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WIEN
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Nr. 13.
Wien, 29. März 1901.
5. Jahrgang
Die nächste Nummer der „Welt" erscheint als
Pessach-Fest au sgabe in vergrössertem Um¬
fange und vermehrter Auflage. Sie wird u. a. Bei¬
träge von den folgenden Schriftstellern bringen:
Dr. Theodor Herzl, Heinrich York-Steiner, Balduin
Groller, Börnes Freiherr v. Münchhausen, Dr. J. Rülf,
Martin Buber, Theodor Zlocisti, Dr. Philipp Menczel,
Martin Friedländer, Dolorosa (Berlin), Alfred Nossig,
Dr. Heinrich Loewe, Heinrich Grünau, Max Jung-
mann, Adolf Donath, A. Ludvipol, Max Fleischer etc.
Die Nummer eignet sich besonders
fürlnserate.
Die Administration der „Welt ( S
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Der Erste österreichische Zionistentag.
(Olmütz, 24v und °25. März 1901.)
Mit grosser Befriedigung konnten wir von Ohmütz
zurückkehren. Der Zionistentag hat uns viel gebracht,
mehr sogar, als wir von ihm verlangten. Er ist in Form
und Inhalt weit über das hinausgewachsen, was in den
ursprünglichen Plänen gelegen war.
„Es sollen Arbeitstage im wahren Sinne des
Wortes werden/ ■— das verlangten die Veranstalter.
Das ist ehrlich gehalten worden, -pn Arbeitspensum,
das dem der Congresse nicht ajl^u sehr nachstand,
wurde mit Ernst, mit Fleiss, mit Freimulh und Sach¬
lichkeit erledigt. Die Wüide der Conferenz wurde auch
nicht einen Augenblick gestört, und der Präsident kam
selten, dazu, die Strenge der Geschäftsordnung in An¬
wendung zu bringen. y^f-
; Der Zionistentag hatte ursprüglich nur den Zweck,
eine Gesammtorganisation der österreichischen Zions-
Vereine, also etwas rein Aeusserliches, wenn auch nicht
Unwichtiges, anzubahnen. Allmählich aber wurde die
Tagesordnung so ausgestaltet, dass die wichtigsten
Fragen des Zionismus mit zur Berathung gestellt
wurden. In Bezug auf die Behandlung^ der einzelnen
Punkte der Tagesordnung hat der Zionistentag eine
Einführung getroffen, die sich aineh für die Gongresse
empfehlen würde: Die Referenten 'haben nämlichv die
leitenden Sätze ihrer Referate schöh frühem den
Delegierten zur Verfügung gestellt, die dadurch Gelegen¬
heit hatten, mit fertigen Entschlüssen vor die Gonferenz
zu treten. In der Debatte machte sich diese Neuerung
sehr angenehm bemerkbar. Die sogenannten „Thesen"
trugen viel dazu bei, dass Abirrungen vom Verhandlungs¬
thema unterblieben und die Debatten sich nicht in die
Länge zogen.
Der Punkt „Programm 44 der Tagesordnung gab
Gelegenheit zu , einer gross angelegten Debatte. Alle
Delegierten stimmten darin überein, dass der Zionismus
an eine Ergänzung, beziehungsweise Erweiterung seines
programmatischen Inhaltes gehen müsse. Die , ? Organi¬
sation 44 , das heisst die Vorbereitung und Erziehung der
jüdischen Massen für den Zionismus soll durch jene
socialpolitische Thätigkeit erfolgen, die wir gewöhnlich
in den Begriff der körperlichen, wirtschaftlichen und
geistigen Hebung der Juden eins&iliessen. Diese Forderung
wurde vom Zionistentage programmatisch formuliert
und zugleich das Verlangen zum Ausdrucke gebracht,
der Gongress möge sich dieser Forderung in principieller
Hinsicht anschliessen und eine für den Gesammt-
Zionismus verbindliche programmatische Formel finden.
Die Specialdebatte zu diesem Punkte wurde vom
Gesichtspunkte der Zweckmässigkeit und Durchführbar¬
keit geleitet. Es wurde nur die Gründung solcher
Institutionen beschlossen, die unter den augenblicklichen
Verhältnissen Aussicht auf Erfolg und Bestand haben.
Uebereinstimmend wurde dabei von den Delegierten
betont, dass es sich nicht um Massengründungen handeln
dürfe, sondern um systematische und vorsichtige Be¬
gründung derjenigen Institutionen, die den jeweiligen
localen Interessen am meisten dienen.
Die Organisations-Debatte wurde von dem Gesichts¬
punkte aus geführt, dass es sich empfehle, die Landes¬
organisation möglichst unabhängig zu steilen und einen
bestimmten Agendenkreis ihrer selbständigen und un¬
beschränkten Thätigkeit zu überlassen. Mit einem Fleisse,
der alles Lob verdient, wurde der nüchterne Gegen¬
stand behandelt. Das Elaborat des Organisations-
Statules, das endlich genehmigt wurde, zeugt aber auch
von Systematik und nicht nui ;:: von organisatorischem,
sondern zugleiclCypn grossem agitatorischen Verständ¬
nisse. Dadurch, dass sämmtliche Delogierte sich diesem
Organisations-Statute anschlössen, wurde — sozusagen