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Nr. 34.
Wien, 22. August 1902.
6 Jahrgang
Jahreskonferenz laut § 21 des Organisations-Statuts/)
Die statutenmässige Jahreskonfereaz wird für den
29. October 1902, 10 Uhr vormittags nach Wien, IX. Bez.
Türkenstrasse 9, einberufen.
Tagesordnnng.
1. Situationsbericht des Präsidenten des A.-Ca
2. Allgemeiner Bericht über den Stand der Bewegung.
3. Kassabericht (Ref. Dr. Kokesch).
4. Einzelbericht über den Stand der Bewegung in
den einzelnen Ländern und Diskussion über die Punkte 1 — 3.
5. Bericht der ständigen Kommisionen.
6. Bericht über den Nationalfonds (Ref. Ingenieur
Kr em e n ezkyji
7. Bericht über die Legalisierung des Nationalfonds
(Ref. Dr. Färb stein).
8. Bankbericht.
a) Referent für das Direktorium Herr D. Wolff-
s o h n.
b) Referent für den Aufsichtsrath Herr Doktor
Kokesch.
9. Presse (Ref. Architekt O. Marmorek).
10. Budget (Ref. Dr. O. Kokesch).
11. Reorganisation der Kommissionen (Ref. Doktor
Tschleno w).
*) § 21. In dem Jahre, in welchem der grosse Kon-
gress ausfällt, findet die Jahreskonferenz statt. An dieser
beteiligen sich :
1. Die Mitglieder des grossen A.-C. und des Auf¬
sichtsrates der Bank,
2. Die Vorsitzenden der ständigen Kommissionen.
3. Das Direktorium und der Manager der Bank,
jedoch nur mit beratender Stimme.
Ueber alle Sitzungen der Jahreskonferenz wird ein
stenographisches 1 Protokoll geführt; es wird von diesem
dasjenige veröffentlicht, was die Jahreskonferenz für ge¬
eignet findet, zum Beispiel Referate, Vorschläge, Be¬
schlüsse u. s. w.
Das Schekel- und Rechenschaftsberichtsjahr endet
wie bis jetzt am 30. Juni. Das Wiener A.-C, die Vor¬
steher der verschiedenen Landsmannschaften und Distrikte
erstatten die Rechenschaftsberichte der Jahreskonferenz
ebenso wie dem Kongresse,
Judentum und Zionismus in Amerika.
Von J. de Haas (New-York).
Als ich ein Knabe war, hatte ich — trotz meiner
Lehrer — Mühe, es zu verstehen, warum Jonah Tarschisch
vorzog und es zurückwies, gegen Niniveh zu predigen. Ich
bin nach Amerika gekommen und nun verstehe ich des
Propheten Weigerung.
Ich erinnere mich, vor einigen Jahren in Niearaguaner
Zeitungen einen Angriff auf einen englischen Zeitungs-
Korrespondenten gelesen zu haben: Wie kann — so wurde
darin gefragt — wie kann ein Mensch, der bloss einige
Wochen in einem Lande weilt, über dasselbe ein Urteil
abgeben? Nachdem bloss sechs Wochen nach meiner An¬
kunft in diesem Lande verflossen sind, muss ich mich ver¬
teidigen. Aber ich glaube, dass der geübte Beobachter, der
aus der Ferne kommt und sein Leben dem Studium der
Psychologie der Massen geweiht hat, mehr von dem sieht,
was unter der Leute Nase vor sich geht, als sie selbst sehen
und verstehen.
New-York ist nicht Niniveh, aber es hat sicherlich alle
Zungen und nicht weniger Korruption als das alte Babylon,
Es ist eine enge in die Luft gebaute Stadt. Alle seine Be¬
strebungen gehen in die Höhe. Man findet Steinmas-sen^
wo man Wolken und Himmel zu finden hoffte. In der
Höhe solcher hohen Gebäude hat man das Gefühl von
Schwindel bei der Grösse der Distanz von der Mutter Erde.
Die Gebäude sind charakteristisch für das Leben und
alle Arten von Tätigkeit. Die Juden, welche immer Nach¬
ahmer sind., ahmen viel Amerikanisches nach, aber sie fin¬
den wenig Kredit bei den besten Faktoren des amerikani¬
schen Volkes.
In Westeuropa herrscht die Ansicht, dass die Zukunft
des Judentums in Amerika liege. Ich habe das nie ge¬
glaubt. Heute bin ich darüber vergewissert: das Judentum
hat hier eine' Zukunft, die des Grabes.
Ich betrachte Religion als einen wesentlichen Bestand¬
teil des Volkslebens und beurteile sie darnach. Die auf¬
fallendste Erscheinung, welche das amerikanische Juden¬
tum auf den ersten Blick bietet, ist die von allen Seiten zu¬
gegebene Tatsache, dass das Judentum immer seichter
wird, je mehr man nach Westen kommt.
Hier in New-York kann man drei verschiedene
Formen des Judentums beobachten: die Reform-Juden/