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„Die s> Welt?-
Nr. 26
und Kosenhain in Süd-Jersey, wo es noch Platz für viele
tausende von Familien gibt, vorzüglich gedeihen. Die Be¬
strebungen des „Baron Hirsch-Fonds" in New-York, jüdische
Einzelfarmer in New-England zu etablieren, hat es
zuwege gebracht, dass in diesem Staate jetzt (>OÜ solcher
Einzelfarmer leben. Im verflossenen Jahre wurden 86 von
ihnen, welche Farmen im Werte von 179.200 Dollars be¬
sitzen, mit Vorschüssen unterstützt
Canada.
Die Hirsch-Colonie besteht aus 20 Familien
mit 7!) Seelen, welche 1122 Acres Land besitzen. Der Boden
ist sehr ergiebig und bringt per Acre 25—30 Busheis Weizen,
respective (50—80 Busheis Hafer, resp. 300 Busheis Kartoffel,
Producte, welche die Colonisten in den nahen Bergwerken
leicht und zu guten Preisen verkaufen können. Die Colonisten
haben reichlich zum Leben, aber viele von ihnen sind mit
Schulden belastet. Zahlreiche Agenten überlaufen sie und
schwatzen ihnen unter Gewährung langjähriger Ratenzahlung
landwirtschaftliche Maschinen auf, die sie oft gar nicht ver¬
werten können, aber dennoch mit 12 Percent Verzinsung
bezahlen müssen.
Im Jahre 1900 sollen zu diesen Colonisten noch 15
russische Familien hinzukommen. Dieselben waren ur¬
sprünglich auf eigene Kosten und mit einem Capital von
10.000 Mark, gekommen und hatten sich am Swanriver
niedergelassen, wo sie von der Regierung 2i00 Acres Land
und von der Ica 14.000 Mark bekamen; da sie aber da zu
weit von jedem Verkehre waren, siedelten sie schliesslich
nach Hirsch über. (Schluss folgt.)
Der vierte Congress.
Wir machen unsere Gesinnungsgenossen aufmerk¬
sam, dass es in England keinen Passzwang gibt. Den¬
noch ist es gerathen, Legitimations-Documente mitzu¬
nehmen, da Geldbriefe und recommandierte Schreiben
dem Adressaten nur gegen Legitimation ausgefolgt
werden.
*
Welches Echo die Nachricht von der Tagung des
Congresses hervorruft, beweist unter anderem eine
Meldung, die dem Actionscomite aus Thessalien
zugekommen ist. In Larissa hat sich nämlich auf
die Kunde von der Abhaltung des Congresses in London
ein zionistischer Verein von eingeborenen, spaniolischen
Juden unter dem Titel „El Sionismo" gebildet An der
Spitze des Vereines steht Herr Isak Abraham Chakl
*
Zahlreiche österreichische Zions- Vereine haben die
Losung ausgegeben, aus Anlass des Gongresses Massen-
Kundgebungen zu veranstalten. Es sollen nämlich grosse
Volksversammlungen abgehalten werden mit der Tages¬
ordnung : Der Londoner Congress. Die bei
diesen Versammlungen gefassten Resolutionen werden
dann dem Congresse übermittelt werden.
Für die Delegierten, die sich an das
Congress-Bureau wenden, stellt dieses
eine Reise-Route zusammen, deren Be¬
il ü t z u n g s t at t fl. 103-40 (II. C 1 as s e) un d fl. 60-33
(III. Glasse) bloss fl. 79*20, respective fl. 54-40
kostet Ebenso besorgt das Congress-
bureau die Route Berlin — London tour
und retour statt II. Classe fl. 86-52 und
III. Classe fl. 60-70 für fl. 55*—, r e s p e cti v e
11. 37-92.
*
Wir werden von verschiedenen Seiten angefragt,
welche Sprache die officielle Verhandlungssprache des
Londoner Congresses sein wird. Nach den Informationen,
die uns zutheil geworden sind, wird derselbe Usus vor¬
herrschen, wie bei den Baseler Congressen. Es steht
den Delegierten frei, jede beliebige Sprache zur Dis-
cussion zu wählen, und es werden vom Präsidium für
jede Sprache mehrere Uebersetzer nominiert werden.
Der Zionismus in Amerika.
Die dritte Jahresconferenz der vereinigten Zionisten von Amerika
(Federation of American Zionists).
Die Conferenz, welche am 11. und 12. Juni in New-
York stattfand, war in jeder Beziehung ein glänzender Er¬
folg. Die ungeheure Besuchsziffer, die Bedeutung der Redner,
sowie die gefassten Beschlüsse machen die diesjährige
Conferenz zu einem denkwürdigen Ereignisse. Im Folgenden
seien die wichtigsten Momente der Conferenz mitgetheilt.
