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„Die # Welt"
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Herr M.Horowitz das Wort und wies an der Elan d von Talm ud
und Midrasch die Notwendigkeit des Zionismus nach. Bei
der Thora-Vorlesung wurden Mischeberachs auf unsere
Führer gesprochen und dem Nationalfonds Spenden ge¬
widmet. Hervorgehoben zu werden verdient, dassin Krakau
mit seinen 30.000 Juden wovon dergrösste Teil aus Ortho¬
doxen besteht, eine solche Gründung stattfand, und wir
hoffen dadurch eine grosse zionistische Organisation
zu bilden. S. A. .. .... z.
Bielitz. Unser wackerer Frauen- und Mädchenverein
feierte am 16, d. M. sein Gründungsfest in Form eines
gemütlichen Abends, der einen angenehmen Verlauf nahm.
Die Präsidentin Frl. Eugenie Schembeck eröffnete den
Abend mit einer zündenden Ansprache an die jüdischen
Frauen und Mädchen. Sie entfaltete ein Bild der jüdischen
Frauen von einst, die so mild und stark, so heldenmütig,
so stolz und still dahinschritt und mit Würde dem jüdi¬
schen Hause vorstand. Die jüdische Frau von heute, die
ihren Schmuck, das reiche Familienleben^ gegen äusser-
lichen, glitzernden Tand vertauscht hat, glaubt sich dadurch
aus der Erniedrigung hervorzuheben. Rednerin verleiht
dem Wunsche Ausdruk, dass die jüdische Frau von einst
ein Beispiel werden werde. Stürmischer Beifall folgte den
Ausführungen der Präsidentin. Ein geschmackvoll zu¬
sammengestelltes Programm machte den Abend genuss¬
reich., Insbesondere ist Herr Kantor Friedländer
durch seine Gesangs-, Herr Pollatschek durch seine
Klaviervorträge hervorzuheben. Erwähnenswert ist die
Csatader Zigeunerbande, eine aus Studenten bestehende
Kapelle, die durch ihr Auftreten im Kostüm einerseits und
durch ihre Leistung andererseits grossen Beifall erntete.
Sammlungen für den Nationalfonds und für die rumänischen
Juden wurden eingeleitet. Ein animiertes Tanzkränzchen
hielt die Festgäste bis in die Morgenstunden fröhlich bei¬
sammen.
Schlan in Böhmen. Der Verein absolvierter jüdischer
Handelsakademiker „Fraternitas" in Prag veranstaltete am
10. d. M. in untrer Stadt eine Versammlung, welche zahl¬
reich besucht war und ein gutes Resultat zeigte, da sich
die offiziellen Vertreter unserer Gemeinde öffentlich für
den Zionismus erklärten, Die Kultusgemeinde abonniert
unser Parteiorgan, wird Schekelzahler etc. Den Vorsitz
führte Gg. Eudolf Po Hak, das Referat hatte Gg. Emil
Obernik. An der sehr anregenden und sachlichen
Debatte beteiligten sich insbesondere Herr Rabbiner L-
Thorsch, Herr Kultusvorsteher Adolf Löwner, Herr
Dr. Kohn, Herr JUC. Ernst Gütig vom Vereine
„Bar-Kochba"., Prag etc. Eine Sammlung zugunsten des
Nationalfonds ergab ein schönes Resultat. Wir hoffen,
dass der Verein „Fraternitas" sich mit diesem Erfolge
nicht begnügt, sondern sich bemühen wird, unsere Idee in
ganz Böhmen zu propagieren.
Rzeszow. Donnerstag den 8. Mai 1. J. hielt Gesinnungs¬
genosse Herr Taubes aus Kolomea im Lokale des
Vereines „Chowewe Zion" eine Rede vor einer Frauen¬
versammlung über die „Stellungnahme der jüdischen Frau
zum Zionismus' 4 . Der Aufforderung des Vorsitzenden Herrn
Religionslehrers Kammerling, sofort zur Gründung
eines zionistischen Frauenvereines zu schreiten, folgten
über 40 der anwesenden Mädchen und Frauen. In das
Vorbereitungs-Komitee wurden gewählt: Frl. L. Steg¬
mann, Fr. L. Blum, Frl. E. Wachtel, Frl. G. Horo-
witz und Frl. G. Goldreich. S. K.
Przemysl. Am 12. August veranstaltete der hiesige
Verein „Zion" eine Trauerfeier zum 9. Ab. Die Feier
eröffnete der Herr Vize - Präses A. Mermelstein
mit einer hebräischen Ansprache. Dann hielt Herr L.
Landau die Festrede in polnischer Sprache. Rauschen¬
den Applaus erntete Herr Lilien, der die würdige Feier
mit einer schwungvollen Rede schioss. Die feierliche
Stimmung der Zuhörer wurde noch durch die gelungene
musikalische Leistung des Herrn Kantors N. Singer
gehoben.
