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Aeg. einzuschreiten für Israel, um es sieg-reich vom Skla- >
vMjoche zü befreien ? Wann aber begönne der Herr, i
ohne §n vollendend Bei Ihm ist der Anfang die Bürg- -
schaft des Endes. Bei ihm ist keine Aendernng des Wil- !
lens, kein Wandel des Vermögens. Er will siegen 1
durch Israel über das Heidenthum der Menschen! !
Fassen wir nun unseren Gegenstand, den Sieg Is¬
raeli naher Ln's Auge, so sehen wir die Ideen und Leh¬
ren unserer Religion die Herrschaft erlangen zuerst im
Allgemeinen und Aeus; erlichen.
Wenn Ihr wandert vom Orinokko, der in das West-
mecr stießt, bis zum Kaspischen Meere, das im fernen
Asia seine Wellen strömt, so weit Euer Fuß das Land
beschreiret, Ihr tretet ein in eine Schule, wo die Kind-
leiu versammelt sind, von welchen Geschichten vernehmet
Ihr da? Sind es nicht die Geschichten Eurer Vater?
Abrahams Gottergebung, Jizchaks Frömmigkeit, Jakob's
Kämpfe, Moscheh's Kraft, Josna's Sieg, David's Ver¬
folgung, Salomon's Weisheit, davon hört und weiß zu
erzählen der geringste Torfknabe, wie der tiefgelehrte
Mann auf dem Lehrstuhl. Wer Nichts weiß von den
Begebenheiten der ganzen Menschenwelt, von unseren
weiß er; mehr als die deutsche Geschichte lernt der deut¬
sche Knabe die unsre, mehr als die englische der Sohn
Englands die unsere, als wenn unsre Vater Aller
Väter gewesen. — Wenn Ihr eintretet in eine winzige
Torfkirche, oder in den hohen Dom, darin der König
sein Knie beuget vor dem, der höher ist als er, und es
steigen Lobgesänge auf, die dem Vater danken, und den
Heiligen preisen: wessen sind diese Gesänge. Sind es die
vielgelobren Lieder der Griechen und Römer, sind es der
Volker eigene Psalmodieen? Nein, es sind unsre Ge¬
sänge, die unser Volk geschaffen; es sind David'S, As-
savh's, Korach's heilige Lieder, nicht können sie beten
und singen ohne sie. — Und wenn Ihr dann wieder ein-
tretet — welches Buch lieget auf ihren Altären? unser
Buch der Bücher. Und wenn ihre Redner kommen, und
wollen starken Geistes reden, reden sie nicht mit unserm
Jesaias? und so sie weise reden wollen, nicht mit Salo-
ruori's Sprüchen, und so sie sittlich reden wollen, nicht
mit Hiob's Worten? In alle Sprachen sind sie über¬
tragen, und so wie die gesittete Welt zu den rohen Völ¬
kern kömmt, das erste was sie diesen bringt, ist: die
Schriften Israelis; mit diesen beschäftigen sich die Ein¬
fältigen, mit diesen die Gelehrten, Tag für Tag schlagen
sie ne auf, und verbreiten sie immer mehr und weiter.—
So hat unsere Geschichte alle andere Geschichte ver¬
drängt, unsere religiösen Gesänge alle anderen Gesänge,
ukrftxe SKebfcf* alle aucksren Mrd§n, Mser .Brüh Me an¬
deren Bücher, unsere VVeishett Me an-dere Weisheit. Und
das wäre kein Sieg? — Es ist wahr, von jeher standen
Etliche auf, die wider unsere Geschichte, Bücher und
Lehren ankämpften, die die alten Ideen der menschlichen
Heidenwett aufrecht erhalten wollten; ja, auch in unsrer
Zeit standen Etliche auf, und kämpften dagegen, und
wollten unsere Schrift zerreißen, ihr Ansehn vernichten,
ihre Lehre entwaffnen — aber sie falten immer wieder m
Nichts zurück, und aus jeglichem Kampfe gehet der Sieg
unsres Geistes immer siegreicher hervor, bis er dereinst
zur allgemeinen Herrschaft gelangen wird. „Unsres
Geistes/' sage ich. Denn das ist ja das Hochherrlichste
an unsrem Kampfe, m. Br., wie an unsrem Siege, daß
es kein Kampf mit dem Schwerte ist, und kein Sieg,
der Blut kostet. Es ist eine Schlacht der Gedanken,
es ist ein Sieg, wo der Ueberwundene das Meiste ge¬
winnt, wo der Besiegte und Gefangene das Land Gottes
erlangt, das Reich der Wahrheit, die Flur der Frömmig¬
keit, 'den Garten der Gerechtigkeit, die Blumenbeete der
Liebe und des Friedens. £>, wohl, ui. Br., der Sieg
Israeli lüget nicht und wird nicht umgewaudt!
2) Wie aber im Allgemeinen und Aeußerlichen, so
haben die Lehren und Ideen unserer Religion die Herr¬
schaft erlangt, und erlangen sie immermehr auch im Be^
sonderen und Innerlichen. Sehet da, m. Zuh.,
seitdem das Wort des Herrn ertönte, ist eiu alter, hart¬
näckig fortgesetzter Kampf vorhanden zwischen der Offen¬
barung und dem Heidentbum, d. i. zwischen dem gött¬
lichen Worte, in welchem die Erkeuntuiß und das Recht
enthalten ist, und der trügerischen Weisheit des Menschen,
die selbststäudig die Wahrheit suchet, aber zwischen Wahr¬
heit und Jrrthum unaufhörlich schwanker. Ter Kamps
ist heftig, aber der Sieg nimmer unentschieden. Einen
Punkt nach dem andern muß das Heidenthum der Men¬
schen dem göttlichen Worte nachgebeu. Lasset uns Nach¬
sehen. Was, m. Zuh., ist die Grundlage alles Rechts,
ist die Grundlage aller Gesetzgebung geworden bei al¬
len Völkern, wenn nicht jene Zehn-Worte, die vom
Sinai herab der Herr unsere Väter vernehmen ließ? £\
man wußte dies und jenes aus ihnen wol auch vorher,
aber so unbestimmt, so schwankend und so unsicher; was
bei dem einen Volke Recht, war bei dem andern Un¬
recht, was bei dem einen bestraft, ward bei dem anderv
belohnt. Aber seitdem es also ausgesprochen worden, aic>
ein sicheres, bestimmtes, schwankungsloses Gesetzeswort.