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ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG
XVI. JAHRG. BERLIN, 5. Januar 1912 um^? y'Dnn '» n^tD i"B f yhl2 Nr. 1.
Aufruf
ZIONISTEN!
Der X. Kongress hat allen unseren Gesinnungsgenossen dringend empfohlen, „die Leitung
lurch freiwillige Jahresbeiträge zu unterstützen." Er hat die bestimmte Erwartung ausgesprochen,
iass überall nicht nur die zionistischen Organisationen, sondern auch jeder einzelne Zionist eine
energische Agitation für diese Jahresbeiträge entfalten wird. Bei diesem Beschluss sollte es sich
licht um eine einmalige Massregel handeln, nicht darum, augenblicklichen Finanznöten ein Ende
ux machen; vielmehr hatte sich schon seit langer Zeit die unabweisbare Notwendigkeil ergeben,
eine Einnahmequelle zu schaffen, die für alle Zeit den Arbeiten der Zentralleitung eine sichere
und ausreichende finanzielle Grundlage gewährleistet.
Schon in der Actions-Comite - Sitzung vom 22. bis 24. November 1910 war be¬
schlossen worden:
„Unter Beibehaltung des Schekels als obligatorischer Leistung, mit der das Kongress¬
wahlrecht verbunden ist, einen Zentralfonds zur Befriedigung der Bedürfnisse der Organisation
2ax bilden."
In der darauffolgenden Sitzung des Actions-Comites vom 27. bis 28. April 1911 wurde
dieser Beschluss in folgender Fassung wiederholt:
„Zur Deckung der Ausgaben hat jeder Zionist ausser dem Schekel einen jährlichen Bei¬
trag zu entrichten; das Actions-Comite erklärt es für eine Pflicht der Landesorganisationen, die
Sammlungen sofort einzuleiten/'
Sodann wurde zwecks Prüfung verschiedenartiger, die Finanzfrage behandelnder Projekte
und Anregungen, eine Finanzkommission eingesetzt, die nach gründlicher Erörterung sämtlicher
Vorschläge folgende Resolution angenommen hat:
„Dieser Vorschlag (die Schaffung eines Zentralfonds) erscheint als der geeignetste Weg,
den Geldbedarf des Actions-Comites zu decken, weil ein derartiger Fonds die Möglichkeit bietet,
dem Actions-Comite dauernde und regelmässige Einnahmen zu schaffen."
In Ausführung dieser mehrfach wiederholten Beschlüsse haben wir jetzt die Arbeit für
die Schaffung eines Zentralfonds eingeleitet. Wir sind der Ansicht, dass es in diesem Augenblick
keine wichtigere Aufgabe für unsere Organisation gibt Wir erwarten daher von der Opfer¬
willigkeit und dem Pflichtbewusstsein jedes Gesinnungsgenossen hingebungsvolle Arbeit bei dieser
neuen Sammeltätigkeit.
ZIONISTEN! Das Herumgehen mit dem Klingelbeutel ist gewiss immer eine peinliche
und wenig würdige Beschäftigung gewesen, für die jede zionistische Leitung Zeit und Energie hat
aufwenden müssen. Sicherlich möchten auch wir uns lieber ausschliesslich mit den grösseren
Fragen beschäftigen, deren Lösung unsere eigentliche Aufgabe darstellt. Aber diese Aufgabe er¬
fordert erhebliche Geldmittel. Wir haben eine Reihe von Kongressbeschlüssen durchzuführen;
wir haben vieles auszubauen und vieles neu zu schaffen. Zu der Aufklärungsarbeit im Orient, die