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Bürger fester zu verpflichren suchen, daß wir sie, nachdem \
sie von allen, vorhin befolgten besondcrn Civilgesetzen und Gerich- l
ten abstchen, und bon den Verhältnissen zu dem Staat gleiche 1
Grundsätze mit uns hegen in demjenigen, worin sie allen andern 1
Bürgern gleich die wesentlichste Aufnahme des Staats befördern i
helfen, in Handelsgegenständen insonderheit, ferner nicht schimpf- i
l i ch zurücksetzen: daß wir die bessern der Aufhelfung des ohnehin i
gesunknen (Staats nützlichem Mitglieder durch Kränkung und durch '
Entziehung schon größerer billig zu gestattender und befriedigender
Vorzüge nicht von hier in andre, weiser regierte Gegenden oder
wohl gar in die Nähe, wo keine, der hiesigen wesen t-
lichen Vortheile entbehrt werden, vertreiben, und da¬
gegen einen dem Staat alsdann desto lästigern Rest allein zurück¬
behalten, daß wir durch mildern Schutz eine große sich über 7000
Seelen erstreckende Zahl von Einwohnern, die sich mit großen
Aufopferungen und zu unsers Staats wesentlichem Nutzen von
fremden Einfluß*) zu befreien gesucht haben, abhalten, mög¬
lichen und der Stadt bedenklichen Anlockungen dazu wiederum Ge¬
hör zu geben, und daß wir Ehrgefühl und Dankbarkeit selbst dazu
benutzen, auf die Verbesserung einer großen Classe günstiger als
' vorher aufgenommener Einwohner mannigfaltig hinzuwkrken.
Dennoch aber wird die sehr große Verschiedenheit der israclit.
Religion nebst ihren desondern religiösen Gebräuchen auch Sabbath
und Festen, bei aller gegenseitigen Toleranz und Aufklärung, immer
noch eine Absonderung veranlassen. Insonderheit wird die gegen¬
wärtige Lage, die größere Zahl geringer Classe und der Armen mit
allen ihren besondern Armen - und Krankenpflegen, und vorzüglich
die Abhaltung Fremder der geringern Classe eine vermehrte und
strengere Polizei-Aufsicht desto dringender erforderlich machen, je¬
mehr in den letztem Jahren auch diese neuere Angelegenheit in
Unordnung gerathen ist, wie denn auch die Aufhebung der vorigen
äußem Verhältnisse, so wie die Bereinigung mehrerer Gemeinden, die
unsre Verfassung gänzlich verändert, und daher eine neue zweck¬
mäßige Organisation erforderlich macht.
In allen diesen Hinsichten wird es denn einleuchten, daß das
Reglement der Juden, von 1710, welches unter ganz andem Um¬
ständen entworfen wurde und daher Manches enthält, was gar
nicht mehr paßt, und Manches, was durch die nunmehrige An¬
wendung aller unsrer Gesetze auf sie überflüssig ist, hingegen den
Mangel jetzt erst zu treffender Verfügungen bemerken läßt, daß
eine gänzliche Umarbeitung mit der Beibehaltung des Zweckdien¬
lichen in der Sache erforderlich ist, so hat E. E. Rath daher in
dem »ub Litera C. anliegenden Entwurf eines veuen Reglements
für sämmtliche hiesige Israeliten, an der einen Seite die nunmeh¬
rige Ertheilung des Bürgerrechts, als der Gerechtigkeit, der
Staats kl ugheit und dem wahren Wohl des Staates an¬
gemessen, festgestellt, an der andem Seite aber durch mannig¬
faltige Modifikationen und Einschränkungen, thcils nur die wohl¬
habenden und dem Staate nützlichen Bürger unter ihnen begün¬
stigt und zugleich die Verbesserung des Ganzen eingeleitet; theils
die polizeilichen Verfügungen, wo es annoch erforderlich ist, selbst
geschärft. Und wenn man billig voraussetzen muß, daß nirgends
mehr ein bloß leidenschaftliches Bomrtheil herrsche, welches in un¬
fern Zeiten doppelt den Vorwurf gehässiger Gesinnungen
*) Hier ist die bereits angtdeuteke von Seiten der Juden freiwillige
Ablösung von dem Schutz und' der Gerichtsmacht der dänischen Krone ge-
mrmt, welche oorhia bestaudea hatte. d. Einsender.
zu fürchten hat, und sich von den vorhin bemerkten andern Län¬
dern so sehr unterscheiden würde; so hofft E. E. Rath auch so
sehr die Besorgnisse derer, welche noch bedenklich in neuen, mit
der Zeit fortrückenden Fortschritten verbleiben, geschont und be-
mhigt, als manchen rascher unter uns Fortschreitenden befriedigt,
im Ganzen aber nach Lage und Umständen das Wohl der Einzel¬
nen'mit dem Wohl des Ganzen zweckmäßig vereinigt, und haupt¬
sächlich durch manchen Vorbehalt den Weg zu etwa nothwendigen
künftigen Veränderungen geöffnet, und dadurch zugleich der israeli¬
tischen Nation Antriebe zum Bessern ertheilt zu haben.
Es darf demnach E. E. Rath hoffen, daß nunmehr auch die
erbgesess. Bürgerschaft das in der Anlage sud Lit.-C. enthaltene
Reglement über die Aufnahme der Israeliten nach den bürgerlichen
und Religionsverhältnissen unsrer Stadt Ihrerseits genehmigen
werde. E. E. Rath bemerkt übrigens, daß das Collegium der
Sechsziger den obigen Präpositionen des Senats nicht beigetreten
sei, zweifelt indessen nicht, daß erbgcscsscne Bürgerschaft, in-Er¬
wägung der bemerkten wichtigen für diese Proposition redenden
Gründe, selbigen ihre Bestimmung zu ertheilen sich bewogen fin¬
den werden.
(Fortsetzung folgt.)
'Miszellen.
In Copenhagen fand vor Kurzem bei Gelegenheit der
Bestattung eines sehr geachteten Greises einige Unordnung
statt, indem einer von den »Unverbesserlichen« die von dem
vr. Wolfs gehaltene Leichenrede gewaltsam zu unterbrechen
suchte. Trotz des allgemeinen Unwillens der Gemeinde
konnte die Ruhe nur durch ernste Mittel wieder hergestellt
werden.
Zu Musbach bei Neustadt an der Hardt hat auf
Anregen des israelitischen Lehrers Elsässer sich ein Verein
gebildet »zur Belehrung über Judenthum und jüdisch religiöse
Verhältnisse,« welcher diesen Zweck zu erreichen strebt »durch
Anschaffung und Circulation aller wichtigeren hierin einschla¬
genden literarischen Erzeugnisse,« sowie durch vierteljährlich
stattfindende Conferenzen und Vorttäge. Geschäftsleute und
Handwerker, Rabbiner, Äerzte und Lehrer sind Mitglieder
dieses Vereins, der hoffentlich viele ähnliche Hervorrufen wird.
— Bei Gelegenheit ein Mchreres darüber.
Correspondenzen, Auszüge, Repliken.
(Aus Frankfurt ander Oder.) Das rege Leben,
welches gegenwärtig sich überall unter den Juden kund thut, und
das unwiderstehlich zum Bessern und Besten hinführt, hat auch
hier ein Institut vor einiger Zeit hervorgerufen, das zwar, den
Verhältnissen nach, bis jetzt noch nicht großartig wirken konnte.