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,Die Welt"
Nr. 19
Die soeben erschienene Nummer der Vierteljahres-
schritt des „Palestine Exploration Fund" enthält u. a. eine
Uebersicht der auf die neuere palästinensische Colonisation
bezüglichen Daten, beginnend mit 1S78.
Die Unkenntnis der nichtjüdischen Tagesblätter
Amerikas in jüdischen Dingen ist sprichwörtlich. Einer
New- Yorker Zeitung passierte es, dass ihr in einer Be¬
sprechung des jüdischen Osterfestes in kaum 20 Zeilen nicht
weniger als 17 Unrichtigkeiten nachgewiesen wurden, so
meldet „American Hebrew".
An der Universität von Petersburg sind zur Zeit nur
117 jüdische Studenten, dass heisst 322 Percent derGesammt-
zahl. Im Vorjahre waren es noch 138, d. h. 4-1S Percent
der Gesammtzahl. Trotzdem haben vier Auszeichnungen
erhalten, Gregor Landau und Feodor Wolkenstein Gold¬
medaillen, Salomon Grusenberg eine Silbermedaille und
Alexander Janofsky ein Ehrendiplom.
*
In Bessarabien dauert das Elend unter der jüdischen
Bevölkerung noch weiter fort. Die Alliance hat 12.000
Francs gespendet, und der Grossrabbiner von Frankreich
Zadok Kahn, der diese Bewilligung bewirkt hat, setzt
seine Bemühungen auch noch weiter fort. Aber diese Be¬
träge sind begreiflicherweise ungenügend für die Noth.
In St. Petersburg wird demnächst eine Delegierten¬
versammlung der russischen Handwerker stattfinden, zu der
auch Delegierte der jüdischen Handwerker aus Charkow
kommen werden, um ihr eigenes Interesse zu vertreten.
*
In der Üdessaer Stadtbibliothek ist die Nachfrage
nach hebräischen Werken so stark, < 4 ass die Verwaltung
diese Abtheilung vergrössern muss. Der bekannte jüdische
Schriftsteller Dubnow ist zu diesem Zwecke berufen worden.
In Chicago wurden bis jetzt die für ausserordent¬
liche jüdische Wohlthätigkeitszwecke benöthigten Beträge
— in diesem Jahre belaufen sie sich auf 150.000 Dollars
— durch Bälle. Unterhaltungen etc. aufgebracht. Man will
nun den Versuch machen, ohne Vergnügungen sich zu
behelfen, und hofft auf einen Erfolg. Bis jetzt sind bereits
100.000 Dollars an freiwilligen Spenden eingelaufen.
InCincinnati standen einand bei der Wahl zumMayor
zwei Juden gegenüber, Julius Fleischmann und Alfred
M. C o h e n. Ersterer erhielt eine Majorität von 551S Stimmen.
Jüngst war an dieser Stelle die Rede von einer Ver¬
ordnung des amerikanischen Einwanderungs-Conimissärs
bezüglich der Religion der Immigranten. Nun wurde auf
Reclamation hin die Verordnung widerrufen, aber eine
andere Rubrik blieb bezeichnenderweise bestehen, nämlich
die Rubrik: Rasse. Auf Juden angewandt, wird sie aus¬
gefüllt mit: Hebräer. Ob in Russland, England, Frankreich
oder Deutschland geboren, alle Juden sind Hebräer.
Correspondenzen.
Wien. Im Saale der Wiener Cultusgemeinde findet
Sonntag den 13. Mai, 10 Uhr vormittags, die XXVI. ordent¬
liche General-Versammlung der Israelitischen Allianz zu
Wien statt. Tagesordnung: Bericht über die Thätigkeit des
Vereines und über die finanzielle Gebarung im Jahre 1899;
Wahl* von fünf Vorstands-Mitgliedern mit vierjähriger
Functionsdauer (§ 6 der Statuten); Neuwahl des Beirathes
für die Dauer von drei Jahren (§ 6 der Statuten); Etwaige
Anträge der p. t. Mitglieder (§ S der Statuten).
Diakovar. Rabbiner Dr. M. Ehrenpreis wurde zum
Landesrabbiner von Bulgarien gewählt. Dr. Ehrenpreis
ist von seiner Theilnahme an den Baseler Congressen her
in guter Erinnerung.
Vereinsnachrichten.
