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■ke.it_w.id ersta n.d s f ä^hi g e r h alte n soll. ' ' •
, c) S,o c i a 1 jftth^'fiie a t-&t uns das Judenthum
nicht eine Institution, in welcher Bettel¬
wohl t h ä t £ g k e i t u>m öffentliche Anerkennung
ausgetauscht wird; es ist uns nicht die Do¬
mäne einer capitalistischen Minderheit, in
welcher der Classenlcampf bei Strafe der
Wohl t. ha tenent Ziehung verboten ist; es er¬
scheint, uns vielmehr als sociale Vielheit
innerhalb der nationalen Einheit — eine
Vielheit, deren Kräfte spiel nur durch die
Notwendigkeiten des jüdischen Ausnahm s-
zustandes eingeschränkt wird, nicht aber
durch brutale Ausnutzung einer momenta¬
nen Uebermacht.
4. Diese Auffassung vom Judenthum und seinen
Lebensformen lässt keinen Zweifel über unsere Stellung
zu den mchtzionistischen Gruppen innerhalb unseres
Volkes zu. Darnach erklärt der zweite österreichische
Zionistentag in Bielitz:
I. Die österreichischen Zionisten be¬
kämpfen jedejüdische Organisation, welche
Wohlthätigkeit, wirtschaftliche Organisa¬
tion,Politik in ausschliesslich jüdisch-co ii~
fessionellem, jüdisch-staatsbürgerlichem,
nicht ab er jüdisc h-n ationalem, das ist zioni¬
stischem G e i s t e b e t r e i b e n.
IL Unbeschadet dieser gegen die nichtzionistischen
Principien sich richtenden scharfen und compromisslosen
Opposition unterstützen die Zionisten mit gleicher
Energie:
a) Alle jüdischen Wohlthätigkeitsinsti-
tutionen, soweit dieselben nicht in ihrer Form zur
nationalen oder social-freiheitlichen Auffassung des zionisti¬
schen Judenthums in Widerspruch stehen;
b) a 11 e wirtschaftlichen Hilfsactionen,
welche die Beschaffung von Arbeitsgelegenheit, die Organi¬
sierung von Classen und Berufen zum Gegenstande haben,
doch abermals mit dem Vorbehalte, dass diese Bestrebungen
sowohl national als auch social würdig sind und vor allem
nicht dazu dienen, aus jüdischen Arbeitslosen jüdische
Lohnsclaven und Ausbeutungsobjecte zu machen ;
c) jede Politik, welche weder auf fremdnationaler
noch auf wässeriger kosmopolitischer, sondern auf jüdi¬
scher Grundlage beruht und dort einsetzt, wo nach Mass¬
gabe der. localen Verhältnisse die Möglichkeit besteht, auf
dem Wege der Politik eine wirksame Vertretung der
moralischen oder wirtschaftlichen Interessen des öster¬
reichischen Judenthums zu erreichen ;
d) alle jüdischen culturellen Arbeiten,
welche geeignet sind, Kenntnis und Verständnis des Juden¬
thums im modernen Sinne zu verbreiten und die schlum¬
mernden Keime jüdischer Nationalcultur zu entwickeln.
*
Nr. 7 : Thesen zum Referate über :
„Eine jüdisch-nationale Ackerbauschule in Palästina/'
Von Cultusrath Isidor Gewitsch.
I. In Anlehnung an Resolution II des Referates „Lage
der jüdischen Colonisten und Arbeiter" am Olmützer Partei¬
tage 1901, welche mit den Worten schliesst:
„Dass die Pionniere der zionistischen Bewegung in
Palästina bodenfest und sesshaft gemacht werden,"
nimmt der Bielitzer Parteitag die obligatorische Verpflich¬
tung der österreichischen organisierten Zionisten, für die in
Palästina zu errichtende nationale Ackerbauschule zur
Heranziehung"deines tüchtigen und bodenständigen Nach¬
wuchses an Colonisten mit allen Kräften zu arbeiten, in
Aussicht
II'."Diese! Mitarbeit ist zu lösten:
A) durch ideelle,
B) durch materielle Förderung,
ad A) :
1. Durch Besprechung des Gegenstandes in zionisti¬
schen Blättern oder auch anderen jüdischen Blattern, die
neuträle Haltung zeigen,
% Durch Behandlung und Agitation in Versamm¬
lungen.
ad B) :
1. Verpflichtung jedes in der Organisation stehenden
Vereines, für je 50 ordentliche Mitglieder einen Anteil¬
schein per 10 Francs zu erwerben.
2. Durch eine zu bestimmende Zeit hindurch 10% der
aus Oesterreich einfliessenden Schekel und Parteisteuer etc.
zur Anschaffung von Antheilscheinen zu bestimmen.
3. Durch Bildung eines speciellen, mit Rücksicht auf
den Zweck zusammenzusetzenden Schulfbnds-Comites, dem
die ganze Action unterstehe und das für sonstige Einnahme¬
quellen Vorsorge zu treffen habe.
*
Thesen zum Referate :
„Budget und Parteisteuer."
Von Samuel Mohr.
1. Das Incasso und die Verrechnung von Schekel,
Parteisteuer, Verschleissartikeln und dergleichen soll durch
einen besoldeten Beamten unter Aufsicht des Cassiers des
L.-C. geschehen.
% Ueber Aufnahme, Besoldung und Entlassung dieses
Beamten entscheidet das L.-C.
3. Von den Schekeln bleiben den D.-C. als Incasso
5%, dem L.-C. 20°/ 0 ; 75°/ 0 werden an das engere A.-C. halb¬
jährig abgeführt.
4. Die Schekel und Parteisteuer werden durch die
D.-C,, beziehungsweise deren Cassabeamten eingehoben und
vierteljährig, vom Tage des Parteitages au gerechnet, dem
L.-C. verrechnet.
5. Von der Parteisteuer bleibt dem D.-C. l j 3 ; 2 / 3 werden
dem L.-C. abgeführt, doch kann es dem D.-C. ein Mehr bis
höchstens 2 / 3 bewilligen.
6. Jeder Parteigenosse hat jährlich 1 Kr. Parteisteuer
zu zahlen.
7. Die Vereine sollen Schekel und Parteisteuer, wo¬
möglich zugleich mit den Vereinsbeiträgen der Mitglieder,
ein heben.
8. Den Vertrauensmännern obliegt in ihren Rayons
die Eintreibung der Schekel und Parteisteuer.
9. Bis zum 1. März jedes Jahres soll die ganze Partei¬
steuer abgeführt und verrechn'et sein.
10. Die Vereine berechnen die Parteisteuer nach der
Zahl ihrer Mitglieder zur Zeit des eben verlaufenen
Parteitages.
Correspondenzen und Telegramme.
Alliance israelite universelle in Paris.
Die Wahlen in den Vorstand finden am 11. Mai statt. Jedes
auswärtige Mitglied hat das Wahlrecht und ist seine Stimme auch dann
noch giltig, wenn das Postcouvert des Stimmzettels das Aufgabsdatum
des II. Mai hat. Wir empfehlen folgende Candidatenliste:
Zadoc Kahn, grand-rabbin, Paris
Jules Oppert, membre de l'institut „
H. Derenbourg, membre de l'institut
N. Pohl, rue de Techiquier „
S. D. C o h e n, rue de Provence
E. Cohen, rue de Provence „
M. Schornstei n, rue des Petites-Ecuries 55 „
Emile Levy, Avenue d'Eylau 4 „