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I. Zchrgcmg. Rv. 103.
Zeitung -es Zudenthums.
Ein
unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse.
(Mit König!. Sächstscher allergnädigster Concesston.)
Leipzig, den 28. November 1837.
Bemerkungen.
Wir erklären in Folge mehrseitiger Anfragen hier¬
mit, daß die projecürte jüdisch - theologische Facultät
auch für Ungarn und überhaupt die Nachbarländer
nicht allein geöffnet sein, sondern in dieser Bereinigung
gerade chren Glanz und chre segensreiche Wirkung
finden wird.
Um so eher wird diese Erklärung geeignet sein, zu
Sammlungen von Subscriptionen den Eifer der Wohl-
gefinnten zu entflammen. Die ITeductivN.
Wir machen unfern Lesern hiermit bÄannt, daß
mehrere der achtbarsten Gemeinden, unter denen Pesth
voransteht, uns schriftlich erklärt haben, hinfort von
Zeit zu Zeit offizielle Mittheilungen über chren
Stand und chr Fortschreiten in dieser Allg. Zeit, des
Judenthums zu geben. Indem wir. wünschen, daß
dieses schöne Beispiel recht viel Nachahmung finde,
wollten wir dies als ein ganz besonders günstiges
Zeichen der Zeit und des in unfern Gemeinden herr¬
schenden Geistes zu veröffentlichen nicht unterlassen.
Die Nedaction.
Politik.
Zeitungsnachrichten.
Paris, 8. Nov. , Wir freuen uns, unfern Lesern an-
getgen zu können, daß der Aufruf zur Gründung
einer Facultät der jüdischen Theologie und eines
jüdischen Seminars auch in dm Kreisen der Pariser
Welt Aufmerksamkeit erregt hat. Das Journal des Debats
von heute giebt unter dm politischen Nachrichten auch folgmde:
»Es erscheint feit einiger Zeit in Leipzig ein nmes
Jonmal, betitelt: Allgemeine Zeitung des Judmthums, ein
unpartheiisches Organ alles jüdifchm Interesses, redigirl durch
Herrn Dr. Ludwig Philippsvn, israelitischen Prediger zu
Magdeburg.«
»Die letzte Nummer, vom 24. Sctober, bie
wir vor uns haben, enthalt einen Aufruf an
alle Israeliten Deutschlands, um sie einzula¬
den, eine jüdische Facpltät und ein Seminar
zu begründen.«
»Obgleich in Frankreich die bürgerliche und
politische *) Existenz der Israeliten die aller
Franzosen ist, so ist doch diese Bewegung, welche
man in einem so lange Zeit auf derselben Stufe
stehen gebliebenen Cultus bemerkt, nicht we¬
niger auch für uns Interesse erregend.«**)
— Der Israelit Herr Fould ist mit großer Stimmen¬
mehrheit abermals als Depntirter für St. Quentin
im Departement der Aisne erwählt wvrdm.
Hamburg, 15. Nov. Wir werdm nicht unterlassm,
alle Aussprüche und Anstchtm, die sich öffentlich über unsere
Aufforderung zur Begründung einer jüdischen Fa¬
cultät kund chun, hier anzufuhrm, um unfern Lesern die
Einsicht in die Ausnahme derselben zu gebm. Der Hamb.
C orresp. vom heutigm Dato (No. 270.) giebt nach einigm
für unsere Zeitung schmeichelhaften, einleitmdm Wortm die
in jmer festgestellten §§ ganz, und fugt am Schlüsse noch
die Worte hinzu:
»Dem wohlmeinenden Plane ist gewiß von Seiten aller
Confefsionm Entwickelung und Gedeihm zu wünschm, da er
ganz besonders geeignet ist, dem Jndifferentismus, der sich
unter der Maske des Deismus verkappt/ mtgegmzuwirken.«
— 16. Nov. (Privatmitth.) Zum ersten Male hat der
hiesige Smat vor einigm Tagm did Bestellung eines jüdi¬
schen Vormundes über christliche Kinder genehmigt. Bisher
wurde dies nicht gestattet. Auch ein Fortschritt!
— Herr B. Levy von hier, ansässig in St. Thomas,
ist von dem Könige von Dänemark zum Dannebrogs-
*) Bei Gründung einer Facultät ist übrigens nur die reli¬
giöse Existenz in Berücksichtigung. D. Redacr.
**) II parait depuis quelque tenips ä Leipsic un nouveau
Journal, intitule: Gazette universelle du Judaisme, Organe impar¬
tial des inteVets juifs, redigee par M. le Docteur Louis Philipp-
son, predicateur israelite ä Alagdebourg.
Le numero du 24. Octobre dernier que nous avons sous les
yeux, contient un appel ä tous les israelites de l’Allemagne pour
les engager ä fonder une faculte juive et un seminaire.
Bien qu'en France l’existence civile et politique des israelites
soit veile de tous les Francais, le mouvement qu’on remarqtie
dans un culte reste longtemps stationnaire n’en est pas moins
interessant pour nous.