Bojan. Am 5. d. M. wurde hier eine Tranerfeier anläss¬
lich des Tisch'öh B'ow veranstaltet. Herr Taubes referierte.
-Die Feier verlief würdig.
Deutschland.
Mainz. Unsere Bewegung macht hier und in der Um¬
gegend erfreuliche Fortschritte. Vor wenigen Wochen
konstituierte sich hier bei der Veranstaltung einer Schekel-
feier ein Frauenverein mit zionistischem Programm.
Verdient um die Feierund das Zustandekommen des Vereines
machten sich hauptsächlich die Damen: Frl. Weil,
Frl. Friedmann, Frl. Sochat, Frl. Lazarus, die
Herren Assessor Dr. Friedemann, Lazarus und
Koch. — Einen erfolgreichen Versuch, den Zionismus
unseren auf dem Lande wohnenden Volksgenossen näher¬
zubringen, machte unsere Ortsgruppe im Kreise Gross-Gerau.
In dem Städtchen gleichen Namens fand am Sonntag
den 10. August eine aus vielen Orten des Kreises besuchte
Versammlung statt, in welcher Herr Siegm. Selig, dem
das Hauptverdienst um das Zustandekommen der Ver¬
sammlung beizumessen ist, und Herr Assessor Dr. Friede¬
nd a n n-Wiesbaden referierten. An der Diskussion beteiligten
sich ausser genannten Herren unser Vizepräsident Herr
Lazarus. Das Ergebnis der Versammlung war für unsere
Sache gläazend. Die meisten Anwesenden schlössen sich
der Bewegung an, so dass die Errichtung einer Ortsgruppe
in Gross-Gerau bald vorgenommen werden kann. Vorerst
sind die neuen Anhänger der Mainzer Gruppe angegliedert
worden. Zum Vertrauensmann wurde Herr Guthmann
in Gross-Gerau ernannt. Möge dieser Erfolg, wie er uns
ein Ansporn zu weiteren Arbeiten in ähnlicher Richtung
ist, auch anderen Ortsgruppen eine Anregung bieten, auch
die jüdische Landbevölkerung für unsere Sache zu gewinnen.
Die Aufgabe ist lohnend und der Erfolg trägt mittelbar
auch zur Verstärkung der Bewegung in den Städten bei.
Rumänien.
Berlad. Die Vereine „B'nei Zion" und „Ivria ß. L."
veranstalteten am 29. Juli a. St. (9. Ab) eine Trauer¬
feier in der grossen Synagoge, wobei Herr Dr. Braun,
Mitglied des Federations-Komitees, die Rede hielt.
Bulgarien.
Widdin. Der hiesige Zionverein hat eine Bibliothek
eröffnet. Sämmtliche Juden sind mit Leib und Seele
Zionisten. Unser Vertrauensmann ist Herr Moni M.
A 1 c a 1 a f.
Nord-Amerika.
Philadelphia. Dank den Bemühungen des Dr. L. G or d on
ist in unserer Stadt ein zionistischer Verein entstanden,
weicher einem wirklichen Bedürfnisse genugtut: eine
akademische Zionisten-Liga. Der Zweck dieser Liga
ist, die akademisch gebildeten Zionisten zu sammeln und zu
organisieren, um den anderen Zionisten-Vereinen Redner
und Debatter zu liefern. Der Verein zählt bereits eine
stattliche Mitgliederzahl.
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Jochanan ben Sakkai.
Es geht zu Ende. Länger trag ich's nimmer.
Schon wütet Argwohn schlimmer als das Schwert.
Verblichen ist der letzten Hoffnung Schimmer.
Nicht Mut — Verzweiflung ist's, die noch sich wehrt.
Nicht Rom, nur uns'rer Zwietracht ist's gelungen,
Dass unser letzter Kampf des Sieg's entbehrt.
So hab ich Jahr für Jahr umsonst gerungen,
Dass wir noch retten, was zu retten ist.
Es geht zu Ende. Zion ist bezwungen.
Ich weiss es wohl, dass Titus nicht vergisst,
Was Rom vor aller Welt an Ruhm verloren,
Seit sich mit ihm so stolz der Jude misst.
Könnt' alles er vergessen, der erkoren
Zum Weltbeherrscher — eins verzeiht er nicht:
Dass Rom man Halt gebot vor Zions Toren.
Hier knie ich, Gott, vor Deinem Angesicht.
Erhör' mich, Vater, lisch nicht unser'n Namen
Aus Deinem Lebensbuch im Strafgericht*
O denk der Väter, wie sie jubelnd kamen
Nach Zion, Dich zu preisen hoch und hehr!
O denk, was Du verhiessest Jakobs Samen,