Seite
Ni. 5
„Die $c Weif
Seite' 1*
Alle Augen, soviele ihrer waren, auf der Strasse und
zu beiden Seiten auf defi BSnkeri, 1 richteten sich missgünstig
auf sie. Sie fühlte dies und sie wusste auch, dass der eine
oder der andere manche spottgetränkte Bemerkung über sie
losliess. Sie aber schwieg, blickte gerade und stolz vor
sich und presste ihre Lippen trotzig und verächtlich an¬
einander. Sie hasste diese Barbaren, welche keine Ahnung
von den Bedürfnissen eines „aufgeklärten Mädchens von
der heutigen Welt" besassen. Sie hatte viele Romane ge¬
lesen und auch mündlich manches von den wenigen Hand¬
lungsreisen ilen, die hierher verschlagen wurden, erfahren:
und so lag in ihrem Bewusstsein eine dunkle Vorstellung
von einer fernen, glänzenden Welt, in der galante Herren
ihren parfümierten Schnurrbart drehen und Complimente
machen, in der Damen von feiner Lebensart lächeln,
kokettieren und schmollen (wie gut würde sie kokettieren
und schmollen können!), in der Mann und Weib zusammen
tanzen, wo Walzerklänge rauschen und wo man sich endlich
wirklich und wahrhaftig liebt — und sie fühlte, dass ihr
Talent in diesem Sumpfboden kläglich verdorre. „Ach!
Ich bin nur für die Grossstadt !* pflegte sie sentimental aus¬
zurufen und dachte voll Neid an ihre Freundin, welche nach
C. übersiedelt war und in ihren Briefen fortwährend ver¬
sicherte, wie gut man sich daselbst „amüsiere*. Es seien
lauter „amüsante Herren", einer gewissermassen „amüsanter"
als der andere, und man sei geradezu in Verlegenheit, in
welchen man sich zu verlieben habe. Sie aber konnte nur
mit Seufzern über ihr verfehltes, ödes Dasein erwidern und
mit Klagen, die sie entweder aus Schiller oder aus einem
Briefsteller zog, und der Refrain all ihrer Lamentationen
lautete unaufhörlich: Sage dort, dass hier ein Mädchen
einsam trauert uud . sich sehnt nach „amüsanten Herren".
Dicht hinter ihr schritten zwei elegant aufgeputzte
Bursche- Es waren Schneidergesellen, die sich erst seit
kurzem in Solokow befanden und die von einem viel¬
beschäftigten Damenschneider aus einer grösseren Stadt
bezogen waren. Sie hatten kunstvoll aufgezwirbelte Schnurr¬
barte, welche von ausserordentlichem Fleisse zeugten, ge¬
stickte Hemden und schillernde Seidencravaten, einer trug
in der Hand ein Paar Glaces aus gelbem Leder. Ihre iteden
stachen allerdings grell von ihrem- äusseren Aufzuge ab ; es
war der unverfälschte Jargon von der „hintern Gasse", aber
immerhin repräsentierten sie eine Art Europäerthum in
dieser Stadt, und so hielten sie sich für berechtigt, bei diesem
Mädchen anzuklopfen. Die Manieren derselben gefielen ihnen.
Sie hatten sich gleich von Anfang an zu ihr hingezogen
gefühlt und nun schwärmten sie um sie, wie die Motten
um das Licht, obwohl sie sie ihrerseits gar nicht beachtete:
denn sie brauchte einen Mann mit „Bildung", d. h. einen,
der imstande wäre, einen eleganten Liebesbrief zu schreiben
und geschmackvolle Stammbuchverse aus dem Aeimel zu
schütteln. (Schluss folgt.)
Geldsendungen können in recommandierten Briefen
erfolgen. Es wird Papiergeld aller Staaten angenommen.
Anstatt kleiner Münze können Briefmarken beigeschlossen
werden.
Verschiedene Nummern des Jahrganges 1899 können
zur Propaganda an Vereine gegen blosse Entrichtung des
Portos abgegeben werden. — Porto für
Oesterreich und Deutschland für 5 Kilo Kronen 0.60
Serbien ., 5 ., „ 1. —
Russland ,, 2 „ „ 2.—
Rumänien „ 5 „ „ 1.25
England 5 „ ,. 2.35
Irland „ 5 „ „ 2.60
Vom Neujahr 1900 an haben wir dem Verlage
„Tuschijah" in Warschau unsere Vertretung für Russland
übergeben.
Die demnächst zur Ausgabe gelangende Agitations-
Nummer (deutsch) wird nur gegen Voreinsendung des
Betrages abgegeben.
njn j$s npötro pößrs-Krr tarsn? pbtt
-yjapK irr /fi&jm «rr- ssner^ pflsr^iaran
TTtijrrin im pnbjmrr irr pmaoiMpia
♦sn*cD*)K-pre?
