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„Die # Welt 44
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Verlegenheit bemerkt haben, denn er beeilte sich, hinzuzu¬
fügen :
„Wir erfüllen nur , die Befehle der obersten Behörde.
Früher war es anders . . . Jetzt hat man uns angewiesen,
so vorzugehen. Ich kann also nichts machen . . . " Und
er entnahm der auf dem Tische liegenden Tasche ein
Dokument in schwedischer Sprache und zeigte es uns,
Wir schwiegen. Was konnte man dagegen einwenden ?
„Aber .... aber .... " sagte der Arzt verlegen,
warum will Kaschnnen mir mein Angabegeld nicht rc-
tournieren ?"'
Der Lehensmann warf wiederum einen Blick auf den
Kommissär. Dieser fing abermals an, in finnischer Sprache
etwas auseinanderzusetzen.
„Der 'Kommissär hat Kaschunen erlaubt, das Angabe¬
geld zu behalten. Hätten Sie doch nicht gesagt, dass Sie
Jude sind, folglich sind Sie schuldig . . . " sagte der
Lehensmann.
Und die Mütze mit der Kokarde auf das Haupt
setzend, machte der Lehensmann eine Handbewegung, die
zu sagen schien, dass die Audienz zu Ende sei.
In tiefer mordischer Niedergeschlagenheit verliessen
wir das rote Häuschen mit dem vergitterten Fenster. Der
Arzt konnte seine Aufregung kaum bemeistern. Von einer
Beschwerde an das Gericht wollte er nichts wissen. Und
wohin hätte sie auch geführt ? Wir hätten höchstens auch
vom Richter dasselbe zu hören bekommen. Und der Arzt
verliess gleich darauf Finnland.
Abends ging ich vor dem Hause des Kaschunen vor¬
über. Eine Gruppe von Finnländern, darunter Kaschunen
selbst, führte ein lautes Gespräch. Ich hörte den Namen
des Arztes nennen, hörte auch, wie Kaschunen sich zu recht¬
fertigen suchte und einigemale wiederholte: „Ich bin un¬
schuldig." Kaschunens kleine Tochter Anna Mary, ein
Mädchen von ungefähr neun Jahren mit einem flachs-
weissen Kopfe, sass in einer kleinen Entfernung auf einem
Steine und las ein Buch.
„Was liest du?" fragte ich das Kind.
Anna Mary blickte mich mit ihren blauen Augen an
und reichte mir das Buch.
Es war ein Buch von Jupelius, des berühmten finni¬
schen Dichters, das in allen Schulen Finnlands als Lehr¬
buch für Kinder dient.
Ich warf einen Blick auf die offene Seite und las dort
Folgendes: „In Finnland leben mit den Zigeunern
auch Juden (iudarne). Das ist ein armes und jammer¬
erregendes Yolk. Wir müssen mit diesem Yolke Mitleid
haben, weil es kein Vaterland hat. Die Juden gleichen
einem Menschen, der sich im offenen Meere befindet: er
sieht weder ein Ufer noch einen Hafen; er lebt und stirbt
als Fremder auf der Erde...... u
Ich streichelte das weisse Köpfchen des finnländi sehen
Mädchens und eilte davon. Ein schweres Gefühl bedrängte
mein Herz, meinen Augen entströmten Tränen, welche
meine Wangen suchten, um auf fremden Boden niederzu¬
fallen ....
Mitteilungen des Landeskomitees.
Bureaus tun den täglich von 6-8 Uhr abends
im Bureau, Wien, IX., Türkenstrasse 9, Tür 36.
Sitzungen des L.-K. am 1. und 15. September.
An diesen Tagen sind die Miglieder des L.-K. im
Kongressbureau von 7—*/ 2 8 Uhr abends zu sprechen.
Alle Bestellungen auf N.-F.-Marken sowie Anregungen
für die N.-F.-Koinmission sind an den Kassier des L.-K.
Dr. Hugo Benedikt, I., Tiefer Graben 25, zurichten.
Verschleissartikel sind bei Sekretär Adolf P o 11 a k,
IX., Türkenstrasse 9, erhältlich.
Das L.-K» hat an die sieben D.-K. eine Instruktion
über das Verhalten der ZLonisten in Sachen der rumäni¬
schen Durchwanderung erlassen und von den D.-K. Gut¬
achten über das demnächst zu veröffentlichende zionistische
Kultusgemeinde-Programm eingeholt Das Referat Lederers
vom Bielitzer Parteitage „Unsere Stellung zu den nicht¬
zionistischen Gruppen in Oesterreich" erscheint demnächst
im Jüdischen Buch- und Kunstverlag Brünn als 10 h-Bro-
schüre.
Briefkasten.
