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Kap. 3
1. Von keinem Aramäer rede -schlecht
vor einem Neuling bis ins zchente Geschlecht.
2. Im Mederland
tanzt das Kamee! auf dem Scheffelrand.
3. Wer strebet nach des Wiffens Ziel,
dem wird die Wissenschaft ein Saitenspiel.
4. Dem Pfeilschmied hat der Pfeil den Tod gebracht,
den seine eigne Hand gemacht.
5. Es ging einst das Kameel, sich Hörner zu erbitten;
ihm wurden noch dazu die Ohren abgeschnitten.
6. Es ist vergebliches Bemüh'n,
vom schlimmen Hunde gute Junge auftuziehn;
und noch viel minder ist's gelungen,
vom schlimmen Hunde schlimme Jungen.
7. Den, dem ich schenkte mein Vertrauen,
seh' ich setzt feindlich nach mir hauen.
8. Die Knappen ziehn in den Krieg,
die Ritter erfechten den Sieg.
9. Jndeß der Dieb den Raub begeht,
. spricht er zu Gott noch sein Gebet.
10. Wer seines Schwähers Mitgift von dem Seinen wehrt,
dem hat zuletzt das Ganze keinen Werth.
11. Backenzähne siehst du an Kameelen,
die den Füllen des Kameeles fehlen.
12. Ein Gew erb' ist hoch zu schätzen,
wcil's dich kann in Achtung setzen.
13. Kannst du Einem Kinde Butter streuen,
kannst Lu es'auch zweien.
Site tat» t.
(Schluß der Necentioa ru No. ris.)
Aus diesem Eingänge geht deutlich hervor, mit 'welchem Vor-
urtheil, mithin mit welchem Vorsatz der Recensent die Untersuchung
jener Schrift unternommen, und wes Geistes Kind das Ergebniß
einer auf solche Weise unternommenen Untersuchung sein kann.
Welches Gewicht kann wohl das Publikum (es kann hier natürlich
nur von einem israelitischen die Rede sein) auf das Ergebniß
einer auf solche Weise unternommenen Untersuchung legen?!
' »Recensent muß gestehen, daß alles recht lebendig, warm
geistreich, starktäuschend erscheint.«
Steht aber das Volk wirklich in Gefahr, getäuscht und, wie
Herr Recensent meint, stark getauscht zu werden, und er besitzt
Mittel und Kraft dieser drohenden Gefahr vorzubeugen, so ist es
unrecht, ja. sündlich, uns diese Mittel vorzuenthalten. Warum
zeigt er uns nicht gleichzeitig, worin diese Täuschung liegt? Doch
er sagt uns durchaus kein anderes Wort, als: »dennoch kann dies
kaum Wahrheit sein; warum ? sagt uns Hr. Recensent nicht.
Tel est notre volonte I
Man könnte ihm hier mit größerm Rechte, als er dem Ver¬
fasser, der seine Ausstellungen auf Grundsätze und achtungswürdige
Gefühle zurückführt, zurufen: »Und wer verbürgt uns denn.seine
Wahrheit?«
»Alles« gestehet Recensent ein, »was der Verfasser im Talmud
und Midrasch sucht, ist dem Geiste nach da,« aber nicht geeignet
. für Menschen, welche schlecht und recht leben sollen. Das Warum?
läßt hier wiederum Herr Recensent wie allenthalben durchaus
unbeachtet.
Ueberhaupt scheint sich Hr. Recensent in Räkhsel- Antithesen
zu gefallen. So sagt er auch »die Rabbinen mögen im Geiste
unsers Verfassers lehren, dieser ist edel und trefflich^« er sei. aber
-nicht mehr zu beleben rc. Und Volksleh'rcr mögen sich von diesen
Vorspiegelungen nicht'täuschen lassen.
Warum aber sollte sich dieser Geist nicht mehr beleben lassen ?
Etwa eben weil er edel und trefflich ist? Eine Lehre, worin ein
solcher Geist waltet, Vorspiegelung? Täuschung? Wenn hierin ein
Begriff liegt, so weiß man wahrlich nicht, was verschroben,
sinnlos heißt, womit.er den Verfasser so liebreich regalitt.
Eigentlich scheint hier Hr. Recensent mit einer Glaubenslehre,
die er uns, zum Austausch gegen unsere Religion, anbietet, aus
dem Hinterhalte hervor zu rücken. 2>ige Lehre ist kurz gefaßt.
