder 36 Tr.
Durch die Einfüllung dieser Religionsschrift in den meisten
israelitischen Schulen Deutschlands, sowie durch das entstandene
Bedürsniß einer neuen Auflage, ist deren Zweckdienlichkeit und
Brauchbarkeit hinlänglich dargethan. Diese Ausgabe har an neu
hinzugekommenen biblischen und Liederversen bedeutende Vermeh¬
rung erhalten. Obgleich nun hierdurch die Schrift um einen Bo¬
gen stärker geworden ist, hat die Verlagshandlung den Ladenpreis
nicht erhöht, was den unzweideutigen Beweis gibt, daß dieselbe
den Gebrauch des Leitfadens bei der Lehrbedürftigen Jugend auf
uneigennützige Weise zu befördern strebt, und darf hoffen, daß
ihre Absicht bei israelitischen Geistlichen und Religieslehrern fort¬
während gebührende Anerkennung finden werde.
Den zahlreichen Subscribenten der
Deutschen
Bolks- und Schul-Bibel
für Israeliten.
Aufs Neue aus dem masorctischen Texte übersetzt,
herausgcgeben
von
vr. E>otil)old Salomon,
zur gefälligen Nachricht, daß heute den 10. April 1838 der
Druck derselben vollendet, und die Bibel
C5r* nunmehro vollsrändrg erschienen ist,
sie ist 76 Bogen stark geworden.'
Morgen beginnt die Versendung, und dürfen die geehrten Sub-
scribenten den Eingang ehestens erwarten.
Die ganze erste Auflage ist 'auf schönem englischen Ve¬
linpapier gedruckt und bleibt der Preis für die vollständige
Bibel vorläufig noch 2 Thlr., wofür sie in ^ämmtlichen Buch¬
handlungen Deutschlands, Oestreichs, der Schweiz, Polens, Dä¬
nemarks u. s. w. zu haben ist.
Altona, den 10. April 1838.
Z. G. Hammerich.
Penfkorrs - Anstalt für israelitLfche
Mädchen in München.
Die Unterzeichnete empfiehlt ihr weibliches Lehr- und Erzie¬
hungs-Institut, in welchem auch Kinder auswärtiger Eltern in
Pension genommen, und in allem unterrichtet werden, was zur
Bildung eines Mädchens nöthig ist, und eine sorgfältige Erzie¬
hung erhalten. Der gedruckte Plan, in welchem die Bedingnific
und Verhältnisse der Anstalt auseinander gesetzt sind, wird auf
Verlangen unentgeltlich versendet.
München, ^im April 1838.
Amalie Kohn,
nee Blume.
Preisermäßigung eines Schulbuches.
Vor einigen Jahren erschien in meinem Verlage
Erzählungen der heiligen Schrift für Israeliten.
Zum Schul- und Privatgebrauch bearbeitet von A. Cohn
und A. Dinkelspiel. Mit einem empfehlenden
Vorworte von Herrn v. G. Salomon. 26 Bog. 8.
Preis 14 gGr.
Dieses Merkchen ist vielfach aufs günstigste beuttheilt worden
und wird in manchen Schulen mit Segen gebraucht. Der an sich
billige Preis war aber für die weniger bemittelten Schüler zu hock),
als daß die Einführung überall hätte, erfolgen können. Daher
habe ich auf vielfaches Verlangen mich nunmehr entschlossen, vom
1. Januar 1838 an einen äußerst niedrigen Parthiepreis
eintreten zu.lassen. Wenn nämlich mindestens-10 Erpl. zusam¬
men genommen werden, so soll das Expl. statt 14 gGr. nur 9
gGr. kosten! Alle deutsche Buchhandlungen sind im Stande, die¬
sen Parthiepreis einzuhalren. Einzelne Exemplare kosten aber
denÄöherigen Preis. — Einer allgemeinen Einführung glaubt
nun entgegen sehen zu dürfen: __
Der Verleger: Ltrrrgelvrefche.
Redacteur: vr. L. PHUippfon. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirschfeld.