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auch Mlnhog nennt, und man also noch controversiren >
könnte, so stehen hier zum Ueberstuß noch fh und ]
die, wenn der Vertheidiger sie auch nur dem Namen nach
kennt, er gewiß doch für anerkannt tüchtige Talmudisten
wird gelten lassen, und die beide ausdrücklich für diese
Feier eine förmliche, volle Thekanah behaupten. - „Wie" ar-
gumentirt fi im aViV ^O) gegen R. Tham, „wie,
weil dort Minhog erwähnt wird, bringt er diesen Fall hier
zum Beweise? Isis denn dort nicht ganz eigentlich eine
Thekanah, denn es heißt '121 inbü, woraus doch
'hecvorgeht, daß da von einer festen Thekanah (rr:pn
J-iinsp) gesprochen werde, daß sie den Minhog ihrer «Väter
fortsetzen sollten u. s. w." Siehe das. — Eben so «atn
zu erklärt die Feier des zweiten Festtages aus¬
drücklich als förmliche Thekanah.' Siehe, "das.
Aber die gravirendste Schuld liegt ja in der zweiten und
dritten Rüge. Was sagt unser Vertheidiger zu ihnen?
Nichts. Und noch weniger als nichts, ad 2) meint er,
Nathan bar Assi, theile mit Andern gleiches Schicksal, die
mit schweren Bannflüchen wegen Dinge beladen wurden,
über welche sich jetzt >die eifrigsten Anhänger des Talmuds
hinaussetzen. Aber, du lieber Himmel! Ist denn, wenn
das auch so wahr wäre, wie es nicht ist, ist denn darum
die Thariagbehauptung: die Verf. des Talmuds hätten sich
selbst nicht alle in die Feier des zweiten Festtags gefügt,
etw'a.minder eine vollendete Unwahrheit? — Und ad 3)
meint der Vertheidiger, wenn ich mit dem Blicke eines ge¬
übtem Talmudisten die besprochene Stelle im Talmud stu-
dirt hatte, es..würde mir nicht entgangen sein, daß die dort
eingeräumte Milderung uns noch eher zugestanden werden
muß u. si w." Gebe der Himmel meinem Blicke alle die
Geübtheit, die ihm Noch mangelt! Aber dazu gehört keine
Geübtheit einzusehen, daß weder als ausdrücklicher Talmud¬
ausspruch, wie Lhariag behauptet, noch als Folgerung, wie
der' Vertheidiger bemänteln will, der Satz auch nur ein
Fünkchen Wahrheit habe. Wohl aber scheint eine Manchem
mangelnde Wahrhaftigkeit dazu zu gehören, selbst offenbare
Mißgriffe einzugestehen. ' ■
VIII. Tharkag S. 154 wird der sein sollende Wortsinn
der Stelle Deuteron. 17, 8 gegen die talmudische Erklärung
geltend gemacht. Die Mittheilungen wiesen dagegen S.
18 nach, daß der einzig richtige Wortsinn der Stelle mit
der talmudischen Erklärung übereinstimme. Widerlegt der
Vertheidiger meine Nachweisung? Nein, er weist nur auf
die Mendelsohnsche Uebersetzung hin, die mit der Tharkag-
Erklarung übereinstimmt. Heißt das widerlegt und ver-
theidigt?? •
I • IX. Thaciag S. 162 hatte in Bezug auf die nidpn
I und rrnn unserer Weisen gelehrt: „desto sicherer steht jeder
einzelnen Gemeinde die Befugniß zu.... Einrichtungen ab¬
zuschaffen, bei welchen das Volk nicht bestehen kann." Die
Mitlheilungen hatten 19 dies, mit Ausnahme von lo¬
kalen und von auf Mein und Dein bezüglichen Einrichtun¬
gen, geradezu in Abrede gestellt, und gezweifelt daß Herr
Di*. C. auch .nur einen Schein von Beweis für diese so
sichere Behauptung geben könne. Der Vertheidiger sagt
.nun: „Die Behauptung im Thatiag daß jetzt jede einzelne
Gemeinde, berechtigt ist, religiöse Einrichtungen jeder Art
einzuführen und abzuschaffen, findet sich wörtlich in dem
Gutachten des R. Alaschkar No. 34." Zu meinem in¬
nigsten Bedauern bin ich nicht im Besitz dieses Gutachtens
und habe auch bis jetzt noch keine Abschrift davon, um die
sch mich in Hamburg bemühet, erhalten. So stark ich da¬
her auch vermuthe dieses Citat sei ganz dem unter No. III.
citirten «»"1 gleich, weil unmöglich R. M. Alaschkar etwas
ausgesprochen haben könnte, das mit Allem, was im Ju¬
denthum als Gesetzautorität gilt, im strengsten Widerspruch
steht, so bin ich doch bis jetzt leider aus Mangel des Bu¬
ches, nicht im Stande Selbstüberzeugung und Gewißheit
-darüber zu erlangen. Gesetzt aber auch, dieser von Allem,
was alle übrigen Gesetzautocitäten als Norm erkennen/ wi¬
dersprochene Satz fände sich in einem Gutachten des R.
Alaschkar, wäre dann Herr vr. C. berechtigt gewesen, ihn
in.dem Thariag als geltende Norm zu lehren und noch dazu
mit solch entschiedener Gewißheit? Mit Nichten! So lange
noch Ernst und-Besonnenheit, Gründlichkeit und Gewissen¬
haftigkeit in jüdischer Wissenschaft heimisch war, so lange
galt der Ausspruch einer Gesetzautorität nicht gegxn den
Ausspruch Vieler, geschweige denn, wie hiergegen den Aus¬
spruch Aller, geschweige denn, so lange nicht gesetzwissen-,
schastlich nachgewiesen, daß alle Uebrigew auf entschiedenem
Jrrthum beruhen! Aber freilich, seitdem das Studium jü¬
discher Wissenschaft nur Handlanger zum Umsturz jüdischen
Lebens sein soll, seitdem hascht man, gerne auch nur jeden
isolirten Ausspruch eines Einzigen auf, und drückt mit Be¬
wußtsein das, Auge zu über alle Uebrigen. Ich will nicht
fragen: ist das Gewissenhaftigkeit, aber ich frage-: ist das
Wissenschaftlichkeit?
Mein Pensum ist zu Ende. Möge es das letzte Mat
sein dürfen, daß ich solch dreister Richtigkeit mit dem Worte
schonungsloser Härte, entgegen treten mußte. Denn was
sollte das. Ende sein, wenn nun wieder ein Vertheidiger
aufträte, und mit derselben Wissens- und Gewissenslosigkeit
diese Vertheidigung vertheidigke- wie sie die Vertheidigung