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dennoch aber den schönsten Willen, bekundet, und die Theilnahme
der umliegenden Gegend und aller wahren Freunde des Juden- .
rhums in Anspruch zu nehmen verdient. Es bestehet nämlich hier
eine Art jüdischer Ressource, Gesellschafts-Verein, deren Dircktore,
dieHerrenM. F. Blumenthal, I. B. Baswitz und Adolph
Meyer, im Jahre 1834 beschlossen, das Nützliche mit dem An¬
genehmen zu verbinden, und dem Vergnügen der Geselligkeit auch
das der Wohlthätigkeit hinzuzufügen. Sie forderten die Damen
des Vereins auf, durch selbst verfertigte Arbeiten, die in der Ge¬
sellschaft zur Versteigerung kommen sollten, zur Unterstützung
armer und hülfloser Personen beizutragen. Die am 25. Deebr.
stattgefundene Versteigerung warf aber eine so unerwartet beträcht¬
liche Einnahme ab, daß sie zur Verwendung auf vorübergehende
Unterstützungen zu groß schien, und man deßhalb übereinkam, den
größer« Theil als ein zinsbares Capital zu einer dauernden Stif¬
tung anzulegen. Als man darauf bestimmt hatte, den Zweck dieses
wohlthätigen Vereins in der Unterstützung junger Leute,
die eine Kunst oder ein Gewerbe erlernen wollen,
bestehen zu lassen— überreichte Herr H. C. Baswitz einen
Staatsschuldschein von 50 Rthlr., als von einem unbekannten
Wohlthäter herrührend. Mit dem 25. December 1834 trat also .
der benannte Verein in's Leben, und ich werde hier einige Grunv-
züge seiner Statuten und die kurze Geschichte desselben geben,
mit dembesondern Zwecke, zur ferne rn regen Tyeil-
nahme aufzumuntern, und besonders die Damen zu erinnern,
in ihrem schönen Eifer für einen Verein, der durch ihre Wohl-
rhätigkeit entstanden,'nicht zu erkalten.- Nach den Statuten ver¬
pflichtet sich jedes Mitglied zu einem jährlichen Beitrage von
Einem Thaler. So lange das Stamm-Capital die Summe von
500 Thlr.. nicht erreicht hat, soll jährlich nur Ein Lehrling
aus Kosten des Vereins untergebracht werden. Anspruch auf Unter¬
stützung sollen nur unbemittelte junge Leute von untadelhafter Auf¬
führung, versehen mit Schulkenntnissen, die hier geboren, oder deren
Eltern 8 Jahre hier ansässig sind oder waren, haben. Die Zahlung
der Lehrgelder geschieht durch den Verein selbst, und nie auf ein Mal;
in den Contracten muß bedungen werden, daß der Lehrling am
Sabbath und an den jüdischen Feiertagen von der Arbeit
frei sei; endlich müssen die Curatoren sich öfters von dem Zu¬
stande des Lehrlings persönlich überzeugen. Sobald das Stamm-
Capital 1000 Thaler erreicht hat, sollen auch die vom Vereine
unterstützten jungen Leute zu ihrem Etablissement unterstützt werden.
