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»Die & Welt?»
Nr. 5
Wunder erhoffen. Selig, der da glaubt, wenn der Glaube
nur ehrlich, ohne Falsch und Hehl. Die sauberen Herren
aber, von denen ich rede, führen zwar das „l'sehono
habo" auf ihren unreinen Lippen, ihr sehnlichster
Herzenswunsch aber ist und bleibt, dass es nie in
Erfüllung gehe; ihr Trachten und Denken läuft auf
die Verdummung der Massen hinaus, damit. diese ihnen
und ihren Nachkommen als „milchende Kuh" noch
ferner dienen, wie sie es bis jetzt gethan. Und weil die
Motive dieser Herren so unsauber, weil sie ihren
materiellen Vortheil durch den Zionismus bedroht sehen,
deshalb ruhen und rasten sie nicht und wühlen im
Dunkeln, wie es Leute gewöhnlich thun, die ein gemeines
Werk verüben wollen . .. Gegen diese Tartüffe bäumt
sich Herz und Sinn eines jeden Nationaljuden . . .
Wenn ich zum Schlüsse noch hinzufüge, dass
alles, was nicht in die aufgezählten Kategorien hinein-
passt, im Ghetto zionistisch ist, so habe ich damit
sagen wollen, dass die breiten Volksschichten,
auf die es den Zionisten hauptsächlich ankommt, fast
durchwegs mit Leib und Seele sich uns anschliessen.
Dies gerade gibt uns Muth, Ausdauer und Zuversicht
in unserem schweren Kampfe.
Die Woche.
Wien, den Jänner UMX).
Mancher Sachkundige wird wohl schon längst vermuthet
haben, dass bei den tragischen Niederlagen der Engländer
gewiss die Juden ihre sündige Hand im Spiele haben. Ein
Wiener Blatt weiss auch thatsächlich über die jüdischen
Missethaten interessante Details zu berichten. Also jüdische
Lieferanten versorgen die englischen Truppen mit gänzlich
ungeniessbarem Fleisch. Wenn ein englisches Schiff, welches
Soldaten nach Transvaal bringen soll, in die See gestochen
hat und der Schiffskoch den hungrigen Kriegern ein Mittag¬
mahl bereiten will, dann bemerkt er zu seiner grossen Ent¬
täuschung, dass alle Fleischvorräthe, die das Schiff mit sich
führt, unbrauchbar sind. Und die gesammten Fleischmassen
müssen, aufrichtig betrauert von Soldaten aller Waffen¬
gattungen, ins Meer versenkt werden. Es ist nun begreiflich,
dass ein Heer, welches während einer langen Seefahrt sich
vergebens nach einer anständigen Fleischkost sehnt in eine
schlimme Körper- und Seelenverfassung gerathen muss.
Solche Truppen sind wenig geeignet, gegen einen tapferen
Feind zu kämpfen, denn der Mensch ist bekanntlich, was
er isst — wie schon sehr oft betont wurde. Der kriegerische
VVille der Engländer ist ja gut, aber das Fleisch war schwach.