Rumänien und die Mächte. In der vorigen Nummer hat
sich im obigen Artikel ein Druckfehler eingeschlichen.
Statt Rumänenfond des Aktions-Komitees, soll es
richtig heissen: der Hilfs - Komitees.
Fritz M.: Unverwendbar.
S. F. Steiner, Karlsbad: Wir können über den Herrn
nichts bringen. Besten Dank.
0. Sp., Graz : Dankend abgelehnt.
L. K. in Väg-Ujhely, F. M, in Bohorodczany: Verlag
M. Popelauer, Berlin, genügt.
L. L, Gaiizien. Sie sind zu wenig auf die Tatsachen
eingegangen. Wenn Sie solche mitteilen können, werden
wir sie gerne bringen.
A. S., Bukarest. XV1IL, Haizingergasse 29.
Schw., Zioczow. Leider unverwendbar.
A. M. L: Diese Vorschläge sind längst schon Praxis
geworden. Siehe Spenden-Verzeichnis.
L. Br„ Suczawa : Dankend abgelehnt.
„Chowewe Zion", Rreszöw : Bitte sich an Frau Doktor
Kahn, Wien, VII., Lindengasse, zu wenden.
Gesinnungsgenossen ! Agitiert beizeiten für den Vertrieb
von Palästina-Ethrogim.
! inKi nna bsn ^ o^vaen utw
ibanttr p* ^nnx rrrpö nma nsna ups lbinwn
Spenden.
Für den jüdischen Nationalfonds:
Dr. Theodor Herzl zum Andenken seines Vaters
Jacob Herzl Kr. 1000.—, Josef Winter, Verteidiger in
Strafsachen, Ung.-Hradisch 241—, „Bnei Zion Kadimah" in
Frumosica 240.—, Sammlung bei einem Vortragsabend des
Vereines „Emunah % Bielitz 5.—, Sammlung bei einer Agita-
tationsversammlung in Schian (A. Löwner, Kultusvorsteher
Kr. 1.—, E. Katz 1.—, B. Stein 1.—, S* Taussig 1.—,
E. Lekner 1.—, ab Porfco) = Kr. 4.97, Abraham Mencer in
New-York aus Erkenntlichkeit gegen Dr. Moskovici in
Braila 4.75, Braila (Leopold Fischl Lei 2.—, S. Schwarz
10.—)= Kr. 11.40, Philozionist Alexander v.B. in St. Peters¬
burg anlässlich der Beförderung des Ein jährig-Frei willigen
Hans I. Sachs zum Unteroffizier im kaiserlich russischen
Dragoner-Kegiment Wolhynien Nr. 17 12.60, Sammlung
Miron Zelikin in Smolensk auf der Hochzeit seiner
Schwester Anna Zelikin mit H. Lunz (J. Papylsky Rubel
3.—, Märe Zelikin 3.—, Dr. G. B. Zelikin 3.—, Sophie Zelikin
3.-, A. Lunz 3.—, N. N, 2.—, zus. 22.—, Check) = Kr. 55.—,
Sammlung bei KL Max Schatz in Bonn a. Rh. anlässlich
Brith Milah seines Sohnes 23.25, Frau Schönberg aus Galatz
anlässlich des Geburtstages ihres Enkelkindes Elsa Schön¬
berg 9.97, Anlässlich Verlobung des H. Meier Goldberg aus
Strij mit Frl. Blima Lorberbaum aus Medeniee (Helene
Goldberg —.50, Alexander Zeiler—.50) 1.—, Frl. Elsa Kohn-
berger, Baden 2.—, Tarok-Partie „Hotel Königstein", Strass-
nitz 2.39, Sammlung des Verein es „Ezrath Israel" in Radu-
caneni 13.52, Wien: Familie K. 1.—, Familie O. M. 1.—,
Dr. O. K. —.40, L. W. —.40, Dr. L. K. —.30, Ingenieur
J. S. —.40, „Erster zionistischer Frauenverein" 1.—, Dr. Sch.
—•20, M. Sch. —.10 = 4.80, J. L., Wien, anlässlich Ab¬
lebens des H. Aaron Weiss in Aussig 6.—, Dr. E. Z., Wien,
aus gleichem Anlasse 1.—, Prerauer Delegierten-Tag 4.40,
Eduard Jampol und Frau in Ustrzyki anstatt Telegramm
zur Hochzeit des Abner Stern mit Frl. Gisela Nebenzahl
— .60, Focsani (Sammlung durch H. David Käs und Frl.
Mathilde Käs Lei 18.05, durch H. Pinkas Goldring und
Albert Käs gelegentlich Vermählung des Frl. Jeannette
Rappaport mit H. Isak Segal 14,65, zus. 32.70) = Kr. 31.12,