Alljährlich werden von den weiblichen Mitgliedern des Vereins
Handarbeiten entgegengenommen und zum Besten des Vereins zm
Versteigerung gebracht, doch werden solche Gaben, auch wenn die
Gederinnen keine Mitglieder sind, angenommen. Die Verwaltung
des Vereins liegt in den Händen von drei Curatoren, von denen
einer alljährlich ausscheidet, aber wieder gewählt werden kann,
und einem Rentanten, die der General-Versammlung der Mit¬
glieder, welche am Stiftungstage statt findet, verantwortlich
sind. — Dieser Verein wurde von Seiten König!. Regierung mft
dem Bemerken genehmigt, »daß der löbliche Zweck dieser Gesell¬
schaft höher» Orts genehmigt und wir angewiesen worden sind,
alle Beförderung zu gewähren.« — Der Verein fand allgemeinen
Beifall, und fast alle Familien Frankfurts, die es im Staude
sind, traten ihm beiihre Zahl war 48. Seitdem schieden zwar
2 wieder aus, aber 6 neue Theilnehmer, neue Ansiedler Hierselbst,
kamen hinzu.. In der Beschränkheit der durch hiesigen Ort ge¬
schafften Mittel lag es daher, daß es schon als bedeutend angesehen
werden muß, wenn im ersten Jahre 200 Rthlr., im zweiten eine
etwas höhere Summe sich ergah, so daß das Stammeapital jetzt,
nach drittehalbjahrigem Bestände, auf 600 Thlr. gestiegen ist. Rach
den Statuten wurde vorerst im ersten Jahre e i n -Lehrling unter-
gebracht, der die Buchbinderei erlernt, im zweiten einer, der in
Berlin sich zum Lithographen bildet, und gegenwärtig noch ein
junger Mann unterstützt wird, der die Berliner Universität be¬
sucht.— Ich wünsche, daß diese Mitthellung in der Allg. Zeit,
des Judenrhums den Eifer der Curatoren und Mitglieder lebendig
erhalte, und zur Nachahmung an anderen Orten anrege.
Literatur.
Bon dem als einem der besten Dichter der hebräisch - germa¬
nischen Schule neuerer Zeit bekannten Mendel Stern in Wien
wird nächstens eine große epische Dichtung — unter dem Titel:
Tiphere» Hatischbi, das Leben des Propheten Elias in acht Ge¬
sängen behandelnd — erscheinen, und bei dem besondern Aufwand
von Zett, Fleiß und Anstrengung, die der Dichter seinem Gegen¬
stände gewidmet, läßt sich etwas Bedeutmdes erwarten.
Von Creizenach's Schulchan Aruch ist der zweite
Theil: Sohurat Haddin, oder Anweisung zur Regulirung des isra-
litisch - religiösen Lebens, erschienen.
Anzeiger.
Za demselben werde«' Aemoac» aller Art gege« £ Er. Gebühre« für
di« gespalten« Zeile aas Petit-Schrift oder der» Raum ausgenommen.
Die Verlagshandlung.
Don dem >
Israelit^ Predigt- und Schn! - Magazin,
herausgegeben
Vr. L«dwig Philipps»«
Jahrgang 1834. 1835. 1836.
sind noch cm» 30 Exemplare komplett vorhanden. Dieselben
werden zu unveränderten Preisen, der Jahrgang zu 2 Thlr.
Pr. Crt., bei genauer Angabe des Titels, well sonst auf etwaige
Forderungen nicht reflektitt wird, bezogen durch
Magdeburg. die Creutz'sche Buchhandlung.
Zn unserm Verlage ist erschienen:
Formfiecher's, Dr. S., zwölf Predigten; gehalten in
dem israelitischen Gotteshause zu Offenbach. gr. 8. geh.
20 gr. oder 1 st. 24 kr.
Wir enthattea uns jeder Anpreisung, und bitten die Lust¬
tragenden blos, sich diese Predigten von der benachbarten Buch¬
handlung zur Durchsicht vorlegen zu lassen, um den Werth der-
' selben selbst prüf» zu können.
Würzbnrg im Juli 1837.
C. Ettiuger'sche Buchhandlung.
Bei E. Kummer in Leipzig ist in Commission er¬
schienen, und durch alle Buchhandlungen zu erhalten:
Pentateuch: Or le Israel: enthält: Mi-
krah, Targum Onklos, Raschi, Haphtoroth,
5 Megilloth, Th'phillos und Piiutim, mit wort-
trruer Uebersetzung von Zohlson und Fürstent ha l'scher
Revision, u. mit Anmerkungen. 5 Bände, gr. 8. Krotv-
schin 1837. broch. 6 Thlr.
' Bei demselben Verleger ist im vor. Jahre erschienen:
Kol S imm . (Stimme des Gesangs.) entfa. Gedichte
in hebräischer' Sprache. 8. 14 gr.
Redacteur: Dr. L. Philipps»«. — Verlag von B anmgärtners Buchhandlung. — Druck von W. Haack.