Sie bestehet nur in zwei Wotten: Erwerben und Genießen.
So zeigt man dem Volke das goldne Kalb mit dem Zurufe:
Dies sind Deine Götter, Israel!
Das materielle Interesse, obschon Hebel, mächtiger, unent¬
behrlicher Hebel zur geistigen Vervollkommnung, bleibt dennoch
immer nur Mittel; diese aber Zweck; und der Augenblick, wo man
anfängt hierin Mittel mit Zweck zu verwechseln, ist der des An¬
fangs der sinkenden Moralität einer Nation und mithin ihrer
sinkenden Kraft; — eine Wahrheit, die sich in der reinen Vernunft
begründet, und. wozu die Geschichte eines jeden Volkes schlagende
Beweise liefert. —
Die niedrigen, undelikaten Absichten, die der Recensent dem
Verfasser und allen »Reaktoren« das heißt allen, die ihm
nicht auf's Wott glauben wollen, im gehässigsten Tone des Ver-
folgungsgeiftes unterlegt, verdienen kaum berührt zu werden.
Welche Absichten kann wohL ein jüdischer Theolog haben? Herr
Recensent wird wohl kaum einen Räbbinen nennen können, der
als reicher Mann gestorben wäre; wohl aber viele, die m der
äußersten Dürftigkeit leben. —
Es ist weder die Art, noch, wie gesagt, die Absicht des Ein¬
senders dieser Bemerkungen, sich über den Geist des Judcnthums
in seiner Tiefe aufgefaßt, hier auszusprechen. Gerügt, ernstlich
gerügt muß cs aber werden, mit welcher Kühnheit sich der Re¬
censent unterfängt den Geist desselben zu entstellen; noch mehr
aber die boshafte Deutung, die er dem Verfasser jener Briefe
unterzulcgen sich bemühet.
So wirft er dem Verfasser vor, er beabsichtige das Volk
stolz, faul, unfähig zu machen. Eine langweilige Tiradc, worin
er mit Reaktoren, falscher Frömmigkeit, Heuchelei rc. um sich
wirft, endigt sich mft der boshaften Frage: »Warum soll der
Handwerker, der Handlanger arbeiten, wenn er so viel zu stu-
diren hat?«
Der Recensent macht sich wahrhaft lächerlich, wenn er glaubr,
dem Publikum weis machen zu können, die Absicht jenes geistreichen
und redlichen Verfassers sei, das Volk von Thätigkeit abzutzaltcn.
— Doch wir wollen den Verfasser selbst sprechen lassen; es wird
sich dann Herausstellen, wer sich schändliche Wort- und
Sinnverdrchungen zu Schulden kommen läßt.
Seite 18. sagt der Verfasser: »Nur wirkend kennst Du Gott
in Liebe und Gerechtigkeit; nur zur Wirksamkeit in Liebe
und Gerechtigkeit bist Du berufen.«
S. 23. »Sie haben recht,,daß, auch nur die Fähigkeit des
Menschen betrachtet, sein Beruf zum Wirken sich herausstellr.
Nehmen Sic zu dem von Ihnen Bemerkten noch hinzu, sein zur
Umsicht und Aufsicht aufrecht getragenes Haupt, seine zum Bilden
gegliederte Hand, seine Geisteskraft, ausreichend die Dinge zu
erkennen, insofern sie ihm als Mittel zum Wirken dienen, rc. rc.
S. 24. Weder Gort, noch Sklave soll er (der Mensch) sein
seiner Erdenwell, sondern Bruder, mitdienender Bruder
als Erstgeborner nach Art und Umfang seines
Dienstes; rc.
Am klarsten spricht sich aber der Verfasser, in dieser Beziehung,
S. 73. mit einer Kraft aus, die auch nicht den geringste« Zweifel
über seine Ansichten in dieser Hinsicht übrig läßt.
I »Mißverstandener« sagt er das. -durch von außen cingeschwärzren
[ Mißverstand, mißbcgriffener Namen Choßid (der Fromme) Choßid
ist der, der sich ganz in Liebe hingiebt, sich nicht selbst vertritt,
seine Ansprüche aufgiebt an die Welt — um ganz nur für die
Welt, .im Lebens wirken thätigzu leb cp; nicht also ..sich zurück¬
zieht von ihr, sondern gerade nur ganzin ihr und mit ihr und
für sie lebt, u. s. w. aber ein von der-Welt zurückgezogenes blos