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S. 22. »Entweihe nicht den heiligen Altar der Menschenliebe,
der auch Mörder schützt, und brich nicht die Lage des Gotr^ftie-
dens.« ('.!) Sollte man nicht meinen, in Heydingsfeld sei das
Faustrecht noch in voller Blüthe?) »Denn: ■pmn 1» nra«
*123 ■pnam 22 ILrrn'' naa wenn einer der Brüder stirbt
(fallt), so sollen alle Brüder trauern.« Der Sinn der Stelle ist
aber: Wenn einer der Brüder stirbt, so mögen alle Brüder besorgt
sein. Ebenso wenn einer aus der Familie, aus der Gesellschaft
stirbt, weil Allen eia gleiches Geschick drohe. Rach der Meinung
des Talmud bringt nämlich jede engere gesellige oder verwandt¬
schaftliche Beziehung alle darin begriffene Glieder in einen fata-
litistischen Repus.
S. 30. inpmn rtsnsrt rrssjrr tat prmn »Wer
den Augenblick verschiebt, den verschiebt er.« Dem Sinne schnur¬
stracks entgegen! Dieser ist kein anderer, als: Wer die Stunde
(- das Geschick, die Ereignisse) drängt (d. h. zu früh herbei zu
führen sucht), der verdrängt sie. Rasch i zu der Stelle (Berachot
64, a) verweiset auf das Beispiel Asaloms.
S. 34. »Ihr könnt der Ehrensäulen und des Reichthums
beraubt werden, doch niemals eurer Lugend, wenn ihr nicht selbst
eiowilligt.« Dazu wird citirt: ttiü? «n» «D'bpl TÄ
ionp if'Sn »Wenn das Erdreich fruchtbar ist« (hätte
der Verfasser den Aruch und Raschi beftagt, sie würden ihn belehrt
haben, daß rw2p einen lockern, schwachen und daher
mehr zum Graswuchs als zu Getraidebau geeigneten Boden be¬
zeichne) »so macht es gute Heerde (soll heißen: Weideplätze) und
fettes Bieh.« Aber was haben die Ehrensäulen und die Lugend
mit der Weide und mit dem Bieh zu schaffen?
S. 40. -icai’ p-ny ■'“ 12*1 sind nicht »Worte des Urtages«
sondern Worte Gottes. ' ist ein Epitheton Gottes: der Alte,
hebr. D*»»’ S. Daniel 7, 9; 13, 22.
S. 53. Wird ein blofer Toast p2-> V1S2 *>m (etwa:
Es gilt Euch! Prost!) zu einer diätätischen Regel verballhornt.
S. 56. Unter den Curiofitäten, die hier den lieben Kindlein
aufgetischt «erden, erzählt der Verfasser, daß ein Stück frischen
Fleisches auf den Magen gelegt die Wirkung des natürlichen Ge¬
nusses gehabt habe, und citirt sehr passend die Stelle •*»
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S. 59. »222 arwaanan bpa JO’» ' 2 -, »R.
Muua fluchte Jene», die ihr-Lertraue« auf Gold setzen«
soll heißen: die sich für Geld ein Amt verschaffen. — Der Ver¬
fasser erlaubt sich sehr oft den gewiß unschuldigen Betrug,
Stellen aus dem Talmud zu allegiren, die dort gar nicht stehen.
S- .23. S. 66. Das frostige Reimlein 22 '*22 ‘pss. S. 76:
n*»^yr* 12“1 rc. wo er gar wider seine Gewohnheit das Citat
genau angiebt: Saaheder. fol. 76. S. 77. 221ND 'TS rc. rc. Ge¬
krönt witd die Abgeschmacktheit durch die Reimereien, womit die
Abschnitte eingeleitet werden und hie und da auch den prosaischen
Bortrag ablösen. Z. B. S. 35. »Tugend ist der beste Freund,
der uns allzeit pflegt zu lieben, wenn die schöne Sonne scheint,
und die Wolken uns betrüben.«
Oder S. 71. »Rennt ihr nach Lust, Ehre, Gold,
Ein Teuftl ist's, der euch alle holt.«
Ehe wir von dem Buche, und wahrhaftig mit ftohem Herzen
scheiden, erlauben wir uns noch folgende Bemerkung: Eigentlich
sollten dergleichen in jedem, in stofflichem wie in formellem Bezüge
verfehlte Ausgeburten vor aller Kritik sicher sein. Die Kritik
hats mit Lebendem und nicht mit Todtem zu thun. Aber wenn
sich die krasseste Unwissenheit so selbstgefällig spreizt, und z. B.
bei Lebensfragen des Judenthums, als- da sind: Ob die Verlegung
des Sabbaths auf den Sonntag zulässig, ob das Dogma der
Trinität mit dem mosaischen Prinzip vereinbar, sich als Autorität
in den Vordergrund drangt, Aussehen erregen, vielleicht nebenbei
ein Stellcheo ergattern will, dann ist es Pflicht, sie in den Augen
der Welt — die eigenen laboriren ins" gemein am schwarzen Staar
des Dünkels', und so wäre- die Mühe doch verloren — auf ihre
eigentliche Geltung zurückzuführen. n.
VnZerger.
3" demselben werden Annoncen Er Art gegen £ Gr.
die gespaltene Zeile ans Petit-Schritt oder deren Raum ausgenommen.
Die Berlagsh^ndluug.
Empfehlungswerthes Werk.
Durch alle Buchhandlungen kann bezogen werden:
Geschichte der Juden
von der Zerstörung Jerusalems an
bis
auf die gegenwärtigen Zeiten.
Haunah Adams in Boston in Nordamerika.
Aus dem Englischen. 2 Theile.
Leipzig bei Baumgartner,
gr. 8. 3 Thlr.
So eben ist die 4te Lieferung erschienen von dem Werke:
Versuche
Jissroei'l und übter Jissroeils Pflichten
in der Zerstreuung,
zunächst für
Jissroeils denkende Jünglinge und Jungfrauen,
Samson Raphael Hirsch,
Grossherzoglich Oldeaburgischem Land - Rabbiner.
Deber die Pflichten,
gr. 8. Altona. Hammerich. geh.
Die 5te und letzte Lieferung befindet sich unter der Presse,
und ist dann dies geistreiche, originelle Buch: Hebet die Pflich¬
ten vollständig!
Rur bis Ende 1837 besteht der Subscriptionspreis für jede
Lieferung 16 Gr., wofür es in allen Buchhandlungen Deutschlands,
Oestreichs, der Schweiz rc. zu haben ist.
Die von Herrn Hirsch früher herausgcgebenen LS Briefe
über Judenthum von Ben Usiel haben die allgemeinste
Lheünahme gefunden, und es. steht zu erwarten, daß auch die
Versuche freudig und begierig aufgenommen werden.
Anfiellungsgesvch.
Ein Mann von 25 — 26 Jahren, bei einer ziemlich starken
Gemeinde als Elementarlehrrr, Cantor und Schächter bisher an¬
gestellt, wünscht zu Ostern künftigen Jahres eine ähnliche ander¬
weitige Anstellung. Auskunft ertheilt die Redaction, wenn bei
Anftagen die Ro. der Zeit, angegeben wird, indem zugleich be¬
merkt wird, daß die Ansprüche nicht zu groß und die iegirima-
tionea sehr empfehlend sind.
Rcdacteur: vr. L. Philippfon. — Verlag von BaamgSrlaerS Buchhandlung. — Druck von W. Haaok.