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fest, sondern eine Macht, stärker noch als die, welche im
Mittelalter seine Väter hinter Ketten wies, die des Dollars.
Er ist zu arm, um in anderen Stadtteilen zu leben, als
diesem ärmsten von New-York "
Ein preisgekrönter jüdischer Komponist. Der von der engli¬
schen Zeitschrift „The Artist* ausgesetzte Preis von
Pfd. Sterl. 100 (2500 K) für einen Krönungsmarsch für
Orchester ist dem Komponisten Mr. J. D a vi s in Birming¬
ham zuerkannt worden. Er ist dort Professor für Klavier
an der Midland Institution of Music. Von den früheren
Kompositionen Mr. Davis' fanden besonderen Beifall
eine symphonische Dichtung „Die Cenci*, und das Vor¬
spiel zu den „Blinden" von Maeterlinck. Die Oper
„Die Kosaken" wurde vergangenen Winter in Antwerpen
aufgeführt Mr. Davis ist in den DrMssigern.
Die egyptiscfien Plagen. In der letzten Nummer der hoch¬
angesehenen Londoner populär - wissenschaftlichen Zeit¬
schrift „Globe" erstattet Mr. W. St. Chad ßoscawen
Bericht über einen Papyrus aus dem Jahre 74, welcher eine
Kopie eines älteren Manuskriptes ist. Mr. ßoscawen
zeigt, dass sich aus diesem Schriftstücke ganz merkwürdige
Parallelen ergeben zwischen den Prahlereien der äthiopi¬
schen Magier über den Zauber, den sie von Egypten ab¬
gewendet haben und dem Berichte der Bibel über die
Plagen, die Gott über Pharao und sein Land gesendet hat
Konzert der Kolonisten von Rischon le Zion. Diejenigen,
welche an der geistigen Entwicklung der palästinensischen
Juden teilnehmen, werden sich freuen, zu hören, dass kürz¬
lich in Jaffa ein Konzert der musikalischen Gesellschaft der
Kolonie Iiischon le Zion stattfand. Unter den anwesenden
Gästen befanden sich die Spitzen der Lokalbehörden, die
Konsuln und alle Notabilitäten der Stadt. Die Darbietungen
wurden mit grossem Beifall aufgenommen. Zur Aufführung
gelangten Stücke aus folgenden Opern : „Karmen", „Robert
der Teufel 11 , „Morituri", „fFannhäuser", „Faust", „Wilhelm
Teil" und anderen.
Bücher- und Zeitschriften-Rundschau.
Das Zentral - Organ der jungtschechischen Partei, die
„Närodni Listy", bringt in seiner Nummer vom 13. d. M.
einen streng sachlichen Bericht über die zionistische Be¬
wegung in Russisch-Polen (Sionistä v ruskem Polsku),
dessen Ziffern gute Information zeigen. Wir bringen ihn
teilweise in folgendem übersetzt:
„In Lodz wurde ein Parteitag der Zionisten (jüdischer
Nationalisten) abgehalten, der mit einer deutschen Rede
eröffnet wurde. Der Referent erstattete einen Bericht über
den Aufschwung der zionistischen Bewegung' in Russland.
In Lodz allein bestehen 21 zionistische Vereinigungen, von
denen „Agudas Zion* es sich zur Aufgabe macht, für. den
Zionismus Propaganda zu machen und ihm durch öffent¬
liche Diskussionen mit Gegnern Anhänger zu gewinnen.
Grosse Fortschritte hat auch der Zionismus in Kolo,
Zaverzi, Sosnowice, Radom, Kaiisch, Noworadomsk und
Bendin gemacht. Die eifrigsten Kämpfer des Zionismus
sind die jüdischen Studenten, welche in allen Schichten der
Bevölkerung den Boden „zur Rückkehr zum Judaismus"
vorbereiten. Ein weiteres Referat behandelte die jüdische
„Volksbank". Der Parteitag beschloss, dass die Verbreitung
der Aktien dieser Bank zu den ersten Aufgaben der
Zionisten gehöre. Am. 22. August wird in Minsk ein
„Allrussischer zionistischer Parteitag" abgehalten werden."
Dasselbe Blatt widmet der Bedeutung des verstorbenen
jüdischen Bildhauers Antokolskij mehrere Spalten,
etwas seltsam bei den antisemitischen Allüren des Blattes.
Das „Baseler Volksblatt", Organ der Katholiken Basels,
bespricht in einer Artikelserie die rumänische Judenfrage
vollkommen objektiv und mit Sympathie für die unglück¬
lichen Verfolgten.
Das böhmische Distrikfcskomitee gab die Broschüre
„Zionismus" von Dr. Max Nord au in böhmischer Sprache
heraus. Eine instruierende Broschüre über den Zionismus
in böhmischer Sprache war ein grosses Bedürfnis.