Briefkasten.
L. S., Bern. Wir nennen Ihnen „Jüdische Chronit"
von Dr. A. Kurrein, Teplitz, Böhmen.
Juda und Israel. Hübsch empfunden, aber viele formelle
Mängel; leider nicht geeignet.
D. B., Darabani. Leider nicht geeignet.
M. F. Petrikau. Besten Dank für die freundliche Mit¬
theilung. Wir haben darüber schon berichtet.
Ad, M., Jaroslau. Wenden Sie sich vielleicht an die
Buchhandlung J. Kauffmann in Frankfurt a. M.
Briefkasten der Administration.
Unser Jargonblatt 1 circuliert in Rassich-Polen noch nicht, weil
die Erlaubnis hierzu aus Petersburg noch nicht eingelangt ist. In
Petersburg wurde es bereits am 12. v. M. freigegeben und circuliert
auch in ganz Russland, Russisch-Polen ausgenommen.
Aus Russland kommen auffällig viele Reclamationen, dass
sowohr Exemplare der deutschen Ausgabe, als auch der Jargon-
Ausgabe der „Welt" nicht eingetroffen sind, dass z. B. Nr. 3 der
Jargon-Ausgabe und Nr. 2 und 3 der deutschen Ausgabe richtig ein¬
langten, während Nr. I und 2 der Jargon-Ausgabe und Nr. I der
deutschen Ausgabe noch ausstehen. Wir haben regelmässig expediert,
es können daher die fehlenden Exemplare nur noch bei der Censur
liegen. Wir bitten, nach Ablauf einer kürzeren Zeit die fehlenden
Exemplare unter genauer Angabe der Nummer und der Ausgabe —
ob deutsch oder Jargon — bei uns zu reclamieren.
Herr Ingenieur K e s s 1 e r aus Johannesburg wird
ersucht, seine Adresse dem Secretariate des Congressbureaus
bekanntzugeben.
♦jjuarpÄn
,122^22 fjrsrbsnNSs -ipr-K MibTä-ir ps Dxbn vdv
.i&ibiß D:?s"ijrn D?:"a warn ojn nnsöbjrfi psn^sT
□sn Mia'MnnsrjVnp irr MostbanpS -p» yx jnra
Eperies JJH^XKfctf JJH fSTCHlX p&bvz ,Scsavnik DSHK2
-D"1K p:sH JW^IMPSB^ f pr'Ö ,pXj:iS* p$ Bartfeld -t:i X
y?i»ö DwnngrnnpB yc BDsSsron yx djh ,j3»p*issnx
-:iä> % : mb*n yynsxwffbbi^ ]n*b aiörBsw^m "t:ik
-2U$a "urr^ -pa ts-isn -isn$a xn yni im ,j»*n jjn
yx .]:xp jmä-ijr aynstfs» jsr^aaxpbSsä nix \?z-b
ojnrK ^xE^KBin op» ]wx -p» ta^sn zbb*£~v
-vsDzvz^bi ]?~t:?i"b jyr'e \vbbx s-iamp jsnjn yx
ED2S377 yx xi ^npäaaj? pasa-ian d'&ix \züüx:
"212 DX1 ,KT ,£2Xn ■ B35? i ?137D ,, B Hl^VT ")SH "l?131S?n
\vbbymp 'i n&Dbw ,>"p:jnp ijnr ,ta:«iw "p^a^ar
-s?a .Tm "rriiya fpaBxpSSxä »aaTiss:: scsavnik ^
--isnaiim fpin T 1 * iödkö na-imD3j7 l TOssep dd?i:^
is^npisnp prisn^e xh vBibpixi dxi ,a-i$-np
»ISTWT" in "i3iss tD"PDDsna Dbxzn "Diartrasjcna
Tis |msn3$? ,22^-irsnsp oxbn OD-: a-isp ]vp:x-\p
-aar»« fjn3j?:»m$B"i3?n \r$& ,]2Exbn& asraiw wbd-s
-'öya ein 2s a-isnip -iswh Tin ypD^ts-s^aisp ]?2*b
^mjasas? pbbwp -is?r-T DPöbxnj?:
snajci 32arbwüwi2 nzix v^pnxzpixi uri cns t:is
-bmp prorr p« ]VDD*:viDzy2rb: piirrb jyr"o -ps
k*ti ysns-a ix Tis? -pb-isryr i3iK p2*n is mb'*n
m»i b^nais tö
♦i: i PD ,, t' »)Dr ,|^J7^ixD■ ,, :