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II. Jahrgang. ALlgAMML N». 124 .
Zeitung des Zudenthums.
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uupartheiischrs Organ für alles jüdische Interesse.
(Mit König!« Sächsischer allerqnä'digster Concefftoir.)
Leipzig, den IO. Oktober 1838.
Zeitungsnachrichten
Stockholm, 25. Sept. Unterm 21. d. hat der Kö¬
nig ein Schreiben an den Oberstatthalter erlassen, bezüglich
auf das unterm 10. d. eingereichte Gesuch der 50 Acltesien
von Stockholm, die Verordnung vom 30. Juni, von der
die Petenten einen wesentlichen Einstuß auf die Betreibung
bürgerlicher Gewerbe in Schweden besorgen, so wie die Nicht¬
zulassung ausländischer Bekenner des mosaischen Glaubens
zur Niederlassung und Nationalistrung in Schweden betref¬
fend. Der König erklärt, daß er durch die Verordnung in
Betreff derJsrattiten nur ein ihm zustehendes Regierungsrecht
ausgeübt habe, bezieht sich deshalb auf §. 89 der Konstitution,
und findet sich, in Betracht, daß in den Letzten zehn Zähren
nur 12 ausländische Juden Erlaubniß zum Aufenthalt im
Reich erhalten und nur drei zu schwedischen Unterthanen
ausgenommen worden, welche Letztere sich wahrend ihres tan¬
geren Aufenthalts im Reiche durch nützliche Wirksamkeit
und achtbare Aufführung ausgezeichnet hatten .— veranlaßt,
auf das erwähnte Gesuch kerne weitere Antwort zu ertheilen,
als daß er, wie bisher, den schwedischen Gewerbtreibenden
und allen Einwohnern des Reiches allen den Schutz und
Schirm gegen die Einwanderung von Ausländern, gleichviel
welches Glaubensbekenntnisses, angedeihen lassen werde, der
den Umstanden angemessen erscheinen und dem Grund¬
gesetze, so wie dm Vortheilen der Gewerbtreibenden und dem
wahren Wohl des Staates entsprechen dürften. Dieses K.
Rescript ist bereits vom 14. d. datirt und von Hm. Mun-
the contrasignirt. — Desgleichen ist eine vom 21. d. datirte
K. Bekanntmachung erschienen, wonach diejBekenner des mosai¬
schen Glaubens, sowol einheimische als auswärtige, falls selbige
zu schwedischen Unterthanen ausgenommen worden oder noch
werden dürften, sich an andern Punkten als in Stockholm,
Gothenburg, Norkjoping und Carlscrona niederzulassen wün¬
schen, sich mit einem desfallsigen Gesuch an den König zu
wenden haben, welcher nach Vernehmung der Bürgerschaft
und der Beamten des betreffenden Ortes, über die Zulässig¬
keit des Gesuches entscheiden wird. Solche Israeliten, die
sich mit K. Erlaubniß im Reiche aufhalten, dürfen sich nur
in den vier benannten Städten niederlassen. Im Uebrigen
gelten für solche Israeliten, die in der Stadt, wo sie Er¬
laubniß zur Niederlassung erhalten haben, Handel, Hand¬
werke oder sonstige bürgerliche Gewerbe ausüben wollen, die
allgemeinen Vorschriften; doch haben die Beamten bei sol¬
chem Anlaß mit den respectiven Handels-, Handwerks- oder
Fabrik-Zünften Rücksprache zu nehmen. (Hamb. Corr.)
Köln, 11. Sept. Zn der Arbeits-Anstalt zu Brau¬
weiler befanden sich im Jahre 1837: 1198 Detinirte, wo¬
von außer 8 Juoen, 107 evangelischer, die übrigen katholi¬
scher Eonfession.
Prag, 27. Sept. In jetziger Zeit, wo leider so Man¬
ches daran mahnt, daß Duldung und Glaubensaufklärung
noch nicht so sehr befestigt, und die Tendenzen der Finster-
! linge noch nicht in dem Maße beseitigt sind, als dies zu
wünschen wäre, ist es eine gewiß erfreuliche Wahrnehmung,
daß sich das schöne Vermachtniß des großen Kaisers, seine
Toleranzverfügungen, bei uns nicht nur ungeschmälert er¬
hielt, sondern, wie jedes weise Gesetz thut, sich mit der
Sinnesart des Volkes verschmolzen hat. Einen abermali¬
gen Beleg hierfür liefert die in unserer Vorstadt Karolinen¬
thal jüngst Statt gehabte, auf den dem mosaischen Cultus
angehörigen Fabrikbesitzer Jerusalem gefallene Wahl eines
Gemeindereprasentanten. Bedenkt man den Einfluß, den die¬
ser Posten auf die ökonomischen Mittel der Commun und
deren Verwendung hat, so liegt in dieser Wahl eine ebenso
ehren- und vertrauensvolle Anerkennung der vielseitigen bür¬
gerlichen Verdienste des Gewählten, welcher übrigens seit
Jahren schon dem dortigen Armenwesen und der Kleinkin¬
derbewahranstalt rühmlich vorsteht, als sie die tolerante Ge¬
sinnung der Gemeinde bezeugt, und zwar auf eine um so
bedeutsamere Weise, da diese Vorstadtgemeinde meist aus
Handwerkern besteht, sich gerade nicht durch höhere Bildung
auszeichnet und überdies unter obrigkeitlicher Jurisdiction
des Klosterordens der Kreuzherren steht, deren Vorstand aber
freilich insbesondere unfern westlichen Landesnachbarn als ein
nachahmungswürdiges Beispiel christlich-priesterlichen Verhal¬
tens und Wirkens empfohlen zu werden verdient. (L.A.Z.)
Hechingen, den 26. Sept. (Privatmitth.). Am 13.
d. M. starb Unser durchlauchtigster Fürst und Herr Frie¬
drich Herrmann Otto in Folge eines wiederholten
Schlaganfalles, im 63sten Jahre seines Lebens. In dem
Programm über die Trauer- und Beisetzungs-Feier war in
Beziehung auf die Ordnung bei dem Leichenbegängnisse
nicht vorgemerkt, daß auch eine Deputation der iscael. Un¬
terthanen dem Leichenzuge zu folgen habe. Der Rabbine
Dr. S. Mayer und die Gemeinde-Vorsteher fühlten sich zu¬
rück gesetzt, und wandten sich deshalb an die Fürstl. Re¬
gierung, welche auch, sobald sie vernahm, daß die Israeliten
nicht nur in ihrem religiösen Gewissen sich nicht beschwert,
sondern vielmehr verpflichtet halten, dem verewigten Landes¬
regenten den letzten Ehren- und Liebesdienst zu erweisen, die
Anstalt traf, daß eine Deputation von 12 Personen, beste