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,Die s£ Welt"
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-als Gäste der „Jordania-' die Herren Berthold Feiwel
aus Brünn und Dr. Awinowitzki aus Dorpat
(Russland). Der Referent gelangte erst gegen Mitternacht
zum Schlussworte.
Wien. Im literisch-geselligen Verein „Moria" hielt am
letzten Sonntag Herr Prediger Grün einen philosophischen
Vortrag über „Moria, Simri und Zion", diese drei jüdischen
Heiligtbümer mit den drei Patriarchen und den in ihnen
verkörperten drei jüdischen Nationaltugenden, die Heiligkeit
de* Gottes-, Lehr- und Familienhauses vergleichend. Der
Zionismus sei das tiefempfundene, sehnsüchtige Streben nach
Vereinigung des jüdischen Volkes auf heimatlichem Boden,
woraus sich der Messianismus der Zukunft entfalten soll
als Vereinigung aller Gutgesinnten, Edelmüthigen und wahr¬
haft Gottgläubigen. Wenn auch der Weg bis zu jenem
Ziele noch weit sei, so werde der gute Wille die Schwierig¬
keiten überwinden. H. B.
I. Die neuen und die alten Namen.
„Volkher, hast Du Hildebrandt und Luciemen gesehen ?"
r Nein.... im Tokio-Salon sind nur Wellegunde und
Waltraute. R6ne und Siegmar — — — *
„Geh' geschwind hinüber und sag' ihnen, sie sollen
Alle herüberkommen: Onkel Isidor aus Brennporitschen
ist da !"
Rudolf K o h n (Schlackenwerth).
aber seien auch jene Socialisten für den Zionismus ge¬
wonnen.
„Jewish Chroncle" veröffentlicht aus „Stodes Zeitschrift
für die alttestamentarische Wissenschaft" einige interessante
Einzelnheiten, darunter folgende interessante Entdeckung :
Die Sprüche Salomons von Cap. 10—22, 16 werden von der
Bibelkritik dem König Salomo zugeschrieben. Die Zahl
dieser Sprüche beträgt genau 375 nach dem Zahlenwerte des
Wortes nöb'w- Noch mehr: Die Capitel 25 bis 29 enthalten
eine andere für sich abgeschlossene Sammlung mit der
Ueberschrift: Auch dieses sind Sprüche Salomos, welche
die Männer des Chiskija, Königs von Juda, gesammelt haben.
Diese Sammlung enthält 136 Sprüche, der Zahlenwert des
Wortes "],Tp7n- Das Blatt fragt: „Ist dieses blosser Zufall
oder haben wir hier wirklich eine Spur der rabbinischen Geo¬
metrie der Bibel?"
Das „Hebrew-Union College Journal" beschäftigt sich in
seiner December-Nummer lediglich mit dem Zionismus.
Es veröffentlicht die Ansichten verschiedener jüdischer
Gelehrten Amerikas, die sich theils für und theils gegen
den Zionismus aussprechen.
Die .Jüdische Chronik", Monatsschrift, herausgegeben
und redigiert von Dr. Adolf K u rr e i n-Teplitz, bringt in
ihrerer letzten Nummer einen ausgezeichneten Leitartikel
unter der Ueberschrift .Das Kaiserwort", der aus der Feder des
Herausgebers stammt. Wir müssten den prächtigen Artikel im
ganzen wiedergeben, wollten wir ihn nach Gebür würdigen. Von
actueller Bedeutung ist der Artikel (II): „Die Geschichte
der Blutlüge", mit den Worten schliessend: „Die Blutlüge
bleibt ein ewiges Denkmal; zu wesssen Ehre oder
Schmach? Das wird die Geschichte, wird eine edlere Nach¬
welt beantworten."
Zeitschriftenrundschau.
Der „Erste Wiener Localanzeiger" enthält in seiner vor¬
wöchentlichen Donnerstags-Nummer unter dem Titel:
„Palästina und Zionismus" einen lesenswerten und allem
Anscheine nach einer sachkundigen Feder entstammenden
Artikel über das Baseler Programm, so weit die palä¬
stinensische Colonisation in Betracht kommt. In einem
zweiten Artikel verspricht das Blatt eine Erörterung über
die Ausführung der zionistischen Idee.
„El Sionista", das Organ der argentinischen Zionisten.
macht in seiner vierten Nummer die Mittheilung, dass es
durch die Opferwilligkeit eines Mitgliedes in die Lage ver¬
setzt wurde, eine eigene jüdische Druckerei zu errichten.
Hierdurch ist sein regelmässiges Erscheinen gesichert. Di«*
vorjiegende Nummer bringt auf 4 Seiten Grossquart neben
«inem interessanten Leitartikel mit dem Motto: „Aber man
wird die Juden nicht in Ruhe lassen" eine treffende Schil¬
derung der augenblicklichen Lage der Juden, ferner ver¬
schiedene Mittheilungen über die zionistische Bewegung,
politische Nachrichten, sowie einen feuilletonistischen Theil.
