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7 N., halchährig 3 R. 50 Kop. Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien,- Griechenland, Egypten ganzjährig
17 Frcs. halbjährig 8 Frcs. 50. Amerika ganzjährig 3 Doll. 40.
Uv. 12. Wie«, 20. August 189V. 1. Jahrgang.
Gin Vorschlag.
Von Dr. Herma«« Schapira»
Professor an der Universität zn Heidelberg.
Zum dritten Punkte lit. b der Tagesordnung des Base¬
ler Congresses melde ich als Mitglied den nachstehend aus¬
geführten Antrag an. Ich habe den Gedanken bereits vor
vielen Jahren angeregt und ihn seinerzeit auch der Dele-
girtenversammlung zu Kattowitz telegraphisch ans Herz
gelegt.
Stellen wir uns vor, unsere Ahnen hätten bei ihrer
Auswanderung ins Exil eine, wenn auch noch so kleine
Summe für künftige Zeiten gesichert, so würden wir heute
damit größere Territorien erwerben können.
Was unsere Vorfahren theils nicht gekonnt, theils ver¬
säumt haben, das sind wir zu thun verpflichtet für uns
und unsere Nachkommen.
Legate für künftige Zeiten unterliegen aber der Gefahr,
später nicht zu dem ursprünglich beabsichtigten Zwecke ver¬
wendet zu werden. Dieser Sorge soweit als möglich Rech¬
nung zu tragen, ist das Bestreben dieses Vorschlages.
1. Es sollen von allen Juden der Welt, von Arm
und Reich, ohne jeglichen Unterschied, soweit es die Gesetze
derjenigen Staaten, denen die betreffenden Juden ange¬
hören, erlauben, einmalige und periodische Beitrüge zur
Begründung eines allgemeinen jüdischen Fonds gesammelt
werden.
2. Zwei Drittel des so gebildeten Fonds sollen als
Territorialfonds betrachtet werden und dürfen nur zur Er¬
werbung von Jüdischein Territorium verwendet werden,
während ein Drittel für Erhaltung und Cultivirung des
erworbenen Territoriums, sowie für gleichwichtige allgemeine
jüdische Zwecke Verwendung finden soll.
3. Das erworbene Territorium darf niemals veräußert,
auch nicht an einzelne Juden verkauft werden, sondern es
kann nur verpachtet werden und zwar auf höchstens 49
Jahre und nach noch auszuarbeitenden Grundsätzen.
4. Der oberwähnte Fonds darf an Capital und Zinsen
nicht angetastet werden, bevor er eine Höhe von mindestens
10 Millionen Pfund Sterling erreicht hat.
5. Bevor eine Summe aus dem Fonds entnommen
wird, muß erst für eine Garantie gesorgt werden, daß der
Betrag vollauf in höchstens 50 Jahren wieder ersetzt werde.
6. Zur Verausgabung einer jeden die jährlichen Zinsen
übersteigenden Summe aus dem Grundcapital des Fonds
bedarf es der Stimmenmehrheit des plebiscitär zu ver¬
nehmenden jüdischen Volkes, so gut dieses überhaupt aus¬
führbar ist.
7. Soll der auszugebende Betrag die Hälfte des ganzen
Grundcapitales übersteigen, so bedarf die Ausgabe eine
Stimmenmehrheit von mindestens zwei Drittel aller erreich¬
baren Stimmen.
8. Die Verausgabung einer Summe bis zum Betrage
der jährlichen Zinsen kann auf Beschluß der Verwaltung
geschehen.
9. Soweit thunlich, sollen bevorstehende Ausgaben ein
Jahr vorher dem Volke, oder seinen Vertretern vorge¬
schlagen werden. Nur in dringenden Ausnahmsfällen kann
sich die Verwaltung im Laufe des irächsten Jahres nach¬
träglich Indemnität einholen.
10. Die Verwaltung wird von denk gegenwärtigen
Congreß provisorisch bestinimt. Der nächste Congreß be¬
stimmt definitiv für die konrinenden zehn Jahre. Im Laufe
der irächsten zehn Jahre soll ein festes Statut für die zu¬
künftige Verwaltung aufgestellt werden.
11. Abänderungen dieser Satzungen können nur auf
Grund eines Plebiscits mit einer Stimmenmehrheit von
mindestens zwei Drittel aller erreichbaren Stimmen vorge¬
nommen werden.
12. Einem solchen Plebiscite muß eine dreimalige Be¬
kanntmachung mit Zwischenpausen von jeweils zehn Jahren
vorangegangen sein, die jedesmal so gut als möglich unter
alle Juden verbreitet worden zu sein hat.
Juden «ud Christen.
Von S. L«bli«stt.
(Schluß.)
Denn die Metaphysik, darüber muß man sich klar sein,
ist ein Grundbestandtheil des Christenthums. Sehr natürlich.
Sobald sich der einzelne Mensch von seinem Staat und
seinem Volke losgelöst sah, sobald er gleichzeitig seine Lebens¬
triebe entfesseln und sie beherrschen sollte, sobald er, mit
einem Wort, in allen Fragen von Recht und Sitte ganz
und gar auf sich angewiesen war, mußte er sofort auch
über die Ursache, das Wesen und den Zweck der Welt zu
sinnen und grübeln beginnen — Metaphysiker werden. Gar
bald erkannte er wohl auch, daß es sehr gefährlich wäre,
sich zu exaltiren und dennoch die Sünde zu ineiden Das
überstieg die menschliche Kraft, und so mußte der Christlich¬
gesinnte vor der gewaltigen Natur, so sehr er sich auch
verfeinert und verinnerlicht hatte, die tiefste Angst bekommen.
Das entfesselte Individuum erkannte seine Hilflosigkeit