Page
86
kcn Wein und Branntwein, noch dazu mit Pfeffer vermischt,
theils um ihnen Muth einzu flößen, theils um das Uebel
nach außen zu treiben; die Pestbeulen belegen sie mit Caviar-
Umschlägen. Ein vollkommen entgegengesetztes Verfahren be¬
folgen die Juden, und cs genesen Viele von ihnm.
Politische Lcmtrole.
Bericht über das neue Gesetz
in Betreff der Israeliten
im
Königreiche Hannover.
' (Fortsetzung.)
Bei dem Art. 8. brachte man in Antrag, daß die Juden
schon das Stimmrecht besäßen, es ein Rückschritt wäre, sie
jetzt davon auszuschließen; daß, sollten auch wirklich einzelne
schlechte Subjekte das Stimmrecht gemißbraucht haben, es
viel zu weit gehe, solche allgemeine herabwürdigende Con-
sei, wie denn auch dieser Geist in allm Ländern abgenommen
habe, wo ihnen größere Rechte eingcraumt worden *). Der
Antrag wurde hierauf ab gelehnt, hingegen die Abstimmung
Bei den im Art. 11. festgesetzten Nachweisungen in B^ug
auf die Besetzung eines.Juden, wurde der Zusatz angenom¬
men: »Er muß der Gemeinde Nachweisen« — da ja der
Recurs gegen die Entscheidung der Gemeinde hiermit nicht
ausgeschlossen wird. Eben so bei Art. 15., daß bei der Er-
theilung eines Trauscheins nicht blos die obrigkeitliche Erlaub-
Vocsteher zu hören seien.«
Man beantragte ferner bei dem AE 22., welcher vor¬
schreibt, daß die Lehrer von den Landrabbinem geprüft wer¬
den müßten, den Zusatz: »Das Ministerium hat die zur
Prüfung erforderlichen Verfügungen zu erlassen;« allein, da
man bemerkte, daß dies dennoch geschehen würde, und der
gegenwärtige schlechte Zustand der jüdischen Lehrer nicht so
sehr in einer zu wenig strengen Prüfung, als vorzugsweise
darin liege, daß die Lehrer in pekuniärer. Hinsicht zu schlecht
gelehnt.
Der Art. 30., daß die Stolgebühren, welche Juden zu
zahlen hätten, nach dem Abgänge der jetzt Berechtigten er-
noriren sollten, und andererseits lieber auf Entschädigung von
Staats Seiten antrug; da früher, als die christlichen Con-
fessionen noch nicht gleichgestellt waren, die herrschende den