Es wäre zu wünschen, dass die Bemühungen der „Liga
Dr. Th. Herzl", durch das Blatt dem Zionismus Anhänger
zu gewinnen und die Einigkeit unter den Juden Argentiniens
zu stärken, sich erfüllen möge.
„Nineteenth Century Review enthält einen hochinter¬
essanten Artikel über die Ursachen des Antisemitismus in
Frankreich, der sich aber ebenso gut auf alle übrigen
Staaten mit parlamentarischen Zuständen anwenden lässt,
indem die Ursachen annähernd die gleichen sind: Die
Zugehörigkeit der Juden zu den verschiedenen Parteien,
deren jede als Ablagerungsstätte für den durch die ver¬
schiedenen politischen Ansichten erzeugten Hass die Juden
auswählen. Mithin stellt sich die bürgerliche Gleichberech¬
tigung der Juden als ein Danaergeschenk dar. Der Artikel¬
sehreiber hofft auf ein Schwinden der antisemitischen Be¬
wegung, die er schon im Augenblick für „fast todt" be¬
trachte, eine Theorie für die er allerdings den vollen Beweis
schuldig bleibt.
In einem redacüon eilen Artikel variiert „jewish
Express" das bekannte Wort, indem er behauptet: '„Alle
Wege führen zum Zionismus." In geistvoller Weise geht
der Schreiber die verschidenen gegen der Zionismus er¬
hobenen Einwürfe durch, die namentlich seitens den eng¬
lisch-jüdischen Socialisten erhoben werden, welche endlich
in ihrem Organ „Justice" zugestehen müssen, dass die nicht¬
jüdischen Socialisten es mit ihrem Parteiprogramm nicht
unvereinbar finden, gleichzeitig auch Antisemiten zu sein.
Dass diese Erkenntnis sich endlich Bahn brechen würde,
hatte „Jewish Express* schon lange vorausgesagt. Damit
Bücherwelt.
Robert Jaffe, der auch unter dem Pseudonym „Max
Aram" schreibt, ist den Lesern unseres Blattes längst kein
Fremder mehr. So dürfte auch das im Jahre '.894- geschriebene.
1S95 " m erschienene Erstlingswerk, mit dem der jugendliche
Autor seine literarische Laufbahn begann und über das
er inzwischen weit hinausgelangL doch bei vielen unserer
Leser lebhaftem Interesse begegnen.
Arnold Mann: Liebet Eure Feinde. Eine apologetische
Erzählung. Frankfurt. Verlag von J. Ka uff mann 19(X).
Ein Tendenzroman, der das grosse Unrecht des Anti¬
semitismus darthun will. Dieser wird darum in ein aller¬
dings nicht ungefährliches Dilemma eingezwängt. Sind die
Juden als Freunde der christlichen Mitbürger zu betrachten,
dann ist es M 'nschenpflicht, sie zu lieben. Werden sie aber
von der christlichen Gesellschaft als Feinde angesehen, dann
gebietet, das christliche Gebot der Feindesliebe, ihnen wohl¬
wollend zu begegnen. Das Judenthum lehrt zwar nicht,
den l"Vind lieben, es gebietet nur, ihm zu verzeihen,
ihm keinen Groll nachzutragen, denn es geht eben tiefer
auf den Seelenzustand des Gekränkten ein und gebietet ihm
nichts Uebermenschliches. Trotzdem sind die Juden eher
fähig, diese Christenlehre zu üben, da sie stets die gehasste
Minderheit gebildet und am eigenen Leibe die Wirkungen
der Lieblosigkeit erfahren haben. Es soll ferner dargethan
werden, dass der Antisemitismus unmoralisch sei und darum
in der Regel nur von moralisch Schiffbrüchigen betrieben
werde. All das will uns diese apologetische Erzählung
zeigen. — In dem Städtchen Göllheim in der Rhein¬
gegend lebt die christliche Bürgerschaft mit der jüdischen
friedlich beisammen. Als gutes Beispiel wirkt die brüder¬
liche, innige Freundschaft, die den Kaufmann Seligman
Feist — wegen seiner Klugheit und Gelehrsamkeit der
.,Judenpapst" genannt — mit seinem einstigen Schulcollegen.
d^m Holzhändler Robert VV'egner, verbindet. Robert
Wegner ist ein „halber Jude" geworden, ohne bei seinen
Mitbürgern — freilich mit Ausnahme des Pfarrers — Anstoss
zu erregen. Da bringt der in den Grossstädten geborene
Antisemitismus ein verkommenes Subject als politischen
Agitator in diese Gegend, der hier „Stimmen* werben will,
um ein Mandat zu erringen. Er weckt in den christlichen
Mitbürgern den Neid, bringt es mit Hilfe des Pfarrers und
durch lügenhafte Intriguen dazu, dass Robert Wegner an
seinem Jugendfreunde zum Verbrecher wird. Trotzdem
hebt ihn der Jude wieder aus dem moralischen Sumpfe empor,
führt den Jugendfreund, als er gebrochen aus dem Kerker
zurückkehrt, auf den rechten Weg zurück und übt an ihm
solchermassen Christonpflicht. Im Hintergrunde spielt
sich ein kleiner Liebesroman zwischen der Tochter des