Von der im Verlage „Tuschijah" erscheinenden neuen
Jargon-Wochenschrift „jüdische Volkszeitung* liegen uns die
ersten sechs Nummern vor. Das Blatt ist äusserst lebendig
und volkstümlich redigiert ; gemäss den Bedürfnissen der
grossen Massen des jüdisch lesenden Publikums ist es
durchgehends punktiert. Es braucht nicht erst gesagt zu
werden, dass diese neue periodische Publikation des Verlages
„Tuschijah" gut zionistisch ist. Aus dem Inhalt der letzten
drei Nummern verdient besonders die Artikelserie von
Dr. Ch. D. Horowitz über das Wesen und die Aufgaben
der Jüdischen Kolonialbank hervorgehoben zu werden.
Ein Novum in der jüdischen Publizistik ist die eben¬
falls vom Verlage „Tuschijah" herausgegebene Jargon-
Wochenschrift „Jüdische Frauenwelt 11 . Sie will den jüdischen
Frauen, die keine andere Sprache als den Jargon kennen,
praktische Kenntnisse auf dem Gebiete des Hauswesens, der
KinderpflegeundKindererziehungvermittelnund einen guten,
von jüdischem Geiste erfüllten belletristischen Lesestoff
bieten. Die Nummer 5 dieser Zeitschrift weist folgenden
Inhalt auf: Sarah Zuckermann: An unsere Mütter. —
Die Frauenwelt: 1. Allgemeine Nachrichten. 2. Jüdische
Neuigkeiten. — Schalom Asch: Eine Mutter (Skizze). —
S. Belenky: Frauen von Anno dazumal(Schluss.) — Wie
sollen wir unsere Kinder vor ansteckenden Krankheiten
bewahren? — Für die Hausfrau: Küchenrezepte für
die „neun Milchtage". — Allerlei : Jüdische Frauenarbeit.
— Feuilleton: W T er weiss ? Roman von S c h a 1 o m-
A1 e c h e m. (Fortsetzung.)
Die vom Verlage „Achiasaf* in Warschau heraus¬
gegebene, vortrefflich geleitete Jargon-Wochenschrift „Der
Jude" beschäftigt sich in ihrer Nr. 31 an leitender Stelle mit
der Einvernahme Dr. Herzls durch die englische Fremden-
einwanderungs-Kommission. Der Artikelschreiber betont,
dass der politische Zionismus durch die Tatsache der Ein¬
vernahme Dr. Herzls eine weitere Etappe auf dem Wege
nach seinem Endziele zurückgelegt hat. Zum erstenmale
wurde der Zionismus in die Debatten einer parlamentarischen
Körperschaft hineingetragen und hat unter deren Mitgliedern
lebhaftes Interesse geweckt. Das Interesse eines Parlaments
aber, gar noch des englischen, ist für uns um vieles wichtiger
als das Interesse einzelner Persönlichkeiten, im gewissen
Sinne selbst als das Interesse gekrönter Häupter. Freilich
ist's noch weit bis zu dem Zeitpunkte, da die europäischen
Völker den Zionismus in Wirklichkeit und mit Nachdruck
fördern werden; immerhin kann es uns mit Genugtuung
und Zuversicht erfüllen, dass der Zionismus von hervor¬
ragenden englischen Parlamentariern als eine ernste, wohl
zu beachtende Lösung der in den meisten europäischen
Staaten als brennend empfundenen Judenfrage zur Kenntnis
genommen wurde. Noch wichtiger als dieses Moment mag
die Rückwirkung sein, die diese Anerkennung des Zionismus
au£ die jüdische Oeffentlichkeit üben muss. Wenn das
sogenannte „offizielle" Judentum erst die Ueberzeugung
gewonnen hat, dass Politiker von Rang und Ansehen dem
Zionismus reales Interesse entgegenbringen, wird es auf¬
hören, unsere Bewegung mit einer verächtlichen Hand¬
bewegung abzutun. Schon damit sie nicht vor ihren christ¬
lichen Nachbarn beschämt dastehen sollen, werden diese
Assimilanten sich dazu verstehen müssen, den Zionismus
zu studieren. Und schliesslich werden sie zu uns kommen
müssen, weil die Erfolge des Zionismus auch in ihnen, den
Schwächlichen und Zaghaften, jüdische Lebenskraft und
den Glauben an die Zukunft unseres Volkes wachrufen
werden.
$fas dei* Jie^egüoä*
Gedenket des Schekels!
Die erste allrussische Zionisten-Konferenz in Minsk. Wir
haben bereits gemeldet, dass in Minsk am 22. d. M. die
erste allrussische Zionisten-Konferenz zusammentritt. Da
alle Vereine Russlands dem Organisations-Komitee schon
jetzt ihre Tätigkeitsberichte eingesandt haben, so wird sich
in nächster Zeit schon ein ziemlich klares Bild von der
Lage des Zionismus in Russland geben lassen. Minsk ist
zum Orte des Kongresses gewählt worden, weil die Stadt
im Zentrum derjenigen Gegenden liegt, in denen der
Zionismus die grösste Verbreitung gefunden hat.
Nach dem bereits entworfenen Programm wird sich
der Kongress mit folgenden sieben Fragen be-