Wien. Da für die Sitzungen des am 3. u n d 4-. J u n i
(Pfingsten) in Wien stattfindenden zweiten
Verbandstages der jüdischen Handelsge¬
hilfen Oesterreichs nur eine beschränkte Anzahl
Gastkarten ausgegeben werden kann, werden alle die¬
jenigen, welche solche Karten zu erhalten wünschen, ersucht,
sich bis längstens 20. Mai|| an Egon Lederer, I., Wipp-
lingerstrasse 12, zu wenden. Gleichzeitig werden diejenigen,
welche bereit sind, den anlässlich des Verbandstages nach
Wien kommenden Delegierten aus der Provinz freies
Quartier zu gewähren, gebeten, dies (zugleich mit der
Anzahl der zur Verfügung gestellten Betten) obiger Adresse
mitzutheilen.
Der nieder österr. Verbands -Ausschuss
der jüd. Handelsangestellten Oesterreichs.
Wien. Die Neuwahlen der Verbindung österr.-schles.
Hochschüler „Ivria" ergaben folgendes Resultat: Cand. jur.
E.KrasnyX, cand. jur. Mor. Kohn XX, cand. jur. Rud.
Nassau XXX-
Wien. Im Vereine jüdischer Mädchen „Hadassa" hielt
Sonntag den 29. April Herr Bernhard Tag einen hoch¬
interessanten Vortrag über „Das Judenthum im Lichte des
Glaubens und der Ueberlieferung".Die zahlreich versammelten
Gäste und Mitglieder nahmen die ausserordentlich geist¬
reichen Ausführungen des Referenten mit lebhaftem
Beifalle auf. Sonntag den 13. Mai, 4 Uhr nachmittags,
spricht Herr Ernst Müller über „Ahasver in Sage und
Dichtung". Gäste herzlich willkommen.
Wien. Frau Ernestine Wilhelm veranstaltete am
30. April eine Akademie mit Theater zu humanitären Zwecken.
Diese Veranstaltung kann als eine sehr gelungene bezeichnet
wer den. Das Publicum liess an Qualität und Quantität nichts
zu wünschen übrig. Die Veranstalterin wird es nicht bei
diesem Erstlingsversuch bewenden lassen, sie plant im
Sommer ein Fest im Freien in grösserem Stile. Dieselbe
hofft, auch dann auf den Zuspruch ihrer Gönner und Freunde
rechnen zu können.
Czernowitz. Die seinerzeit suspendierte akademische
Verbindung „Hasmonaea" hat ihre Thätigkeit wieder auf¬
genommen und ihr XVIII. Semester eröffnet. Bei der am
22. April erfolgten Constituierung wurden zu Chargen ge¬
wählt : X: A. W e 11, XX: M. Stroh, XXX : A. S c h ü t z e r.
Am 5. Mai findet der Eröffnungscommers statt.
Nadwörna. Wir haben hier in Nadwörna im- vergangenen
Wintersemester eine Reihe von gut gelungenen und für
unsere Sache sehr erfolgreichen Vortrags- und Vor¬
lesungsabenden zu verzeichnen, u. zw. von den Herren H.
L. Gottlieb, (M. Sziget), F. Dunajer, D. Baseches, H. Berger
(Bukarest), Juda Sekler, H. Jeckel und Samuel Gartenberg
(Wien), welche ihren agitatorischen Zweck vollkommen er¬
reichten. Ihren Abschlus fanden diese Abende mit einer
Samstag am 14. April abends im Locale des Vereines „Zion"
abgehaltenen Vereinsversammlung. Als Vorsitzender fun¬
gierte Herr Culturvorsteher Josef Mehr und als Referent
Herr Dr. Adolf Bryck. Delegierter der hiesigen Schekel-
gruppe am III. Zionistencongresse. Das Vereinslocal war
von Mitgliedern und Gästen bis auf das letzte Plätzchen
dicht gefüllt. Nach Begrüssung der Versammlung durch
den Vorsitzenden hielt der Referent einen Vortrag über
das Thema: „Die jüdische Colonialbank". Den geistvollen
Redner lohnte am Schlüsse seiner Ausführungen reicher
Beifall der Anwesenden. Sodann wurden in anregender
Weise zionistische Fragen einer Discussion unterzogen.
Unter den Anwesenden bemerkte man bekannte Antizionisten,
welche aber keine Opposition machten. Auf Veranlassung
der zionistischen Jugend fand am |"|D2 p""lnS zu
Ehren unseres geschätzten Gastes Herrn Dr. Adolf Bryck
bei Herrn Gesinnungsgenossen Meier H ü b n e r ein
Commers statt, bei welchem die Herren Dr. Adolf Bryck,
Josef M ehr, David Basseches, und Fischel Dunajer
Ansprachen hielten. Ch. K.
Zeitschriftenrundschau.
In einem an den „Jewish Chronicle" gerichteten längeren
Schreiben protestiert unser Gesinnungsgenosse Joseph C o w en