Stetiges Anwachsen der zionistischen Bewegung.
In der ersten Sitzung, welche Dr. S chaffer (Baltimore)
eröffnete, gab der unter grossem Beifalle zum Präsidenten
gewählte Professor Dr. R. Gottheil eine Uebersicht über
den jetzigen Stand der zionistischen Bewegung in Amerika.
Er wies darauf hin. dass die Ereignisse des abgelaufenen
Jahres dem zionistischen Gedanken neue Anhänger in
Menge gewonnen haben und uns allen die Pflicht auferlegen,
mit aller Kraft für das Erlösungswerk einzutreten. Wie der
Secretär der „Federation* Mr. Morrison mittheilte, hat
sich die Anzahl der zionistisshen Vereine in Amerika im
abgelaufenen Jahre um 35 vermehrt, so dass jetzt 135 Vereine
mit 10.000 Mitgliedern der Federation angehören. Nicht
weniger als 11.000 Agitationsschriften wurden gedruckt und
unter diese Vereine vertheilt. — Dr. Stephen S. Wise theilt
mit, dass der Ausschuss einen Preis von 5000 Dollars für
die beste Abhandlung über eine der folgenden Persönlich¬
keiten ausgeschrieben habe:
Disraeli und George Eliot.
Emma Lazarus und Michael Hilprin.
Dr. P i n s k e r und Mohilewer.
Hierauf wurde ein Brief Dr. N o r d a u s und ein Be-
grüssungstelegramm von Dr. Herzl verlesen.
„Jeder Jude ist ein Zionist!"
Am Abeäad fand ein „Massenmeeting* in Cooper Union
statt. Es war eine Massenversammlung im wahrhatten Sinne
des Wortes. Die Riesenhalle war bis aufs letzte Plätzchen
gefüllt, die Eingänge bis auf die Strasse von Menschen um¬
drängt. Rabbiner Gustav G o 11 h e i 1, der den Vorsitz führte,
sprach nur wenige Worte, aber die sanken den Zuhörern
tief in die Seele. „Es gibt keine Antizionisten," sagte er.
„Man kann ein Jude sein, ohne an unserer Ethik festzuhalten,
aber wie kann einer, dem jüdisches Blut in den Adern
iiiesst, den zionistischen Gedanken bekämpfen? Jeder wahre
Jude ist von Natur ein Zionist!"
Die von Schaff er, Iliowizi und Masliansky
gehaltenen Ansprachen riefen stürmische Begeisterung
hervor.
Die Wahl zwischen Leben und Tod.
Dr. Herz aus Johannesburg überbrachte, wie er
sagte, Grüsse von 3000 Zionisten aus Südafrika. Auch
seine Worte werden den Juden Amerikas lange in den
Ohren klingen: „Wir haben die Wahl zwischen Leben und
Tod!" sollte zum Motto eines jeden Juden werden, und
nicht minder eindringlich war der Ausspruch : „Dass so viele
Juden mit ihrem jetzigen Lose zufrieden sind, das ist die
wahre Tragödie Israels!"
6,000.000 Argumente für den Zionismus.
Dr. Stephen S. Wise, der nächstens New-York ver-
lässt, machte mit den wenigen Sätzen, die er sprach, einen
tiefen Eindruck. „Es gibt sechs Millionen lebende, blutende,
leidende Argumente zugunsten des zionistischen Gedankens."
Wahl dor Functionäre.
In der dritten Sitzung wurden folgende Functionäre
gewählt: Präsident Prof. Dr. R. Gottheil, Cassier Isidor
D. Murriso n, Secretär K. H. Sarasohn, die Vice-
präsidenten Dr. Aaron Frieden wald (Baltimore), Doctor
Jastrow und Dr. Leventhal (Philadelphia), Doctor
Margolies (Boston), S.N. Dembitz (Louisville), Doctor
Gustav Gottheil und Dr. Isidore Meyers (San Francisco),
Dr. Masliansky und Dr. Iliowizi (Philadelphia),
Dr. Morris Mendel (Washington).
Der Ausschuss setzt sich aus folgenden Herren
zusammen: W. Schur (Chicago), Dr. Gordon (Phila¬
delphia), Miss S z o l d (Baltimore), Leon Zolotkow
(Chicago), Dr. M e n d e s, A. R a d i n (New-York), M. K1 e i n
(Philadelphia), ßarnet (Reading. Pa.), Dr. Bluestone,
Dr. Minz, S. D. Birkam (New-York), S. B. Abel
(Baltimore).