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mehr nach aussen gerichtet ist, und die wir unaufhörlich durch energisches zielbewusstes Vorgehen
zu fördern bestrebt sind, tritt heute die Kulturarbeit, die uns die Führung des palästinensischen
und orientalischen Judentums sichern soll. Wir dürfen uns nicht mehr der Sorge um die Pflege
der höchsten Güter unseres Volkes mit der tröstlichen Hoffnung entschlagen, dass die Dinge sich
von selbst entwickeln werden. Der X. Kongress hat mit voller Klarheit erkannt, das nur durch
allseitige planvolle Tätigkeit der Zionismus einen erneuten Aufschwung erfahren und im Orient
den längst ersehnten, ihm gebührenden Einfluss auf die nationale Erziehung und Entwicklung
erlangen kann.
Mit diesem Programm und unter diesen Voraussetzungen haben wir die Arbeit über-
nommen. Damit sie sich zuverlässig, dauerhaft und fruchtbringend gestaltet, benötigen wir eine
sichere finanzielle Basis. Denn der Mangel an Mitteln erstickt jedes Projekt im Keime. Der
Zionismus muss aber im Bewusstsein seiner Kraft und seines Wertes jeden Tag zu neuer Arbeit
bereit sein können. Die Arbeitsmöglichkeit muss stets durch unsere Organisation garantiert
sein, denn wer den Zweck will, muss auch die Mittel zu dem Zweck gewähren.
Aus der Erwägung, dass wir unsere Fonds und Institutionen nicht schmälern sollen, ist
die Besteuerung derselben vom Kongress abgelehnt worden. Bis auf einen dem Actions-Comite
vom Jewish Colonial Trust vorgestreckten Betrag, der für kurze Zeit zur Deckung unserer laufenden
Ausgaben bestimmt ist, und dessen Rückzahlung von vermögenden Gesinnungsgenossen garantiert
wurde, wird daher eine Inanspruchnahme unserer Finanzinstitutionen nicht erfolgen. Wir haben
aber die Verpflichtung übernommen, für die Bereicherung und die Ausgestaltung all dieser
Institutionen zu arbeiten, denn alles was auf dem Gebiete der Organisation und der Propaganda
von unserer Zentralstelle aus geleistet wird, kommt diesen Institutionen zugute.
ZIONISTEN! Wir wollen uns würdig erweisen des Vertrauens, das uns der Kongress
geschenkt hat, sowie des Fortschrittes unserer Idee, den wir konstatieren können. Wir wissen
aber, dass für die Ausführung der Kongressbeschlüsse und die weitere Ausgestaltung unserer
Tätigkeit die Schaffung eines Zentralfonds unerlässliche Voraussetzung ist. In dieser Erkenntnis
begründen wir den
Zionistischen Zentralfonds j (
und fordern sämtliche Landesorganisationen, Förderationen, Ortsgruppen und einzelne Gesinnungs¬
genossen auf, mit allen Kräften die Agitation für den Zionistischen Zentralfonds einzulenken.
Das Actions-Comite.
FÜR DEN ZENTRALFONDS!
Der vorstehende Aufruf des Actions-Cornites bedarf
im Grunde keiner Erläuteruno. Allzu hinge schon plagen
wir uns mit dem mangelhaften System der Geldbeschaf¬
fung, das die. Leitung unserer Organisation auf Schritt
und Tritt hemmt und die Erweiterung ihres Tätigkeits¬
gebietes vereitelt. Es ist auch kaum erforderlich, den
hier und da aufgetretenen Irrtum zu berichtigen, als sei
durch größere Sparsamkeit, durch Abstreicbung kleiner
Posten des Budgets eine Besserung der bisherigen Zu¬
stände zu erreichen. Dieses Budget ist ja bekannt. Es
wurde auf dem Kongreß beschlossen und an den 170 000
Mark, die es für die laufenden Ausgaben festsetzt, läßt
sich nichts sparen. Ganz im Gegenteil muß es als Ziel
hingestellt werden, daß die Ausgaben der Organisation
sich vergrößern, denn für die wichtigsten Erfor¬
dernisse des Augenblicks, für die Aufnahme der Kultur¬
arbeit im Orient, für großzügige Propaganda, für den Aus¬
bau unserer Vertretungen in Konstantinopel und Palä¬
stina sind in dem Budget des Kongresses keine Mittel
vorgesehen. Wenn nunmehr der Versuch unternommen
wird, das System der Geldbeschaffung- zu ändern, um
größere Mittel für alle diese Zwecke zu beschaffen, so
sollten alle organisierten Zionisten einsehen, daß es wahr¬
lich nur einer kurzen, aber energischen Anstrengung;
bedarf, um diese Mittel nicht nur für diese Kongre߬
periode, sondern für alle zukünftigen zu erlangen.
Die Institution des Scheitels soll bestehen bleiben. Der
Schekel ist ein Symbol, seine Entrichtung bedeutet das
Bekenntnis zum zionistischen Programm, und da wir
nicht Vereine gründen, sondern das Volk erobern wollen,
muß der Scliekelbetrag so gering bleiben, wie er jetzt
ist. Es gibt aber Tausende, Zehntausende von Scbekel-
zahlern, die für die Zwecke der Organisation einen höhe¬
ren Betrag als eine Mark geben können und — geben
wollen! Nur fehlte bisher die organisatorische Aus¬
nutzung dieser Tatsache, und diese Ausnutzung ist die
Gründung des Zionistischen Z e n t r a 1 f o n d s.
Wiederholt ist der Vorschlag aufgetaucht, Schekel-
zahlerklassen zu bilden, da es als soziale Ungerechtigkeit
empfunden wurde, daß Arm und Reich den gleichen
Beitrag leisten. Dieser Vorschlag wäre praktisch kaum
durchführbar gewesen, und hätte der Institution des