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I. Jahrgang. Ü Cfig £ tfl g t« R0. 48.
Zeitung -es Zudenthums.
Ein
unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse.
(Mit König!. Sächsischer allergnädigsier Concession.)
Leipzig, den 8. August 1837.
Politik.
Zeitungsnachrichten.'
Karlsruhe, 15. Juli. Die Abgeordneten, welche für
die Emanciparion der Juden sprachen und stimmten, waren:
Bader, Bassermann, Beck, Duttlinger, Gerbel, Grimm, Hoff-
mann, Knapp, Kroll,' Kuenzer, Lauer, Martin, Merk, Mohr,
Obkircher, Platz, Speyerer, Trefurt, Welcker und Zmmer.
Die Namen derer, welche gegen die Emancipation sprachen
und stimmten: Armbruster, Aschbach, Blankmhorn, Bohm,
Buhl, Christ, Delisle, v. Dürrheimb, Eichroth, Glüß, Goll,
Greiff, Grether, Helmreich, Jörgcr, v. Jtzstein, Kern, Lang,
Leiblein, Lenz, Magg, Mordes, Müller, Nageln, Peter, Rei¬
chend« ch, v. Rotteck, Sander, Schaaf, Scheffelt, Schintzin-
ger, Seltzam, Seramin, Weller, Wetzel und Weyßer. Also
20 Stimmm für, 36 gegen, Majorität 16.
W i e s b a d e n, 24. Juli. Vor einigen Tagen befanden
fich hier mehrere Räbbinen aus yerfchiedmm Gegmdm Deutsch¬
lands, Männer von Bildung, welche mit ernstem Pflichteifer
für ihren Beruf-, zugleich die Zeitverhältnisse zu'würdigen
verstehen. Sie trafen hier zu derselben Zeit ein, um einander
persönlich kennen zu lernen, und zugleich gemeinschaftlich mit
dem hiesigen Rabbiner vr. A. Geiger, Redacteur der sehr
geschätzten Zeitschrift für »jüdische wissenschaftliche Theologie,« *)
sich über manche wichtige Fragen zu besprechen. — Wenn
ein voreiliger Berichterstatter aus dem Baden schm diese
freundschaftliche Zusammenkunft in öffentlichen Zeit¬
schriften eine Synode nennt, und sogar einm tadelnden Blick
auf sonstige wackere Männer wirst, welche einer sylchm Reise
nach Wiesbaden ftemd geblieben**), st muß man das als
eine Uebcreilung anfehm, die allmfalls selbst Tadel verdient.
Wir sehen uns aber gerade durch diese unrichtige Darstellung
veranlaßt, die Sache in ihr wahres Licht zu stellen, damit
nicht mrstellmde Berichte noch weiter verbreitet werden.
(U. U. K. Z.)
— 15. Juli. Da über die hier stattzehabte Zusammen¬
kunft mehrerer einander befteundeter Rabbinm fabelhafte und
lügnerische Gerüchte sich vervielfältigen, und zum Theil, wie
cs scheint, absichtlich verbreitet werden, st wird hiermit be-'
merkt, daß diese Zusammenkunft, von welcher die hiesige hohe
herzogliche Landesregierung zuvor in Kmnrniß gesetzt war, und
*) Seit Anfang dieses Jahres ist die Fortsetzung dieser Zeit¬
schrift nicht ausgegeben. ' d. Red.
**) Aus dem Badenschen nämlich har sich Niemand dorthin
begeben. Eben so wenig aus dem Preußischen. d. Red.
welcher sie ihre ftmndliche Theilnahme schenkte, nur eine amts¬
brüderliche, freundschaftliche Besprechung und Verständigung
über die Amtsführung der Zusammentteffmdeu bezweckte, wel¬
cher Zweck auch vollkommen erreicht wordm ist.
Dr. Abraham Geiger, Rabbiner.
(Allgem. Zeir.)
Wiesbaden, 24. Juli. Der »Phönix« nennt diese Zu¬
sammenkunft auch einm »Frei - Convent,« und macht folgende
Bemerkung: »Kann eine israelitische Synode, selbst des
ganzm Volkes, kein Tüttelchen am mosaischen Gesetze
verändern oder abrogirm, so wird doch auch der Wiesbadener
Frei-Convmt gewiß seine guten Früchte ttagm, und wäre
es auch nur die, daß die versammeltm wackcm Männer, sich
übe^eugm, über wie wenige der allgemeinen Differenzpunkte
selbst sie sich gegmwärtig noch völlig verständigen können.
Wenn aber schon die Reformwilligen so vielfacher Mei¬
nung sind, — wie wird ihre Differm; mit der großm Masse
Altgläubiger zu schlichtm, wie die Frage zu beantwottm
sein, ob die denk- oder die talmudgläubigm Rabbiner
als die Repräsentanten ihrer Stammgmossm anzusehen,
oder ob weder die Einen noch die Andem hierzu die erfor¬
derliche Gewalt oder Bevollmächtigung haben?« — Hierauf
wäre wohl am füglichsten mit dem Hinweis auf^ede Re¬
präsentation eines in sich nicht mehr einigen Ganzm zu anr-
wortm, die nur in der Repräsmtation jeder Parthei ihre
Totalität finden kann. Uebrigens ist von der Sache mehr
Aufhebms gemacht, als sie nach außen hin bewirken
wollte. Die Theilnehmer der Zusammenkunft sind, und das
ist auffallmd, viel schneller auseinandergegangen, als cs ei¬
gentlich ihre Absicht gewrsm.
Hannover, 11. Juli. Am 10. d. ettheiltm Se. Ma¬
jestät der Deputation der israelitischm Gemeinde, bestehend
aus dm HH. Oberlandrabbiner vr. Adler, Kriegs-Agent
Cohen, Hof-Agmt Berend und Bankier Spanier,
Audimz, und empfingen dieselbe huldreich und gnädig. Der
Oberlandrabbiner Vr. Adler empfahl dem Könige in kurzm
Worten das Wohl von zehntausend getteum Unterrhanrn, die,
in ihren bürgerlichm Rechtm so sehr beschränkt, ihr Berttaum
auf die Gnade Sr. Majestät setzten. Höchstdieselben sprachen fich
sehr schmeichelhaft gegm den vr. Adler über die in der Syn¬
agoge von ihm gehalrme Trauerrede aus, indem Sie hinzu-
fügtm, daß eine von solchen Gesinnungen beseelte Gemeinde
Achtung verdiene. Nachdem Sc. Majestät noch mehrere Fra¬
gen an die einzelnen Mitglieder der Deputation gerichtet,
wurde dieselbe gnädig mtlassrn.