Die Juden sind also an den Siegen der Boeren stark be¬
theiligt. Jene jüdischen Blätter, die mit Vorliebe die Helden-
thaten von Juden mit stolzer Genugthuung registrieren,
werden den vorliegenden Fall sicherlich hinreichend hervor¬
zuheben wissen. Und auf den Siegesdenkmälern, die vielleicht
von den Boeren zum Andenken an glückliche Schlachten
errichtet werden mögen, wird irgendwo in einer Gruppe
von bronzenen Genien eine symbolische Gestalt zu erblicken
sein, die einen semitischen Typus zeigt
Zur Pariser Ausstellung wollen auch die Wiener Anti¬
semiten eine Expedition entsenden. In den entsprechenden
Parteiblättern erscheinen Aufrute, welche die „Gesinnungs¬
genossen" zu reger Theilnahme an der geplanten Gesell¬
schaftsfahrt nach Paris auffordern. Was mit diesen Wiener
Ausflüglern in Paris geschehen soll ? Es erscheint kaum
glaubhaft, dass man sie auf der Weltausstellung in ihrer
bemerkenswerten Eigenschaft als Antisemiten zur Besich¬
tigung ausstellen wird, denn man hat ja sehr Vespectable
französische Repräsentanten dieser Menschengattung, an
denen man alle charakteristischen Merkmale bequem
studieren kann. Wozu in die Ferne schweifen ? Plausibler
erscheint eine andere Hypothese: bekanntlich soll auf
der Pariser Ausstellung auch ein Ghetto in naturgetreuer
Ausstattung die Augen der Besucher erfreuen. Wahr¬
scheinlich braucht man da Leute, weiche in der üb¬
lichen Weise alte Juden in den Ghettostrassen am Barte
zupfen, ihnen Steinchen und Abfälle nachwerfen, Spott¬
gesänge ertönen lassen u. s. w. Für diese Function hat
man offenbar selbst in Paris keine Leute auftreiben können,
die imstande wären, an die Wiener Meister nur einiger-
massen heranzureichen.
Die Wiener „Arbeiter-Zeitung 4 ' kann das Antisemitein
nicht lassen. Wenn es ihr noch wenigstens Ernst wäre mit
besagtem Antisemitein ! Aber sie stösst nur aus Berechnung
zeitweilig ins antisemitische Horn: wenn sie sich zur
rothen Nelke manchmal auch ein niedlich weisses Nelkchen
ins Knopfloch steckt, so soll das nur eine recht gescheite
Kriegslist sein. Auf der österreichischen Socialdemokratie
lastet bekanntlich ein niederschmetternder Vorwurf: „Ver-
judet I 1 Die österreichischen Antisemiten jeglicher Schattierung
sehen in der Socialdemokratie eine gefährliche Conciu-rentin.
die das Volk, beziehungsweise die Wähler, erfolgreich an
sich zieht, und um die Socialdemokratie in den Augen des
Volkes zu discreditieren und verächtlich zu machen, ver¬
leihen die antisemitischen Mandatliebhaber der Social¬
demokratie einen breiten jüdischen Nimbus. „Juden-soct"
heissen die Socialdemokraten in dem bekannten sauberen
Volksmund, und gebeugt von der Wucht dieses Kosenamens,
haben die Socialdemokraten schon manche empfindliche
Wahlniederlage eingeheimst. Den Socialdemokraten ist
begreiflicherweise der nachtheilige jüdische Anstrich, den
man ihnen gegeben, sehr unangenehm, und sie suchen sich
reinzuwaschen. Das fällt ihnen aber sehr schwer. Umso
schwerer, je mehr Juden sie thatsächlich in ihrem Lager
beherbergen. Da nun die Socialdemokratie die Juden, deren
man sie zeiht, auf statistischem Wege sehr schwer weg¬
leugnen könnte, so verfällt sie von Zeit zu Zeit auf ein
anderes Mittel, um den Vorwurf der „Verjudung" zu
parieren: Sie antisemitelt. Das ist natürlich ein ziemlich
thörichter Behelf, aber erklären lässt er sich immerhin.
„Wir sind keine Judenschutztruppe," rufen sie, „wir sind
vielmehr — vielmehr--" und da ist ihnen auch schon
— sie wissen nicht wie — ein leises „Hepp-Hepp" ent¬
schlüpft. Sie glauben den unwillkommenen Vorwurf des Philo-
semitismus am einfachsten dadurch zu entkräften, dass sie
— soweit es der Anstand gestattet — Antisemitismus posieren.
Demgemäss enthält das Organ der österreichischen Social¬
demokratie, die „Arbeiter-Zeitung", hie und da e_in Gran
antisemitischen Salzes. Die Dosis darf nicht zu gross sein.