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Lager stehen- so sähe ich jetzt schon Dein Schwert in der
Lust, und Deine trotzigen Schaaren an dem Feinde. Mö¬
gen tapste Männer immerhin das Recht haben, sich hoch über
andere zu stellen, aber über des Vorgesetzten Haupt sollen
sie nicht die verwegene Stirn erheben. Das duld' ich nicht,
in meinem Heere nicht, Dich rief ich zum Rath, weit ich
Dich hoch genug achte, aber Du willst nicht rathen, son¬
dern befehlen, weil Du Dich zu hoch achtest. Geh', und
erwarte meine Befehle.
Mithradates, sprach der Jude mit starker drohender
Stimme, und legte die nervige Faust an den Griff seines
Schwertes. Aber als er seinen funkelnden Blick durch den
Kreis der Anwesenden schweifen ließ, und überall Schrecken
und Mißbilligung über sein kühnes Auftreten sichtbar ward,
da kehrte die Besonnenheit zurück, und indem er das
Schwert in die Scheide zurückstieß, verbeugte er sich gezie¬
mend vor dem Feldherrn, und kehrte zu den Seinen zurück.
Ich gehe, sagte er scheidend, aber Du rufst mich bald ge¬
nug zurück.
Die syrischen Feldobersten zitterten über Antipaters Trotz,
und wagten den Blick nicht zu dem Befehlshaber zu erhe¬
ben, aus Furcht, Gegenstand seines Zorns zu werden. Aber
sie irrten sich in Mithradates Charakter, welcher viel weni¬
ger despotisch war, als man von einem asiatischen Macht¬
haber hatte erwarten sollen. Nur gegen Antipater war er
jetzt aufgebracht, gütig gegen die Uebrigen, und ohne ein
herrisches Wort zu gebrauchen, befahl er, Anstalt zum
Sturme zu treffen. Die Feldherren entfernten sich schwei¬
gend, und im Kurzen stand das ganze Lager unter Waffen.
Indessen rückten die ungeduldigen Feinde von neuem
zum Kampfe heran, und schon stritt man um die Ver-
schanzungen, als Mithradates mit seiner gesammten Macht
hervorbrach, und den linken Flügel der Feinde heftig angriff.
Ueberrascht wichen diese zurück, und mit Schmerz bemerkte
Antipater, welckftr langsam gegen den rechten Flügel vor¬
drang, wie unvorsichtig schnell und kühn der Syrer den
Weichenden nachfolgte. Er mahnte die Seinen zur Ruhe
und Mäßigung, und fand bald Gelegenheit, sich von den
guten Folgen dieses Zauderns zu überzeugen. Mit der
größten Wuth entbrannte der Kampf auf dem rechten Flü¬
gel der Syrer, und immer mehr drängte sich die Macht der
Feinde auf diesem Hauptpunkte zusammen, wahrend Anti¬
pater gegenüber nur eine verhaltnißmaßig starke Schaar ste¬
hen blieb. Bald wankte indeß die Schlachtreife der Syrer,
und Antipater sah' seine Prophezeiung eines unglücklichen
Ausgangs schon halb erfüllt, denn gegen die Uebermacht
war im offenen Felde kein Sieg zu hoffen. Dennoch mußte
ein schleuniger Rückzug in das Lager die größte Gefahr
bringen, und darum beschloß er, den ihm gegenüberstehenden
Haufen schnell zu werfen, und dann die Hauptmacht in
der Flanke zu fassen. Mit unwiderstehlicher Gewalt stürmte
das jüdische Fußvolk und die arabische Reiterei aufdie Aegyp-
ter ein, und jagte die halb Sorglosen in einem raschen An¬
griffe auseinander. Wol suchten die Anführer ihre Krieger
von neuem zu ordnen, allein die Pfeile der Araber ver¬
mehrten mit jedem Augenblicke die Verwirrung, und bald
zerstreute sich Alles auf der Ebene, um auf Umwegen das
Hauptheer zu erreichen. Von diesem hatte Antipater sie
mit aller Gewalt und Kunst abzuschneiden gesucht.
Aber der Tug war für die Aegypter noch immer unver¬
loren, denn auf dem linken Flügel kämpften sie siegreich
und vordringend. Die Syrer wichen. Unordnung schritt
vernichtender durch ihre Reihen, als der Feinde Schwert,
und Mithradates gedachte zaghaft an Antipaters Worte.
Nur der Zorn hatte ihm Vertrauen zu sich eingeflößt, der
Anblick seiner weichenden Schaaren zerstörte es gänzlich.
Durch einen möglichst guten Rückzug glaubte er allein zu
seinem Ziele zu gelangen, und eilte durch die Reihen der
Weichenden, um wenigstens den Schein von Ordnung her¬
zustellen. Aber die Aegypter stürmten, von Roß und Wa¬
gen und Siegesahnung getragen, immer wilder herein.
Dahin stob ein Haufen der Syrer und dorthin. Einzelne
Führer kämpften noch mit den Tapfersten zusammengedrängt.
Die Glieder des Heer's waren zerrissen, der Geist daraus
entwichen, das Haupt rathlos. Siegsgeschrei der Aegypter
zitterte furchtbar durch der Syrer Herz. Mithradates war
außer sich.
Da mit einem Male sieht er die Bewegung der Feinde
stocken; ihr Jubel verstummt vor wildem Kampfgeschrei; es
entsteht eine Lücke zwischen Verfolgern und Verfolgten. Zu
den Waffen ruft er mit neuem Lebensmuthe, und sein Ruf
geht von Mund zu Mund. Bald ist der Kampf wieder
zum Stehen gebracht. Syrische Lanzen und Schwerter
strecken sich vorwärts.
Antkpater hatte seinen Plan mit Geschick und Muth
ausgeführt. Unerwartet hatte er die Feinde im Rücken und
in der Flanke genommen, und der zermalmende Schrecken
schritt als mächtiger Vorkämpfer vor der muthigen Schaar
einher. Mit ihm im Bunde freilich Antipater selbst und
der gewaltige Eleazar und alle die jüdischen Kampfer, welche
sich heute unter ihren beiden ritterlichen Anführern unüber¬
windlich vorkamen. Unüberwindlichkeit aber besieht fast ganz
allein in dem festen Glauben Aller daran, und kommt und
geht daher gewöhnlich mit einem Siege oder Verluste.
Bald hielten die Aegypter jeden Widerstand für Tollkühn¬
heit. Die racheschnaubmden Syrer fanden nur noch kraft-